Badespaß auf der Kippe

Freibadsaison 2021 in Eystrup: Pandemie und Personalmangel stehen Öffnung im Weg

Wilhelm Paul hofft, die Türen des Naturfreibads in Eystrup zu Saisonbeginn wieder öffnen zu können.
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Wilhelm Paul hofft, die Türen des Naturfreibads in Eystrup zu Saisonbeginn wieder öffnen zu können.

Eystrup – Die Freibadsaison 2021 steht coronabedingt auf der Kippe. Das ist für das Naturbad Eystrup aber nicht das einzige Problem. Dort fehlt es zusätzlich an Personal.

Zwar liegt der Sommer noch in weiter Ferne, doch die Temperaturen fangen langsam wieder an zu steigen. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche heiße Tage, an denen sich Sonnenanbeter und Wasserratten in den Freibädern der Samtgemeinde trafen, um sich mit einem Sprung ins kühle Nass Abkühlung zu verschaffen. Doch aufgrund der Pandemie und des Personalmangels konnte das Naturfreibad Eystrup 2020 nicht öffnen.

Auch jetzt sind diese Probleme noch nicht vom Tisch. Den Vereinsvorsitzenden Wilhelm Paul plagt die Ungewissheit, ob er zur kommenden Saison coronabedingt überhaupt Besucher einlassen darf, geschweige denn, ob sich Personal für den Sommer finden lässt. „Wir wollen um jeden Preis öffnen“, bekräftigt er.

Saisonbeginn in Eystrup ist sonst immer am 1. Juni. 2020 verschob sich dieser Termin wegen der Krise allerdings auf den 16. Juli. „Hinzu kamen die Personalschwierigkeiten. Damals konnte von einer Impfung noch nicht die Rede sein, und unsere Ehrenamtlichen sind alle im Alter von 70 oder 80 und gehören damit zur Risikogruppe“, schildert Wilhelm Paul. In Spitzenjahren wie 2018 und 2019 kämen jedoch mehr als 1 000 Menschen täglich in das Bad. Demzufolge sei es völlig verständlich gewesen, dass sich niemand dem Ansteckungsrisiko aussetzen wollte.

Das Problem: Damit fehlte auch Personal für den Kiosk, die Kasse und weitere Aufgabenbereiche. „Daher haben wir beschlossen, die Saison 2020 komplett ausfallen zu lassen“, erinnert der Vereinsvorsitzende. Das sei jedoch nicht die einzige schlechte Nachricht gewesen. Darüber hinaus habe es etliche Austritte gegeben. „Rund zehn Prozent haben ihre Mitgliedschaft gekündigt. Ein Problem, denn der Verein lebt von den Mitgliedern und ihren Beiträgen.“

Dieses Jahr könnte es allerdings anders laufen. Zwei Drittel der aktiven Mitarbeiter des Bades seien bereits geimpft. Auch Wilhelm Paul hofft, in den kommenden Wochen den schützenden Piks zu erhalten. Zudem habe sich der Verein an dem Hygienekonzept des Hoyaer Freibads orientiert und ebenfalls eines ausgearbeitet, welches bei einer möglichen Öffnung zum Tragen kommen soll. „Dabei geht es beispielsweise um Einlassregeln, sodass Ein- und Ausgang strikt voneinander getrennt sind und die Menschen den geforderten Abstand einhalten können“, so der Vorsitzende. Außerdem solle es Desinfektionsspender geben. „Die Ausstattung mit Hygieneartikeln kostet allerdings viel Geld. Wir hoffen, dass die Gemeinde uns diesbezüglich unterstützen wird.“

Selbst wenn die Ehrenamtlichen in der Saison 2021 wieder zum Einsatz kommen und das Naturfreibad Eystrup öffnen darf, fehlt für den Badespaß immer noch ein Rettungsschwimmer, der für die Beaufsichtigung der Gäste zuständig ist. „Einen haben wir bereits. Doch wir benötigen einen zweiten“, sagt Wilhelm Paul, der dieses Problem neben der Krise als „entscheidenden Knackpunkt“ bezeichnet. Rettungsschwimmer seien aktuell aber Mangelware. „Wir haben unsere Suche beim Arbeitsamt gemeldet. Es sieht jedoch schlecht für das Naturfreibad aus, da momentan alle Bäder geeignetes Personal benötigen.“

Für das Naturfreibad Eystrup sucht der Verein noch einen Rettungsschwimmer.

