Expertenvortrag zum Thema „Gefahren durch Hochspannungsleitungen“

Spannungsfeld Gesundheit

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Mittendrin im Magnetfeld sitzen diese Stare, fotografiert auf der Freilandleitung bei Mehringen.

Von Michael WendtSollte die Hochspannungsleitung „SüdLink“ tatsächlich einmal über Land durch die Samtgemeinde laufen, dann verschandelt sie die Aussicht, gesundheitliche Gefahren dürften von ihr jedoch kaum ausgehen – das ist ein Fazit eines Informations- und Diskussionsabends am Mittwoch in Hoya. Warum Hochspannungsleitungen dennoch Gefahren bergen und warum Erdverkabelung vorzuziehen ist, das erklärte der Hannoveraner Forscher Peter Neitzke.

Auf Einladung von Hans Kaufmann von der Volkshochschule sprach er im „Lindenhof“. Neitzke arbeitet am Ecolog-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung. Seine Expertise ist bundesweit gefragt, das wurde deutlich, ohne dass der Forscher damit prahlte. Im Gegenteil: Sachlich, unaufgeregt und dennoch unterhaltsam vermittelte er viele Fakten zu Forschungsergebnissen und den daraus zu ziehenden Schlüssen. Bereitwillig, offen und kompetent beantwortete er die Fragen der rund 40 zumeist älteren Zuhörer.

Das Ecolog-Institut betreibt keine eigenen Labore oder Ähnliches. „Wir haben in der Vergangenheit viel gemessen, schauen uns aber vor allem weltweite Forschungsergebnisse an“, erklärte der Referent.

Aktuell stehen Hochspannungsleitungen im Brennpunkt, in der Samtgemeinde Hoya auch deshalb, weil sie eventuell vom „SüdLink“ durchquert wird und weil die bestehende Überlandleitung Stade-Landesbergen neugebaut und aufgerüstet werden soll. Derzeit führt sie teilweise sehr dicht an Gebäuden vorbei. Anhand von Forschungsergebnissen verdeutlichte Peter Neitzke: Das ist für die Bewohner nicht ungefährlich.

Er ging detailliert ein auf Forschungsergebnisse zu gesundheitlichen Schäden durch niederfrequente Magnetfelder, wie sie von einer 50-Hertz-Hochspannungsleitung ausgehen. Zum Beispiel besteht für Kinder ein erhöhtes Leukämierisiko.

„Wir haben in unseren Stellungnahmen zum Neubau der Leitung Stade-Landesbergen Abstände von 400 Metern zu Siedlungen und 200 Metern zu Einzelgehöften gefordert. Ist das aus Ihrer Sicht ausreichend?“, fragte Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer, der die Veranstaltung moderierte. „Auch wenn bei neueren Trassen höhere Ströme fließen als bei alten, so sollten 400 Meter doch reichen, ja“, antwortete Peter Neitzke.

Wegen Gleichstrom:„SüdLink“ ist anders

Ein gesundheitlich ganz anderes Thema ist der „SüdLink“, denn der ist als Gleichstrom-Leitung geplant und erzeugt, anders als die bestehenden Wechselstromleitungen ein statisches Magnetfeld.

„Dazu gibt es wenige Untersuchungen, und die Befunde passen häufig nicht zusammen“, sagte Neitzke. Fest steht: An Gleichstrom-Freileitungen bilden sich elektrisch geladene Teilchen. Lagern die sich etwa an Luftschadstoffe an, so dringen diese beim Einatmen viel tiefer in die Lunge ein als nicht aufgeladene. Ob dadurch wirklich eine relevante Gesundheitsgefahr besteht, sei aber noch nicht untersucht worden.

Schließlich brach Peter Neitzke eine Lanze für die Erdverkabelung. „Die Kosten dafür sind hier im Norden relativ undramatisch, weil wir keinen steinigen Untergrund haben.“ Außerdem seien die Leitungen besser geschützt. Wenn sie wegen eines Problems freigelegt werden müssen, sei das natürlich aufwendig. Andererseits gebe es viel weniger Probleme als bei Freileitungen, die Wind und Wetter ausgesetzt sind.

Neitzke: „Meine persönliche Meinung: Überall Erdkabel fordern, wo möglich. Wir sind ein Land, das mit Industrie zugestellt ist. Bei Freilandleitungen haben wir einen Korridor von 300 Metern zu beiden Seiten, in dem man nichts Sensibles bauen kann, bei Erdkabeln vielleicht einen von 80 Metern.“

Detlef Meyer folgerte aus dem Abend: „Es ist wichtig, dass wir kritisch bleiben und das Thema Erdkabel auch in unsere Stellungnahmen zur Trasse Stade-Landesbergen aufnehmen.“

Die detaillierte Präsentation von Peter Neitzke gibt unter anderem auch Auskunft zu bestehenden und empfohlenen Grenzwerten. Sie steht demnächst auf der Internetseite der VHS: www.vhs-nienburg.de.

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