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Grafschaft Hoya nimmt afghanische Ortskräfte auf

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Von: Nala Harries

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In der Grafschaft Hoya sind aktuell insgesamt 279 Flüchtlinge untergebracht. 89 davon befinden sich noch in einem laufenden Asylverfahren. 190 gelten als ehemalige Flüchtlinge in SGB II (Jobcenter), die überwiegend als Asylbewerber anerkannt sind. Wie viele Menschen einer Gemeinde zugewiesen werden, ist abhängig von der jeweiligen Einwohnerzahl. statistik: landkreis nienburg
In der Grafschaft Hoya sind aktuell insgesamt 279 Flüchtlinge untergebracht. 89 davon befinden sich noch in einem laufenden Asylverfahren. 190 gelten als ehemalige Flüchtlinge in SGB II (Jobcenter), die überwiegend als Asylbewerber anerkannt sind. Wie viele Menschen einer Gemeinde zugewiesen werden, ist abhängig von der jeweiligen Einwohnerzahl. statistik: landkreis nienburg © landkreis nienburg

Samtgemeinde – Die Samtgemeinde Hoya zählt insgesamt 16 872 Einwohner. 279 Personen davon haben einen Flüchtlingshintergrund. 

Die Samtgemeinde Hoya zählt insgesamt 16 872 Einwohner, geht aus einer aktuellen Statistik des Landkreises Nienburg hervor. 279 Personen davon haben einen Flüchtlingshintergrund. Darin eingerechnet sind bereits die sieben afghanischen Ortskräfte, die am 20. Januar in der Grafschaft ankommen werden und diese dann zukünftig als ihr neues Zuhause betrachten dürfen.

Bei ihnen handele es sich allerdings nicht um Asylbewerber. Stattdessen seien sie im Rahmen eines Resettlement-Programms, welches Flüchtlingen eine legale und sichere Einreise nach Deutschland ermöglicht, vom Bund aufgenommen und dem Land Niedersachsen zugewiesen worden, erklärt Uwe Back, Fachbereichsleiter Bürgerservice, bei einem gemeinsamen Gespräch mit Renate Paul. Sie kümmert sich seit Jahren federführend um das Projekt „Brot & Salz“ und damit um die Aufnahme und Integration der Neuankömmlinge.

„Die Ortskräfte unterstützten die Bundeswehr bei ihrem Auslandseinsatz in Afghanistan“, erklärt Uwe Back. Beispielsweise übten sie Tätigkeiten als Übersetzer aus oder übernahmen Fahrdienste. Nachdem die Taliban an die Macht kamen, gestaltete sich auch die Situation für die afghanischen Ortskräfte aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit dem „Feind“ dort zunehmend schwieriger. Deutschland strebt aus diesem Grund danach, neben eigenen Staatsangehörigen auch die Ortskräfte ausfliegen zu lassen.

Diese werden nach ihrer Ankunft – wie auch die zuvor eingetroffenen Flüchtlinge – zunächst in einer der 35 von der Samtgemeinde für diesen Zweck angemieteten Wohnungen untergebracht. „Diese befinden sich im gesamten Gebiet der Grafschaft. Eine dezentrale Unterbringung ist wichtig, um die Neuankömmlinge in die Bevölkerung einzugliedern“, erläutert Uwe Back.

Um die Mietkosten zu decken, erhalte die Samtgemeinde Gelder vom Landkreis. Dies gelte allerdings nur für Personen, die sich noch in einem laufenden Asylverfahren befinden würden. Aktuell treffe dies in der Grafschaft auf 89 Menschen zu. Für die derzeit 190 ehemaligen Flüchtlinge komme das Jobcenter auf. Einige könnten die Kosten auch bereits selbst tragen, fügt der Fachbereichsleiter hinzu.

Momentan würden für die Unterbringung genug Wohnungen zur Verfügung stehen. „Irgendwann wird das aber sicherlich schwieriger werden und wir müssen uns was überlegen“, meint Back mit Blick in die Zukunft. Aber egal, ob es ausreichend Wohnraum gebe, oder eben nicht: Die Samtgemeinde sei verpflichtet, eine gewisse Anzahl an Flüchtlingen aufzunehmen.

Die meisten Asylbewerber würden aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder dem Iran stammen. „Dabei handelt es sich größtenteils um sehr junge Leute. Zumeist sind es Ehepaare mit Kindern“, weiß Renate Paul, die engen Kontakt zu den Neuankömmlingen pflegt. Sie hält die derzeitige Entwicklung der Altersstruktur ebenso wie Uwe Back für sehr positiv. Denn umso jünger die Menschen seien, desto besser gelinge es, sie zu schulen. „Vor knapp zehn Jahren haben wir uns noch gefragt, ob wir all unsere Kitas und Schulen halten könnten. Dies ist heute kein Thema mehr“, so Back.

Auch wenn die meisten Integrationen erfolgreich verlaufen, zahlreiche Flüchtlinge vor Ort Fuß gefasst hätten, in den Arbeitsmarkt eingeführt worden seien und damit an vielen Stellen eine wichtige Rolle im Alltag spielen würden, gebe es ebenso Probleme und Herausforderungen, denen man sich stellen müsse. „Viele Dinge laufen hier ganz anders als in ihren Herkunftsländern“, sagt Renate Paul. Beispielsweise gebe es in manchen Ländern keine Schulpflicht, weswegen es für einige Neuankömmlinge schwer nachzuvollziehen sei, warum ihre Kinder täglich eine Lehreinrichtung besuchen müssten. In den meisten Fällen helfe dann eine klare Ansprache, „wenn das jedoch nicht zum Erfolg führt, muss auch mal das Schulamt eingeschaltet und die Kids mit der Polizei abgeholt werden“, erklärt Uwe Back das Prozedere.

Darüber hinaus sei den meisten Flüchtlingen die Masernimpfung, die verpflichtend ist, um den Kindergarten oder die Schule zu besuchen, fremd. Anders sieht es hingegen bei der Impfung gegen das Coronavirus aus. „Viele von ihnen sind bereits geimpft“, sagt der Fachbereichsleiter. Die Übrigen würden sich regelmäßigen Tests unterziehen. Schon vor ihrer Ankunft in der Samtgemeinde bekomme die Verwaltung die entsprechenden Nachweise mit den Zuweisungsunterlagen übermittelt.

Schwierig werde es jedoch, wenn jemand von ihnen einen Arzt in der Region beispielsweise für eine Kontrolluntersuchung aufsuchen wolle. „Aktuell nimmt nämlich kein Arzt neue Patienten auf“, weiß Renate Paul. Unter anderem deswegen sei es wichtig, die Neuankömmlinge in Mitgliedsgemeinden mit guter Infrastrukturanbindung unterzubringen, damit sie auf Angebote unter anderem in Nienburg und Verden zurückgreifen könnten.

Um die Integration der Flüchtlinge kümmert sich in der Grafschaft der Arbeitskreis „Brot & Salz“. Derzeit seien 38 aktive Paten im Einsatz, die den zu betreuenden Personen beispielsweise zeigen, wie sie sich vor Ort zurechtfinden und sie bei jeglicher Art von Problemen unterstützen. Gerade der so wichtige persönliche Kontakt bleibe aktuell coronabedingt jedoch auf der Strecke und man müsse auf andere Kommunikationswege, wie WhatsApp, Telefon oder Brief ausweichen. Auch der Arbeitskreis könne sich derzeit nicht treffen. „Es ist alles nicht so einfach, aber machbar“, fasst Renate Paul die Situation zusammen.

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