„Roodlücht för een ollen Schinken“

Premiere der Theaterspieler Eitzendorf: Frivole Erben sorgen für Lachsalven

Wie man richtig strippt, das zeigten die Akteure der Eitzendorfer Theatergruppe im Gasthaus „Zur Post“. Foto: Uwe Campe
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Wie man richtig strippt, das zeigten die Akteure der Eitzendorfer Theatergruppe im Gasthaus „Zur Post“.

Eitzendorf - Von Uwe Campe. „So een Luder, so een verlagenet Luder, nicht mal een Kleed or Schlüpfer het se mi achterloten“, schimpft Lisbeth Brümmerloh (Anja Hopmann) über ihre kürzlich verstorbene ältere Schwester Luise Kramer. In der Tat, ob Schiesser-Doppel-Feinripp oder String-Tanga, ein nicht unbedeutendes Kleidungsstück zieht sich wie ein roter Faden durch die weitere Handlung des plattdeutschen Dreiakters „Roodlücht för een ollen Schinken“, mit dem die Eitzendorfer Theaterspieler jetzt eine gelungene Premiere im Gasthaus „Zur Post“ feierten.

Gleich eine der ersten Szenen zeigt einen in langer Unterhose vor einer roten Wärmelampe (Rotlicht) sein Rheuma auskurierenden Opa Brümmerloh (Christian Hopmann), dem sich im weiteren Verlauf viele ähnlich „erotische“ Bilder anschließen.

Doch der Reihe nach: Der etwas unbeholfene, aber gutmütige Jan-Ole Brümmerloh (Jan-Dirk Hopmann) hat von besagter Tante Luise, um die er sich als einziger noch gekümmert hat, die leider schon stark heruntergekommene Gastwirtschaft mit Saal und Wohnhaus „Der alte Schinken“ in Poppenbüttel geerbt. Allerdings hat die Tante die Erbschaft mit der Auflage verbunden, dass das Wirtshaus binnen sechs Wochen wieder flottgemacht werden muss, anderenfalls würde ihre Katze „Cleopatra“ Erbin werden. Dem Nachlassverwalter Christian Habermann (Ehler Gansbergen) ist innerhalb dieser Frist ein Umsatz von insgesamt 10 000 Euro nachzuweisen.

Unterstützt von seinen Eltern, der resoluten Lisbeth Brümmerloh, ihrem finanziell stets etwas klammen Ehemann Paul Brümmerloh (Thorsten Henkel) sowie dem schlitzohrigen Großvater Friedrich Brümmerloh, versuchen sie zunächst auf herkömmliche Weise, dieses schwierige Unterfangen zu meistern - allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.

Auch die nächsten von Opa Friedrich zwar geschickt eingefädelten, aber letztlich ungeeigneten, zunehmend ins „Rotlichtmilieu“ abgleitenden Versuche, sind nicht wirklich zielführend, sodass sich immer mehr Resignation einstellt, zumal der Familie auch die Zeit davonläuft. Da hat die von einer mehrwöchigen Kur zurückgekehrte Lisbeth schließlich eine letzte Idee ...

Weitere Mitwirkende in diesem turbulenten, die Lachmuskeln der Zuschauer ein ums andere Mal strapazierenden Stück sind die schnippische Tierschützerin Cordula Meisenbrot (Sandra Strangmann), die ständig neugierige Nachbarin Hannelore Eppelkött (Ingrid Cordes), ihre etwas arg naive Tochter Vicky (Corinna Neuhaus) sowie Jan-Oles frühere Freundin, die attraktive und pfiffige Sandra (Maria Wascher). In vielen überraschenden Momenten und Szenen ruft allein schon das Erscheinen der originell kostümierten Akteure auf der Bühne lautstarken Applaus aus. Zudem bedient sich Autor Helmut Schmidt aus Oldenburg zahlreicher mehr oder weniger harmloser Frivolitäten, etwa wenn er Opa Friedrich den Vornamen von Vicky beharrlich nicht weich mit „W“, sondern hart mit „F“ aussprechen lässt. Aber es sind genau diese kleinen, häufig mit durchaus zündenden Pointen verbundenen Schlüpfrigkeiten, die beim Publikum immer wieder Lachsalven und Szenenapplaus auslösen.

Aber auch die schauspielerische Leistung aller acht Akteure verdient höchste Anerkennung und es wäre unfair, hier jemanden besonders hervorzuheben. Eher könnte man von einer sehr homogenen Mannschaftsleistung sprechen, in die ausdrücklich auch die Souffleuse Annelore Bohlmann, der erstmals die Anmoderation und die Vorstellung der Spieler übernehmende Nils Rippe sowie der weitere Helferstab einzubeziehen sind.

Die Premierengäste im fast ausverkauften Saal zeigten sich denn auch von der Vorstellung sehr angetan und spendeten einen langen und lautstarken Schlussapplaus. Für das Team um Christian Hopmann war er neben einer sich einstellenden großen Erleichterung über den gelungenen Auftritt auch der verdiente Lohn für monatelange mühevolle Proben und Vorbereitungen.

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