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Alte Schwarz-Weiß-Fotografiere mit Geschichte – aus dem Jahr 1961

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Von: Nala Harries

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Das Ehepaar Grünhagen hat am 6. Mai 1961 in Dörverden geheiratet. An diesem Tag entstand auch das Foto.
Das Ehepaar Grünhagen hat am 6. Mai 1961 in Dörverden geheiratet. An diesem Tag entstand auch das Foto. © irmgard grünhagen

Hoya/Verden – Das Team der Bären-Apotheke aus Hoya fand kürzlich eine Schwarz-Weiß-Fotografie vor seinem Geschäft. Die Besitzerin wurde jetzt gefunden und erzählt die Geschichte dazu. 

In einem kurzen weißen Kleid, das Haar geschmückt mit einem schlichten Schleier und Arm in Arm mit ihrem lächelnden Ehemann schreitet eine junge Braut aus einer Kirche. Für die Ewigkeit festgehalten wurde dieser Moment vor rund 61 Jahren mit einer Kamera. Und genau diese Schwarz-Weiß-Fotografie fand vor Kurzem das Team der Bären-Apotheke in Hoya vor seinem Geschäft.

In der Annahme, dass es für den Besitzer von unschätzbarem Wert ist, wurde das Bild sicher verwahrt und über die Kreiszeitung nach dem Eigentümer gesucht.

Dank Rudolf Naussed aus Wechold, der seine damals 23-jährige Freundin auf der Fotografie erkannte, hat das Hochzeitsbild nun wieder seinen Weg zu seiner rechtmäßigen Besitzerin gefunden. Irmgard Grünhagen lautet ihr Name – und sie ist die junge Braut auf dem Foto. Doch wer den Schnappschuss in Hoya möglicherweise verloren haben könnte, darauf hat die heute 83-jährige Verdenerin keine Antwort. Dennoch ist sie überglücklich, das Bild jetzt in ihren Händen zu halten. Bei einem Blick darauf sprudeln die Erinnerungen an diesen Tag nur so aus ihr heraus. Irmgard Grünhagen weiß noch alles ganz genau.

„Mein Mann Gerhard und ich heirateten am 6. Mai 1961 in Dörverden. Er stammte aus der Region“, erzählt die Seniorin. Damals waren Farbfotos bei privaten Anlässen noch nicht üblich und so viele Bilder, wie heutzutage bei einer Hochzeit geknipst würden, wären für das junge Paar nicht zu finanzieren gewesen. „Ich hätte auch gern ein langes Kleid getragen, aber das war eben eine Preisfrage“, meint Grünhagen.

Sie und ihre gesamte Familie seien erst 1945 in Stedorf angekommen, nachdem sie aus ihrer Heimatstadt Tilsit im ehemaligen Ostpreußen geflohen waren. Auch Rudolf Naussed, der die heute 83-Jährige auf dem Foto in der Kreiszeitung erkannt hatte, begleitete sie während der Flucht auf einem Pferdewagen. „Wir hatten damals nicht viel“, erzählt Irmgard Grünhagen rückblickend.

Auch 16 Jahre später konnte sie es sich noch nicht leisten, ein Hochzeitskleid von der Stange zu kaufen. Stattdessen wurden Stoffe erworben, und eine Schneiderin zauberte ihr daraus ein kurzes Exemplar ohne viel Schnickschnack. Den Schleier kaufte Irmgard Grünhagen bei einer Hutmacherin aus Verden, ihr Mann Gerhard ließ sich seinen Hochzeitsanzug bei einem Schneider in Stedorf anfertigen, erinnert sich die gelernte Einzelhandelskauffrau an viele kleine Details.

Kennengelernt hatten sich sie und ihr Mann nur wenige Jahre zuvor während einer Faschingsfeier am Rosenmontag in Verden. „Ich war damals als eine Art Ungarin verkleidet, er jedoch gar nicht“, erzählt Irmgard Grünhagen von dieser „schönen Zeit“ und lächelt. Ihr Gesicht verdeckt durch eine Maske habe sie den sechs Jahre älteren Gerhard dann zum Tanz aufgefordert.

Anschließend sei er mit seinem alten grünen Käfer stets an ihrem Haus vorbeigefahren, bis er seine Angebetete eines Tages am Bahnhof abfangen konnte, um sich mit ihr zu verabreden. „Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber das änderte sich schnell. Er war ein sehr belesener Mann“, sagt die 83-jährige über ihren Liebsten und fügt mit Blick auf das alte Foto hinzu: „Verändert hat er sich während der Zeit wirklich kaum.“

Nach zwei Jahren, in denen das Paar verlobt war, heiratete Irmgard Grünhagen, die gebürtig den Namen Jaworowski trägt, ihren damals 29-jährigen Gerhard Grünhagen am 6. Mai 1961. Das Ja-Wort gaben sich die beiden in der Kirche in Dörverden, die anschließende Feier fand in einem örtlichen Gasthaus mit rund 70 Gästen statt – darunter übrigens auch Rudolf Naussed. „Zu der Zeit kümmerten sich noch die Nachbarn um die Zubereitung des Hochzeitsessens und brachten dieses dann in das Lokal“, berichtet die 83-Jährige von „einer anderen Zeit“.

Nach der Hochzeit errichtete das Paar zunächst ein Eigenheim in Hönisch und anschließend ein größeres in Dauelsen. Denn die junge Familie bekam zwei Kinder. Auf Hochzeitsreise ging das Ehepaar allerdings erst rund 30 Jahre nach ihrem besonderen Tag. Weitere Ausflüge in ferne Länder folgten, darunter Griechenland, Norwegen und Jugoslawien. Mit dabei waren auch immer ihr Sohn und ihre Tochter.

Nach dem Tod ihres Mannes vor knapp elf Jahren ist Irmgard Grünhagen aus dem großen Haus in Dauelsen ausgezogen. Die Erinnerungen an die vergangene Zeit hat sie jedoch mitgenommen und das Schwarz-Weiß-Foto, welches auf mysteriöse Weise in Hoya aufgetaucht ist, hängt nun in ihrer Wohnstube.

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