Leben im Wohnwagen

„Für Dauercamper ist es aktuell hart“

Wohnen auf 25 Quadratmetern: Camper Helmut Riedemann (rechts) und Platzbetreiber Morten Cordes kennen sich schon lange, denn Riedemann war ehemals der Platzwart des Geländes.
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Wohnen auf 25 Quadratmetern: Camper Helmut Riedemann (rechts) und Platzbetreiber Morten Cordes kennen sich schon lange, denn Riedemann war ehemals der Platzwart des Geländes.

Auf den Campingplätzen in Eitzendorf herrscht Totenstille. Dennoch: Hier und da sind Spuren im Schnee zu erkennen, und in einigen Wagen brennt Licht.

Eitzendorf – Auf den Campingplätzen „Am See“ und „Seerose“ in Eitzendorf dürfen wegen der Corona-Pandemie derzeit keine Feriengäste unterkommen. Doch selbst wenn es erlaubt wäre, würden sie vermutlich nicht kommen. Es ist einfach zu kalt draußen. Ein paar Camper sind dennoch vor Ort.

„12 bis 15 Dauercamper leben hier das ganze Jahr über“, erklärt Sven Bremecker, Platzwart des Campingplatzes „Am See“. Sie sind neben einigen Monteuren momentan die Einzigen, die trotz Krise und Kälte mit ihrem Wohnmobil in Eitzendorf verweilen. Auf dem Gelände „Seerose“ sind es sogar nur zwei Personen. Die Dauercamper stehen derzeit vor Herausforderungen, denn das Virus sowie die aktuellen Witterungsverhältnisse bringen Probleme mit sich. „Für sie ist es aktuell wirklich hart“, meint Sven Bremecker, der gemeinsam mit dem Betreiber Morten Cordes den Platz in Eitzendorf verwaltet.

Möglich ist das Dauercamping während der Pandemie auf dem Platz „Am See“ überhaupt, da es dort ein geduldetes Wohnrecht für die Camper gibt. „Das bedeutet, dass sie bei uns ihren Erstwohnsitz angemeldet haben“, erklärt Sven Bremecker, der in Eitzendorf seit Mai vergangenen Jahres angestellt ist. Das ist jedoch nicht überall so. Einige Betreiber lassen auf ihren Plätzen zwar Jahrescamper zu, sprechen mit ihrem Angebot jedoch eher Menschen an, die ihr Wohnmobil dauerhaft als Zweitwohnsitz nutzen wollen. So ist es auch auf dem Platz „Seerose“. Dort gibt es zwar 62 Ganzjahresplätze, doch deren Besitzer verfügen über kein Wohnrecht auf dem Gelände. Ausschließlich die besagten zwei Personen haben ihren Erstwohnsitz dort anmelden dürfen. Zwar hat es laut Betreiber Gerd Heinevetter während der Pandemie mehrere Anfragen diesbezüglich gegeben, doch die musste er ablehnen. „Für einen kleinen Platz wie unseren bedeutet das einen großen organisatorischen Aufwand, der mit erheblichen Kosten verbunden ist, denn dann müsste ich auch das Sanitärgebäude offen halten und regelmäßig reinigen lassen“, begründet Heinevetter seine Entscheidung. Die beiden aktuellen Bewohner, die der Betreiber seit etlichen Jahren kennt, hätten einen Schlüssel für das Gebäude und würden sich selbst um die Reinigung kümmern.

Auf dem Platz „Am See“ sei aufgrund des geduldeten Wohnrechts das Sanitärgebäude während der Krise geöffnet. Hinzu komme, dass dort nicht jeder Stellplatz über einen Abwasseranschluss verfüge. „Die Dauercamper müssen schließlich duschen oder ein Badezimmer aufsuchen können“, erzählt Sven Bremecker von der dortigen Hygieneversorgung. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie dürften sich im sogenannten Waschraum beispielsweise aktuell auch nur zwei Personen aufhalten.

