Friedrich Graf zu Dohna erzählt von der Flucht der Schlobitter und Prökelwitzer

1500 Kilometer durch den eisigen Winter

1500 Kilometer legte der Treck der Schlobitter und Prökelwitzer zurück, ehe er nach knapp zwei Monaten auf dem Gut von Behr in Hoya eintraf.
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1500 Kilometer legte der Treck der Schlobitter und Prökelwitzer zurück, ehe er nach knapp zwei Monaten auf dem Gut von Behr in Hoya eintraf.

Bücken - Von Alena Staffhorst. „Können Sie sich vorstellen, dass Sie von heute auf morgen keinen Besitz mehr haben?“ – Diese Frage stellte Friedrich Graf zu Dohna kürzlich zu Beginn eines VHS-Vortrags in der Grundschule in Bücken. Mehr als 200 Besucher hörten sich gebannt seine Erzählungen über die Flucht der Schlobitter und Prökelwitzer im Jahr 1945 an. Der Vater des heute 81-Jährigen, Alexander Fürst zu Dohna, hatte den Treck angeführt.

Es war am 22. Januar 1945, als der Fürst in Schlobitten den Befehl zur Flucht gab. Mehr als 350 Menschen und 150 Pferde machten sich auf den Weg Richtung Westen. Vor ihnen lagen um die 1500 Kilometer, die sie teils zu Fuß, teils auf Wagen zurücklegen mussten.

Anhand von Bildern, Kurzfilmen und Power-Point-Präsentationen veranschaulichte Friedrich Graf zu Dohna in Bücken die schwierige Flucht vor den Russen am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Der Fürst führte den Treck an. Er war seinem Gefolge stets einen Tag voraus, um sich vorab um Unterkünfte und Verpflegung zu kümmern. Nicht immer gelang das, teilweise schliefen die Männer, Frauen und Kinder in Ställen. Nur einmal während der Flucht konnten sie sich richtig waschen.

Ein Ziel des Trecks war es, schnell die großen Flüsse – wie die Weichsel und die Donau – zu überqueren. Zu groß war die Angst, dass die Russen die Brücken zerstören und die Flüchtlinge somit nicht mehr entkommen könnten.

Nicht alle Reisenden hielten durch, einige, besonders ältere Menschen, starben während der Flucht. Sie mussten – eingewickelt in Leinentücher – am Straßenrand zurückgelassen werden. Der eisige Winter machte es unmöglich, sie zu begraben.

Die Trakehner-Pferde waren hochwertigen Stammes, und es war besonders wichtig, dass die Tiere gut versorgt waren – teilweise sogar besser als die Menschen selbst. Die Pferde waren auch der Grund, warum sich der Fürst Niedersachsen als Ziel ausgesucht hatte – denn schon damals war die Gegend für ihre Pferdezucht bekannt.

Am 21. März 1945 erreichte der Treck das Gut von Werner von Behr in Hoya. Von dort aus wurden die Menschen und Tiere auf die umliegenden Dörfer verteilt. Auch heute noch treffen sich einige der Flüchtlinge sowie deren Nachkommen einmal im Jahr. „Im nächsten Jahr jährt sich die Flucht zum 70. Mal“, sagt Arnold Korth, der die Treffen mitorganisiert.

Von der Resonanz des Vortrags war Svenja Dee, Leiterin der VHS-Arbeitsstelle in Bücken, beeindruckt. „Ich habe hinterher die Stühle durchgezählt, es waren 215. Damit hätte ich vorher niemals gerechnet.“

Unter den Besuchern waren neben Nachkommen auch viele Pferdebesitzer, die in den Ahnentafeln ihrer Pferde entdeckt haben, dass diese von den Tieren aus Schlobitten abstammen.

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