Wie der niederländische Musiker Ruud Cornelissen zum Maler wurde und nach Bücken kam

Farbe ins Leben pinseln

Trotz Diabetes kann er ein bisschen spielen: Ruud Cornelissen mit seinem Kontrabass im Atelier. - Foto: Bert Strebe

Bücken - Von Bert Strebe. Dass Hühner Töne von sich geben, ist nicht neu. Dass sie aber Kontrabass spielen, dürfte ungewöhnlich sein. Und Hühner, die sich an der elektrischen Bassgitarre versuchen, noch mehr. Doch das tun sie aber. Jedenfalls in Bücken. In der Kleinkunstdiele.

Die verrückten Hühner fahren auch Schlittschuh und singen und feiern mit viel Rotwein. Entsprungen sind sie allesamt der Fantasie von Ruud Cornelissen. Der 68 Jahre alte niederländische Maler hat mit seinen Gemälden eine Ausstellung in der Kleinkunstdiele (An den Eichen 9) bestückt, die noch bis zum 16. Oktober zu sehen ist. Cornelissen musste seine Werke dafür nicht sehr weit transportieren. Er wohnt seit sechs Jahren praktisch um die Ecke, an der Kapitän-Koldewey-Straße, zusammen mit seiner Frau Adolfina, genannt Dof. Außerdem leben Bonnie und Clyde in dem Haus, eine Katze und ein Cairn Terrier. Beide sind erstaunlich friedlich für ihre Namen.

Die Geschichte, wie Ruud Cornelissen zu den Hühnern und zur Malerei und nach Bücken gekommen ist, begann vor 55 Jahren. Damals war Cornelissen 13 und wurde Bassgitarrist in einer holländischen Amateurband. Die Tonlage war offenbar genau die richtige. Nach der Schule nahm er ein Musikstudium auf, Schwerpunkt Kontrabass. Und das war dann seine Welt – die Bässe, die Musik. Er spielte im Philharmonischen Orchester in Den Haag, er spielte beim Radio-Symphonieorchester in Hilversum. Er unterrichtete Kontrabass, er schrieb eine Schule für Bassgitarre. Und ganz nebenher hat er ab und zu auch mal etwas gemalt. Das hatte ihm sein Schwiegervater beigebracht, ein Kunstmaler, von dem ein großes schönes Bild eines Kinds über dem Sofa hängt. „Das bin ich“, sagt Dof Cornelissen stolz.

Und dann kam das Jahr, in dem sich das ganze wunderbare Musikerleben in nichts auflöste. Man hatte Diabetes bei Ruud Cornelissen diagnostiziert, und sie beeinträchtigte seine Schultern. So ein Rundfunkorchester probt manchmal sechs bis acht Stunden. Die Ärzte haben ihm gesagt, wenn er das weitermachen würde, würde er kaputtgehen. Also ließ Cornelissen sich pensionieren. Mit 48 Jahren.

Er seufzt. Er schaut aus dem Fenster. „Ich brauchte einen neuen Anfang“, sagt er. „Du warst ja auch traurig“, sagt seine Frau.

Die beiden zogen in die Nähe von Emmen, nahe der deutschen Grenze. Dort liefen Hühner ums Haus. Und Ruud Cornelissen fing an, komische Hühner zu malen. Komisch im Sinne von lustig. Um sich selbst das Leben nach und nach wieder etwas bunter zu pinseln. Er malt die Tiere wie Karikaturen, wie Cartoons. Aber in Öl, und in der Technik der alten Meister, Schicht um Schicht, was den Bildern Tiefe verleiht.

Nach Bücken kam das Paar durch seinen älteren Sohn Rutger, der in Verden arbeitet und sagte, er wolle gern mal einfach so auf einen Kaffee vorbeikommen können. In Bücken, haben die Cornelissens festgestellt, sind die Häuser weitaus bezahlbarer als in den Niederlanden. „Unser Haus hier würde in der Nähe von Amsterdam eine Million kosten“, sagt Ruud Cornelissen. Gerade ist auch der jüngere Sohn Sebastiaan da, Musiker wie der Vater. Manchmal spielen sie zusammen.

Das geht. Vorsichtig. Die Augen haben auch gelitten unter der Diabetes, die Ohren. Aber wenn er nur kurz spielt, kann Ruud Cornelissen mit der Bassgitarre und mit seinem Kontrabass Musik machen. Und dann malt er wieder. Auch da ist Überanstrengung zu meiden. Aber er kommt klar. Es geht ihm wieder gut.

www.ruudcornelissen.de

www.kleinkunstdiele-buecken.de

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