Eystruper Landwirt will Ökobilanz verbessern

Ein Herz für Spargel

Blick auf ein Spargelfeld von Landwirt Magnus Alhusen in Eystrup. Arbeiter decken die Dämme mit schwarzer Follie ab.
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Unter der Folie erwärmt sich die Erde. Der Spargel gedeiht früher und kann bereits zu Ostern geerntet werden.

So langsam tut sich was auf den Spargelfeldern in der Region. Damit Kunden das heimische Gemüse bereits zu Ostern essen können, wenden die Bauern einen Trick an. Das kommt nicht bei allen gut an.

Eystrup – Der Spargel hinterlässt Spuren. Das lässt sich in diesen Tagen unter anderem auf den Feldern in Eystrup erkennen. Dort ist Magnus Alhusen dabei, die Deiche für das edle Gemüse mit Planen zu überziehen: eine schwarze Folie direkt auf dem Boden und eine klare Folie mit etwas Abstand darüber. So entstehe eine Art Mini-Gewächshaus, erklärt der Landwirt.

Die Technik ermöglicht es dem Bauern, bereits um Ostern herum Spargel aus der Region anzubieten.

Alhusen weiß, dass diese Methode nicht bei allen gut ankommt. Die Plastiktunnel verschandele die Landschaft, meinen manche. Der massive Einsatz von Plastik schade der Umwelt, sagen andere. Der Landwirt hält mit Zahlen dagegen: Für einen Kilo Spargel würden auf seinem Betrieb etwa 1 200 Gramm CO2 freigesetzt. Das sei das Ergebnis einer Klimaberatung bei der Landwirtschaftskammer gewesen. Ziel sei es, in den nächsten Jahren bei etwa 900 Gramm zu landen, sagt Alhusen. Denn: „Der Klimaschutz ist unsere nächste Hausaufgabe nach der Pandemie.“ Der ökologische Fußabdruck von Spargel aus Übersee sei deutlich größer, sagt Alhusen: 3 000 Gramm pro Kilo, wenn das Gemüse auf dem Schiff transportiert werde, 12 000 Gramm bei Lieferung mit dem Flugzeug.

Mit dem unter Folie gezogenen Frühspargel reagierten die Bauern aus der Region auf die Konkurrenz im warmen Süden. Bei kräftigem Sonnenschein steige die Temperatur zwischen den Folien auf etwa 30 Grad an, sagt Alhusen. Der Boden erwärme sich dadurch um bis zu vier Grad. Für die Pflanzen ist das das Startsignal zum Austreiben. Alhusen rechnet damit, Ostern mit der Ernte beginnen zu können, wenn es bis dahin ein, zwei Wochen gutes Wetter gibt. Falls nicht, verzögere sich alles bis Mitte April.

Der Frost Anfang Februar hat dem blassen Gemüse übrigens nicht geschadet. Im Gegenteil, sagt Alhusen. Der Kältereiz helfe der Pflanze, bei dann steigenden Temperaturen umso kräftiger auszutreiben.

Hochzeit für Spargel ist traditionell im Mai. Dann beschäftigt Alhusen rund 40 polnische Erntehelfer in seinem Betrieb. 45 Hektar Spargelfelder müssen abgeerntet werden.

Während der Pandemie würden die Helfer zum Teil schon vor der Einrise auf Corona getestet, sagt der Eystruper Landwirt. In Absprache mit dem Gesundheitsamt würden sie in Einzelzimmern untergebracht. „Wir haben ein weiteres Wohngebäude angemietet“, sagt Alhusen.

Neben der Unterbringung müsse auch die Bezahlung stimmen, sagt Alhusen. „Wir brauchen hier gute Leute, sonst können wir das nicht machen.“ Der Landwirt setzt auf einen festen Stamm an Helfern, die jedes Jahr nach Eystrup kommen, die Abläufe kennen und selbstständig Entscheidungen treffen können.

