Experten liefern Tipps und Erklärungen

Was tun,wenn mein Kind haut und beißt?

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Diplom-Psychologe Matthias Dettmann (links), Erziehungswissenschaftler Daniel Pulte und Kindergartenleiterin Marita Prox vor dem Infoabend.

Bücken - Von Marion Thiermann. Der Kindergarten „Sterntaler“ in Bücken organisierte kürzlich auf Wunsch vieler Eltern einen offenen Elternabend zum Thema „Schlagen, beißen, treten – Aggressionen bei Kleinkindern“. Leiterin Marita Prox begrüßte dazu zahlreiche Interessierte sowie die beiden Referenten: Diplom-Psychologe Matthias Dettmann und Erziehungswissenschaftler Daniel Pulte von der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Landkreises. Sie sprachen über die Hintergründe aggressiven Verhaltens und gaben Tipps zum Umgang damit.

Aggressivität als eine Anforderung von Schutz

„Ich versichere Ihnen: Es geht vielen Eltern so, dass ihre Kinder hauen, beißen und treten“, sagte Dettmann zu Beginn. Oft versuchen die Kinder damit, ihren Willen durchzusetzen, sie testen aber auch Grenzen aus. Sie werden aber auch aufgrund Hilflosigkeit aggressiv, oder weil sie Schutz fordern Dettmann: „Man beobachtet es oft bei Kleinkindern, die Fremden begegnen: Die Kinder wollen dann auf den Arm der Eltern, verstecken sich hinter ihnen oder sind weinerlich. Wenn sie dann keinen Schutz bekommen, fordern sie ihn durch ihr Verhalten ein.“ Daniel Pulte fügte hinzu, dass solch „Fehlverhalten“ auch eine Reaktion auf Stress sein kann. In solchen Situationen brauchen Kinder die Nähe der Eltern oder der Erzieherinnen im Kindergarten.

Loben ist eine„Allzweckwaffe“

„Die Beziehung ist das A und O in der Erziehung“, sagte Pulte. „Erwachsene achten viel zu viel auf das Problemverhalten und nicht auf das positive Verhalten.“ Dabei gebe es keine bessere „Allzweckwaffe“ als das Loben. Dadurch merke das Kind: „Hey, ich hab was richtig gemacht“, statt immer nur zu hören „du darfst dies und das nicht“.

Eine gute Beziehung zum Kind baut man durch gemeinsame Zeit auf, beim Bücherlesen, Spielen oder Reden. „Kinder wollen fragen, erzählen, etwas erklärt bekommen“, sagte Pulte. Aber oft rede der Fernseher mehr mit ihnen als die Eltern.

Wichtig seien auch Aufmerksamkeit und Zuneigung, ausgedrückt durch Kuscheln, In-den-Arm-nehmen, Lächeln oder ein Augenzwinkern.

Alternativen aufzeigen und konsequent bleiben

Doch wie verhält man sich bei einem Gefühlsausbruch mit Schlagen, Beißen und Treten? Kinder bräuchten klare Anweisungen und müssten Konsequenzen erleben, um die Grenzen zu lernen. Man müsse dem Kind eine Begründung nennen wie „Man haut nicht“ und ihm ein erwünschtes Verhalten mitteilen – und wenn es sich dementsprechend verhält, das Kind dafür auch loben. Und man müsse konsequent bleiben.

In extremen Situationen sollten Eltern oder Erzieher die Bewegungen des Kinds durch Festhalten einschränken, zusammen mit einer klaren Ansage wie zum Beispiel „Nein! Wir hauen nicht!“

Ein weiteres mögliches Vorgehen: Das Kind bekommt eine Auszeit in einem anderen Raum verordnet. Bei Kleinkindern reiche eine Minute völlig aus, bei Vier- bis Zehnjährigen können es fünf Minuten sein – länger nicht, weil die Kinder dann nicht mehr wissen, warum sie eine Auszeit bekommen haben.

Die Referenten warben dafür, dass Eltern und Erzieher bei Problemen die kostenlosen Hilfsangebote des Landkreises in Anspruch nehmen. Die Beratungsstelle ist unter Telefonnummer 05021/967676 erreichbar. Es gibt auch Sprechstunden in Hoya, Näheres im Internet: www.lk-nienburg.de (Suchwort „Beratungsstellen“).

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