Fünfjähriger leidet an Epilepsie / „Hafensänger und Puffmusiker“ helfen finanziell

Adele wittert, wenn Felix ein Anfall droht und holt Hilfe

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Simone Ruhnau und Oliver Wolf wollen mit den „Hafensängern und Puffmusikern“ der Familie Muscher finanziell helfen.

Von Horst Friedrichs. Adele wird ein Multitalent. Schon bald wird die fünf Monate alte Labrador-Retriever-Hündin groß und stark und perfekt ausgebildet sein. Dann wird sie dem fünf Jahre alten und schwer kranken Felix Muscher in all seinen schwierigen Lebenslagen eine treue und stets wachsame Begleiterin sein. Droht dem Jungen ein epileptischer Anfall, wird Adele schon vorher Alarm schlagen. Das ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben, wenn sie ihre Spezialausbildung als Therapiehündin erst einmal absolviert hat.

Adele lebt bei der Familie Muscher in Wietzen. Die hat nun in einem Pressegespräch dargelegt, was sie mit der Hündin vorhat, und wie der Eystruper Verein „Hafensänger und Puffmusiker“ dabei hilft.

Den Stein ins Rollen gebracht hat Simone Ruhnau aus Balge. Sie ist mit Felix‘ Mutter Anika Muscher befreundet und erlebte von Anfang an den Leidensweg mit, den Mutter und Sohn bis jetzt schon gehen mussten. Denn neben der Epilepsie leidet Felix an vielen weiteren Krankheiten. „Ein Klinikaufenthalt folgte dem anderen“, berichtet Simone Ruhnau. „Ich konnte nicht mehr mit ansehen, wie Anika ans Ende ihrer Kräfte geriet.“ Wie eine Hilfe aussehen kann, wusste Simone Ruhnau; schließlich ist sie Mitglied des gemeinnützigen Vereins „Hafensänger und Puffmusiker“ (H&P).

Der nächste Schritt, im Dezember vergangenen Jahres, war schnell getan. „Nachdem Simone uns die unvorstellbar schweren Belastungen der Familie Muscher geschildert hatte, waren wir entschlossen, sofort etwas zu unternehmen“, sagt Oliver Wolf aus Eystrup, der H&P-Vorsitzende und -Gründer. Vor Weihnachten beschloss der Verein, 5000 Euro zur Spezialausbildung des Therapiehunds beizusteuern. Das Geld soll durch den Erlös des schon traditionellen E-Jugend-Fußballturniers in Hülsen (dieses Jahr am 18. Juni) aufgebracht werden.

Die zugesagten 5000 Euro für die Spezialausbildung des Therapiehunds Adele, so Oliver Wolf weiter, werden auf jeden Fall fließen, wie hoch der Erlös des Turniers auch ausfallen mag. Die Gesamtkosten für Adeles Spezialausbildung betragen 7000 bis 10000 Euro.

Mit ihrer hochempfindlichen Nase wittert Adele als Felix‘ ständige Begleiterin kritische Veränderungen in seinem Blutbild. Und sie lernt, lebensrettend einzugreifen, sobald sie einen heraufziehenden Anfall erkennt. Selbst wenn sie dann mit Felix allein zu Haus sein sollte, wird Adele nicht hilflos sein: Sie wird dann gelernt haben, einen Lichtschalter und eine Notruftaste zu betätigen. Und sobald sie die „Belohnung“ dafür erhält, nämlich das Eintreffen des Rettungswagens, wird sie die Haustür öffnen.

Aber auch in weniger dramatischen Alltagssituation wird Adele eine hilfreiche „Hand“ beweisen – so zum Beispiel als Stütze für Felix, wenn er die Treppe hinuntergehen muss. Auch die Socken kann Adele ihm ausziehen, und allein durch ihr freundliches Wesen wirkt sie stabilisierend auf den kranken Jungen. Mit seiner Betreuung ist Anika Muscher voll ausgelastet, und nicht selten hat sie die Befürchtung, dass ihr ältester Sohn, der siebenjährige Maximilian, ein wenig zu kurz kommt. Maximilian hat keine gesundheitlichen Probleme. Sein Vater Niko Muscher arbeitet bei einer Firma für Windkraftanlagen. „Da koordiniert er die Einsätze“, sagt seine Frau, „60 Stunden pro Woche“.

Für Felix begann bereits mit der Geburt ein langer Leidensweg. Als er in der 35. Schwangerschaftswoche durch Kaiserschnitt zur Welt kam, bestätigte sich ein Verdacht: Felix leidet unter einem Hydro-Zephalus, gemeinhin Wasserkopf genannt. Die Haupterkrankung wird „Arnold-Chiari-Malformation genannt“. Regelmäßige Druckmessungen per Hydrosonde wurden erforderlich, und im Bremer St.-Jürgen-Krankenhaus, wo Felix regelmäßig Patient ist, brachte er mittlerweile bereits neun Gehirnoperationen hinter sich. Überdies hat er mit Erkrankungen an Lunge und Kehlkopf zu kämpfen. Erst im Oktober vergangenen Jahres wurde Felix am Kehlkopf operiert.

„Sein Elektro-Enzephalogramm zeigt ständig epileptische Potenziale“, sagt Anika Muscher. Im vergangenen Jahr dann fuhr Niko Muscher mit seinem kranken Sohn zu einem Ferienaufenthalt nach Cuxhaven, um seine Frau zu entlasten. Dort erlitt Felix einen schweren Anfall, und nach einer dramatischen Rettungsfahrt konnte er buchstäblich in letzter Minute im vertrauten Bremer Krankenhaus lebensrettend behandelt werden.

„Danach sind wir auf den Hund gekommen“, scherzt Anika Muscher, die ihren Humor nicht verloren hat.

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