Bremer Autoren präsentieren Buch, das mit eigenen Erfahrungen gespickt ist

Flüchtlingshilfe in der Praxis

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Aus ihrem Buch über Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe lasen die Bremer Autoren Lilo Almstadt und Heinz Meyer sowie ihr syrischer Sohn Hamudi Moustafa am Dienstagabend in der Aula der Grundschule Hoya.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Pünktlich wie die Maurer sind sie noch nicht, und dass Pünktlichkeit als Höflichkeit der Könige gilt, ist vielen von ihnen auch noch nicht geläufig – den Immigranten, denen Lilo Almstadt und Heinz Meyer im Laufe ihrer zweieinhalbjährigen Flüchtlingsarbeit beistanden. Das Autorenduo aus Bremen stellte sein neuestes Buch, „Deine Hilfe macht Mut“, am Dienstagabend bei einer Lesung in der Grundschule Hoya vor.

Dem Thema Pünktlichkeit gilt eines der Kapitel darin. Es ist eines von vielen Beispielen aus der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, anhand derer Almstadt und Meyer beschreiben, wie sich anfängliche Unverständlichkeiten ausräumen lassen.

Das Autorenpaar hatte den jungen Syrer Hamudi Moustafa mitgebracht, der in tadellosem Deutsch ebenfalls Textbeiträge vorlas – insbesondere eigene Erfahrungen als Flüchtling, die er zum Buch beisteuerte. Seit eineinhalb Jahren sind Lilo Almstadt und Heinz Meyer seine Eltern. In Bremen hat er aber seine eigene Wohnung „ein paar Straßen weiter“, wie er sagt. Am Dienstagabend in Hoya unterstützte er seine Eltern mit Basiswissen aus seiner Heimat, etwa zu dem scheinbaren Phänomen, dass viele seiner Landsleute am 1. Januar Geburtstag haben.

„Geburtstage sind bei uns nicht so wichtig“, berichtete Hamudi. „So wissen viele nur, dass sie irgendwann am Jahresanfang, wohl im Januar geboren wurden. Weil hier in Deutschland aber ein Datum gebraucht wird, nimmt man dann den 1. Januar.“

Schilderungen von Lebegewohnheiten

Wie es um die Pünktlichkeit in den arabischen Ländern steht, erzählten Lilo Almstadt und Heinz Meyer aus eigenen Erfahrungen mit Flüchtlingsfamilien, die sie zu sich nach Hause einluden – zur Kaffeezeit, um vier Uhr nachmittags. Die freudestrahlenden Gäste standen aber erst zwei Stunden später vor der Tür. Auf den leisen Vorwurf der Unpünktlichkeit reagierten sie mit großer Offenheit. Bei ihnen zu Hause gebe es keine Verabredungen zu einer festen Uhrzeit; da erscheine man irgendwann.

Auch das Smartphone und weitere realistische Schilderungen von Lebensgewohnheiten gehören zu den Kapiteln in Lilo Almstadts und Heinz Meyers Buch über die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe.

Mehr als 100 Zeichnungen auf Stellwänden

Hamudi lieferte Hinweise und Anregungen zur Gestaltung des Sprachunterrichts, so wie das Buch überhaupt Hilfe für Ehrenamtliche anbietet. Zusätzlich hat das Autorenpaar bereits zwei interkulturelle Kinderbücher verfasst. In seinem neuen Ratgeber geht es ihnen vor allem um Beziehungen zwischen Geflüchteten und einheimischen ehrenamtlichen Helfern, mit denen es in Bremen gesprochen hat.

Mehr als 100 Zeichnungen auf Stellwänden präsentierten Almstadt und Meyer zu ihrer Lesung. Die Bilder stammen von Flüchtlingen, die in ganz Deutschland leben. Sie haben sie speziell für das Buch gezeichnet. Auch Tonbeispiele aus der Flüchtlingsarbeit waren zu hören – so von den „Zollhausboys“ aus Bremen. Das sind fünf junge Musiker und Sänger – minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, die im Zollhaus untergebracht sind.

Kein Blatt vor dem Mund

Lilo Almstadt und Heinz Meyer nehmen in ihrem Buch kein Blatt vor den Mund, schildern auf wohltuende Weise objektiv die positiven und negativen Aspekte ihrer Flüchtlingsarbeit, wobei sie stets aufzeigen, wie mit gegenseitigem Verständnis Problemlösungen zu erreichen sind.

Zehn Zuhörer waren in die Aula der Grundschule gekommen, um dem Autorenpaar zuzuhören und anschließend Fragen zu stellen und Erfahrungen auszutauschen.

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