Familie Dening hält fünf Tiere

Alpakas bringen einen Hauch Südamerika nach Magelsen

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Dörte Dening mit drei der Alpakas: Maja und ihr Fohlen Lilly sowie ihre Tochter Sunny (von rechts).

Magelsen - Von Vivian Krause. Manch einer mag sie für etwas verrückt halten, wenn die Familie Dening mit Alpakas durch Magelsen spaziert. An Halftern führen Matthis, Dörte und Peter Dening die Tiere.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Alpakas sind weder gehorsam wie Hunde, noch sind sie kuschelbedürftig wie manche Katze. Im Gegenteil: Anfassen lassen sie sich eigentlich nicht. Doch sobald der Strick am Halfter hängt, folgen sie den Denings überall hin. Aber auch nur denen. Mit Fremden gehen sie nicht mit.

Warum aber haben Denings überhaupt Alpakas? „Das ist dein Thema“, sagt Dörte Dening an ihren Mann Peter gerichtet. Er hat die Tiere auf Fotos, im Fernsehen und im Tierpark gesehen. „Sie sind einfach schön“, sagt er. An dieser Schönheit erfreut er sich nun immer, wenn er aus dem Wohnzimmerfenster auf die Wiese guckt. Fünf Alpakas stehen dort: Hengst Theo (1) und die Stuten Maja (7), Sunny (4), Lilly (etwa ein halbes Jahr) und Tilda (1).

„Ich wollte immer Strauße“, fügt seine Frau hinzu und blickt ebenfalls auf die Wiese. Doch die aus den Anden stammende Kamelform hat auch das Herz der 45-Jährigen schon lange erobert. „Es ist schön, wenn wir in der Hollywood-Schaukel auf der Wiese sitzen und sie um uns herumspazieren“, sagt sie über die „Angucktiere“, die „sehr neugierig, aber dennoch vorsichtig“ sind.

Matthis Dening mit Tilda.

Die ersten Alpakas fanden im Dezember 2013 den Weg von Schleswig-Holstein nach Magelsen. Das waren Maja und ihre Tochter Sunny. Mit den beiden verbrachten die Denings fortan etliche Stunden. „Um Vertrauen aufzubauen“, sagt Peter Dening. Der 47-Jährige hat sich für die Art Huacaya entschieden. Im Gegensatz zur Art Suri hat deren Fell eine feine Faser und keine strähnige Struktur.

Rangkämpfe durch Spucken ausgetragen

Eigentlich haben die Huacaya schwarze Augen, Sunny hingegen hat blaue. „Alpakas mit dieser Augenfarbe hören schlecht“, sagt Dörte Dening. Zudem sei Sunny äußergewöhnlich groß. „Wir vermuten, dass da ein Lama mit drin steckt“, sagt Peter Dening.

Theo und Tilda kamen 2016 aus dem Ruhrgebiet in die Magelser Herde. Maja ist die Chefin. Rangkämpfe werden untereinander durch Anspucken geklärt. Peter Dening stand einmal in der Schussbahn. „Auch nach dem Duschen habe ich noch immer abscheulich gerochen“, sagt er. „Die holen das ganz tief aus dem Magen hoch.“

Lilly kurz nach der Geburt.

Ihr Wissen über die Tiere hat sich Familie Dening durch das Lesen von Fachliteratur angeeignet – und durch die Beobachtung der Tiere. So lernten Denings deren Eigenarten kennen. Mittlerweile wissen sie, dass die Alpakas bei Machtkämpfen beispielsweise den Kopf des anderen herunterdrücken, um so dessen Respekt zu erlangen.

Familie Dening lernte durch die Tiere Eva Wagner und Gregor Poralla aus Schwarme kennen. Auch sie halten Alpakas. Gemeinsam treffen sie sich einmal jährlich zum Scheren der Tiere. Die Denings transportieren ihre auf einem Anhänger nach Schwarme, wo ein Scherer die Aufgabe übernimmt.

Etwa zwei Kilogramm Wolle pro Alpaka fallen dabei an. Wenn sie geschoren sind, sehen die Tiere aus wie Rehe. Auch direkt nach der Geburt ähneln sie dem Wild.

Der elfjährige Matthis hat den Namen Lilly für das im Juli 2017 geborene Fohlen ausgesucht. Mutter Maja war elfeinhalb Monate tragend, „und man sah nichts“, sagt Dörte Dening. Nur die letzten sechs Wochen wurde das Alpaka dicker.

Reines Hobby mit Wolle als „Abfallprodukt“

Ganz klein war auch noch Hündin Lissy, als sie im März vergangenen Jahres als Welpe zu den Denings kam. Die Alpakas waren ihr gegenüber erst skeptisch, erinnert sich die Familie. Sunny aber hat den Welpen unter ihre Fittiche genommen, ihn beschützt. Mittlerweile essen die Alpakas sogar aus einem Hundenapf. Und zwar unter anderem Obst und Gemüse. Auch Gras, Heu und Getreide in kleinen Mengen stehen auf dem Speiseplan der Tiere. „Brot vertragen sie nicht“, sagt Peter Dening. Deshalb ist die Familie froh, dass ihre Lieblinge nicht an einer Straße stehen, wo jeder sie füttern könnte.

Peter Dening mit Theo.

Die Wolle der Tiere schickt die Familie in die Uckermark. Dort wird sie gesponnen. Es dauert bis zu elf Monate, bis sie die Wolle in Knäueln zurückbekommt – zuletzt waren es 18 Stück à 100 Gramm. „Die Wolle vom Rumpf ist am hochwertigsten“, sagt Peter Dening. Seine Frau häkelt beispielsweise Mützen, Handwärmer oder Schals daraus. Die Fasern der Alpakawolle sind innen hohl, wie die eines Eisbärenfells. Im Sommer kühlt die Wolle die Tiere, im Winter wärmt sie sie. Minus 30 Grad sind für ein Alpaka kein Problem, plus 20 Grad hingegen schon eher. Im Sommer stellen die Denings deshalb bei hohen Temperaturen einen Rasensprenger auf.

Gesetzliche Vorgaben eingehalten

Die Weide, auf der die Tiere ganzjährig stehen, gehört Nachbarn. Denings haben einen Unterstand für die Vierbeiner gebaut. Zwölf Tiere dürften sie dort halten. 1000 Quadratmeter sind für die ersten zwei Alpakas gesetzlich vorgeschrieben, für jedes weitere Tier kommen 100 Quadratmeter hinzu.

Die Familie schließt nicht aus, dass die Herde weiter wächst. Züchter wollen die Denings allerdings nicht werden: Alpakas sind und bleiben ihr Hobby.

Wer die Alpakas einmal sehen möchte oder Interesse an der Wolle hat (ein Knäuel kostet 12,50 Euro), kann sich bei Familie Dening per E-Mail melden.

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