Volker Schweers übernimmt Spargel Paul

„Wir haben den Betrieb Spargel Paul käuflich übernommen“, sagt Volker Schweers aus Süstedt. Das Unternehmen aus Hoyerhagen zählt zu den führenden Spargelanbaubetrieben Niedersachsens. Mitte Mai hatte es Insolvenz angemeldet. Schweers hat nach eigenen Angaben die Pflanzen und Maschinen gekauft. Mit den meisten Verpächtern der Ackerflächen von Spargel Paul sei eine Übereinkunft erzielt worden, um den Anbau dort fortführen zu können. Das Betriebsgelände mietet Schweers derzeit vom Insolvenzverwalter. Ein Großteil der rumänischen Arbeiter habe sich dafür entschieden, künftig für ihn zu arbeiten, sagt Schweers.

Für Spargelanbau und -ernte ist ab dieser Saison die von Schweers neu gegründete Hoya-Land-Spargel GmbH & Co. KG zuständig. Für die Direktvermarktung an Straßenständen und Hofläden gründete er die Gesellschaft „Quer Feld Fein“. Der Süstedter sagt, er habe sich bewusst dafür entschieden, sich von der Marke Spargel Paul zu trennen. Der Name hatte vor einem Jahr Schlagzeilen gemacht, weil der Betrieb nach Angaben des Gesundheitsamts nicht die Corona-Hygieneregeln eingehalten hatte. Im Umgang mit den Beschäftigten will Schweers ein neues Kapitel aufschlagen. „Wir wollen so mit den Leuten arbeiten, wie wir selbst behandelt werden wollten, wenn wir im Ausland tätig wären“, sagt Schweers.

Jens Otten, einer der früheren Geschäftsführer von Spargel Paul, soll künftig für Hoya-Land-Spargel tätig sein. Familie Paul sei hingegen nicht im neuen Betrieb beschäftigt, sagt Schweers. Der Landwirt führt seinen Agrarbetrieb in Süstedt in fünfter Generation zusammen mit seiner Partnerin Silja Ravens.

Bereits im Juni lasse das Interesse am Spargel wieder merklich nach, sagt Alhusen. Das ist die Schattenseite der frühen Sorten. Viele Verbraucher haben sich nach einigen Wochen offenbar bereits satt gegessen, obwohl die Saison offiziell erst am 24. Juni endet.

Der Aufwand für den Spargel ist beträchtlich. Auf jeden Hektar Feld kämen jedes Jahr rund 600 Arbeitsstunden, sagt Alhusen. Beim modernen Getreideanbau seien es gerade einmal zehn. Das ist ein Grund für die hohen Preise für das Edelgemüse. Ein weiterer ist der hohe Flächenverbrauch: Rund 60 Hektar hält Alhusen für Spargel vor, ein Viertel davon kann er in diesem Jahr nicht abernten. Zwar kann ein bestellter Acker etwa sieben Jahre in Folge Früchte tragen, doch nach der Saat dauert es drei Jahre bis zur ersten Ernte.

Magnus Alhusen führt seinen Betrieb zusammen mit Ehefrau Beatrix. Sohn Moritz plant, den Hof einmal zu übernehmen. Seit dem 17. Jahrhundert betreibt die Familie in Eystrup Landwirtschaft. Sie baut Getreide, Raps und Rüben an, mästet Schweine und zieht mittlerweile auch Weihnachtsbäume. Doch das mit dem Spargel sei ihr „eine Herzensangelegenheit“, sagt Alhusen.

Die Entwicklung der Konkurrenz beobachtet der Eystruper mit Sorge. 2005 habe es noch gut 1 000 Spargelbauern in Niedersachsen gegeben. Heute seien es vielleicht noch 300, sagt Alhusen. Im Branchenbuch der Samtgemeinde Grafschaft Hoya sind aktuell sieben Betriebe aufgeführt.

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