Bei den frostigen Temperaturen müsse man sich organisieren. „In einem Haus oder einer Wohnung geht man einfach in sein Badezimmer und stellt sich eine warme Dusche oder die Heizung an“, sagt Sven Bremecker. So einfach sei das auf dem Campingplatz aber nicht. Zwar sei warmes Duschen im Sanitärgebäude möglich, doch den eigenen Wohnwagen müssten die Bewohner mit Gas heizen. „Man muss sich im besten Fall einige Gasflaschen auf Vorrat besorgen, damit man nachts nicht frieren muss.“

Das weiß auch Dauercamper Helmut Riedemann. Er wohnt seit 2016 fest auf dem Platz „Am See“. „Bei diesen Temperaturen ist der Verbrauch an Gas viel höher“, sagt er. Sein rund 25 Quadratmeter großes Zuhause sei nur bedingt isoliert. „Aktuell sind es um die 15 Grad hier drin“, meint der 77-Jährige. Wenn es ihm dann aber doch mal zu kalt wird, schaltet er zusätzlich noch den Heizlüfter an. Auf die Frage, ob er in seinem Leben als Dauercamper etwas vermissen würde, sagt Helmut Riedemann klar und deutlich: „Nein, überhaupt nichts!“ Er sei schon immer ein Naturfreund gewesen, könne durch die große Glasfront in seinem Camper sogar Rehe beobachten und habe schon als Kind einsam gelebt. „Ich bin das gewohnt und zufrieden damit“, sagt er. Helmut Riedemann ist in seinem Leben viel gereist, all das Geld, was er verdient habe, sei in seine Reisen geflossen. „Ich habe gut gelebt und wusste, dass ich später nicht viel Geld haben würde, daher ist es für mich hier eine gute Lösung.“

Bei Gerd Heinevetter auf dem Platz „Seerose“ werde ebenfalls mit Gas geheizt. Zudem gebe es auch dort eine Stromversorgung. „Man muss abgehärtet sein, aber die Camper sind die Witterung gewohnt. Sie leben ja auch nicht in einem ,nackigen‘ Wohnwagen, sondern haben sich gut ausgestattet, beispielsweise mit einer Stromheizung.“ Die Stellplätze hätten daher auch jeweils einen eigenen Zähler.

Beim Camping gibt es außerdem nicht viel Platz, führt Sven Bremecker die Unterschiede zu einem Leben mit eigenem Haus und Garten aus. Dauercampern werde auf dem Gelände „Am See“ eine Fläche von rund 100 bis 250 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Zudem könnten im Wohnwagen auch nicht viele Lebensmittel auf einmal gelagert werden.

„Aber genau das ist es auch, denke ich, weswegen man sich für ein Leben als Dauercamper entscheidet: Der Reiz, sein Leben zu minimalisieren“, vermutet Sven Bremecker, der während der Saison ebenfalls auf dem Platz lebt. Seiner Meinung nach hat womöglich die Pandemie-Situation dieses Bedürfnis noch verstärkt. „Man beschränkt sich auf das, was man eben wirklich benötigt“, sagt er. Das Bedürfnis hätten momentan viele Menschen. Hinzu komme jedoch auch der finanzielle Aspekt. Das Leben auf einem Campingplatz sei im Gegensatz zu dem in einer Wohnung günstiger, fügt Betreiber Morten Cordes hinzu.

Neben der Kälte würden derzeit auch die Corona-Einschränkungen eine Herausforderung darstellen. „Man muss sich vorstellen, dass Camping im Prinzip das Leben in einer Mikrowelt bedeutet, und dabei ist der Kontakt untereinander ungemein wichtig“, weiß Sven Bremecker. Aufgrund der Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen sei das aber nicht möglich. Um die Einhaltung zu kontrollieren und nach dem Rechten zu schauen, drehe er regelmäßig seine Runde auf dem Platz. „Natürlich geht es dabei auch darum, mal einen kleinen Plausch zu halten. Ich frage dann, ob jemand noch etwas benötigt, oder erkundige mich nach dem Gesundheitszustand, wenn jemand krank ist“, sagt er.

Anders verhält es sich auf dem Gelände „Seerose“. Der Platz ist aktuell geschlossen und öffnet erst zu Beginn der Saison am 31. März. „Dauercamper können ihn zwar derzeit betreten, aber es gibt ein Übernachtungsverbot. Ausschließlich die beiden Camper mit Wohnrecht dürfen dort auch nächtigen“, erklärt Gerd Heinevetter. Die Abstands- und Hygieneregeln könnten gut eingehalten werden, denn die beiden Bewohner würden an verschiedenen Enden des Geländes wohnen. Falls dann doch einmal Familien kommen, um den Tag in ihrem Wohnwagen zu verbringen, sei jeder selbst für die Einhaltung der Regeln verantwortlich. „Ich bin nicht ständig vor Ort, um zu kontrollieren“, meint Heinevetter. Einer der beiden Bewohner sei jedoch der Platzwart seines Geländes und schaue nach dem Rechten.

Von Nala Harries

Der Campingplatz „Seerose“ ist geschlossen: Dauercamper dürfen das Gelände zwar betreten, dort aber nicht übernachten.

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