So sucht die Samtgemeinde auch für das Freizeitbad Hoya einen Fachangestellten für Bäderbetriebe, der außerhalb der Saison in anderen Einrichtungen, wie dem Bauhof oder den Sportstätten, eingesetzt werden soll. Dies geht aus einer Stellenausschreibung im Internet hervor. Laut Angaben von Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer habe sich darauf auch bereits jemand gemeldet.

Das Naturfreibad Eystrup braucht allerdings „nur“ einen Rettungsschwimmer, der einer Fachkraft in der Regel unterstellt ist. „Wir setzen hier kein Chlor ein, das Bad wird auf Naturbasis betrieben. Die Kenntnis darüber wird also nicht benötigt. Es geht rein um die Aufsicht“, erklärt er weiter.

Rettungsschwimmer zu werden, sei jedoch gar nicht so einfach. Es müsse ein Kurs für die Erlangung des Rettungsschwimmabzeichens Silber belegt werden, in dem bestimmte Anforderungen bewältigt werden müssten. Dazu zähle unter anderem das Tief- und Weittauchen. „Für fitte und gesunde Menschen sollte das kein Problem sein. Wenn ich könnte, hätte ich das bereits selbst gemacht, doch das bekomme ich leider nicht mehr hin“, sagt Wilhelm Paul und spielt damit auf sein fortgeschrittenes Alter an.

Zudem gibt er zu, dass er nie gut darin war, lange Strecken mit angehaltenem Atem zu bewältigen. Ideal sei seiner Meinung nach ein Student, der über eine solche Bescheinigung verfüge und sich in den Semesterferien ein wenig Geld dazu verdienen möchte.

Falls der Sommer ebenso heiß werde wie die vergangenen und der Andrang auf das Naturfreibad mit mehr als 1 000 Gäste wieder groß sei, müssten eigentlich gleich drei oder vier Rettungsschwimmer eingestellt werden, so der Vorsitzende. „Allerdings gehe ich nicht davon aus, dass es die Pandemie überhaupt zulässt, dass so viele Menschen gleichzeitig ins Bad kommen dürfen.“

Über allem stehe die Frage, ob die Bäder coronabedingt überhaupt öffnen dürften. Macht es angesichts der Planungsunsicherheit überhaupt Sinn, sich auf die Suche nach Personal zu machen? Wilhelm Paul ist sich bewusst über die schwierige Situation, will aber nicht aufgeben: „Wie sollen wir uns verhalten? Sollen wir einfach den Kopf in den Sand stecken? Nein, wir wollen öffnen.“

Auch wenn zum Saisonstart kein Rettungsschwimmer zur Verfügung stehe, könnte sich der Vorsitzende vorstellen, das Bad trotzdem zu öffnen – dann jedoch ausschließlich für die rund 600 Mitglieder. Die hätten mit ihrer Unterschrift unter dem Mitgliedschaftsvertrag nämlich für das Baden in der Einrichtung auf eigene Gefahr zugestimmt. Somit wäre eine Aufsicht nicht zwingend notwendig. „Das ist aber wirklich die allerletzte Lösung, die wir anstreben“, meint Wilhelm Paul.

Wenn der Eintritt in das Bad eine Mitgliedschaft voraussetzt, könnte dies womöglich auch die Mitgliederzahlen wieder steigen lassen. Damit rechnet er jedoch nicht, „aber es wäre ein schöner Nebeneffekt“, denn im Fall einer weiteren Saison, in der das Naturfreibad geschlossen ist, befürchtet der Vorsitzende weitere Austritte aus dem Verein. „Ich hoffe einfach, dass es nicht soweit kommt“, sagt er.

Eine weitere Alternative, um trotz fehlendem Fachpersonal das Bad zu öffnen, sieht er in der Anpassung der Öffnungszeiten. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir dann beispielsweise nur am Wochenende aufmachen, also Freitag, Samstag, Sonntag. Unser Rettungsschwimmer kann schließlich nicht rund um die Uhr arbeiten.“

Eines ist für die Badesaison 2021 in Eystrup allerdings sicher: Der Verein wird alles daran setzen, um Sonnenanbetern und Wasserratten den Sprung ins kühle Nass zu ermöglichen – wenn auch mit gewissen Einschränkungen.

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