Experte stellt Bedarfsplan im Feuerwehrausschuss vor / Hohe Kosten

Brandschutz muss auf neue Füße gestellt werden

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Brandschutz-Ingenieur Manfred Fennen erläuterte den Plan.

Von Michael Wendt. In dem Moment als der Gutachter Manfred Fennen den Zustand des Brandschutzes in der Samtgemeinde erläuterte, stand es nicht gut um jenen Brandschutz. Denn weit über 100 Feuerwehrleute folgten am Mittwochabend der Sitzung des Feuerschutzausschusses im „Lindenhof“ in Hoya. Fraglich also, ob die von Fennen erläuterten Schutzziele bei einem Brand in diesen anderthalb Stunden hätten erreicht werden können. Aber es ging ja um den generellen Brandschutz. Fennen bescheinigte der Samtgemeinde, ihrer Pflicht genüge zu tun, wenn sie den von ihm erarbeiteten Feuerwehrbedarfsplan umsetzt. Das wird die Samtgemeinde einige Millionen Euro kosten.

Dennoch machte der Ausschuss noch am Mittwochabend die ersten Schritte – mit besorgtem Blick auf die Finanzen: Er stimmte geschlossen für den Feuerwehrbedarfsplan, für den Haushaltsplan 2016 und für die Förderung des Ehrenamts (Bericht folgt).

Um künftig einen ausreichenden Brandschutz sicherstellen zu können, muss die Samtgemeinde neue, teils größere Fahrzeuge beschaffen, inklusive einer Drehleiter. Außerdem sollen bis 2020 die Planungen für Um- oder Neubauten der Feuerwehrhäuser in Hoya und Eystrup abgeschlossen sein sowie für einen Um- oder Anbau in Wienbergen. Aktuell erfüllen die Gebäude weder die Norm noch die Unfallverhütungsvorschriften.

Manfred Fennen, seines Zeichens „Master of Engeneering vorbeugender Brandschutz“, schlägt zudem vor, Feuerwehren zusammenzulegen (Bericht folgt). Die Samtgemeinde hatte den Experten mit der Ausarbeitung eines Bedarfsplans beauftragt.

Im Plan findet sich zunächst eine Beurteilung der Gefährdung durch Brand, Atom-, Biogift- und Chemie- sowie Wasserunfälle in der Samtgemeinde, außerdem eine Einschätzung, wie oft die Feuerwehr technische Hilfe leisten muss (etwa bei Verkehrsunfällen). Die Gefährdungsklassen unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde.

Die Samtgemeinde als Träger der Feuerwehren muss die ausreichend schnelle Hilfe in mindestens 80 Prozent aller zeitkritischen Einsätze gewährleisten. „100 Prozent zu schaffen, ist unmöglich“, sagte Manfred Fennen und verwies etwa auf abseits gelegene Hofstellen oder die Möglichkeit von zwei Einsätzen zur gleichen Zeit. Kommt schnelle Hilfe in weniger als 80 Prozent der Fälle, liegt laut mehrerer Gerichtsurteile ein Organisationsverschulden seitens des Feuerwehrträgers vor.

Manfred Fennen geht davon aus, dass die Samtgemeinde Hoya die 80 Prozent bei der Umsetzung seines auf fünf Jahre angelegten Bedarfsplans gewährleisten kann. „Bei der Fortschreibung des Plans können wir den Wert 2020 eventuell hochschrauben“, sagte er. Denn 80 Prozent seinen die absolute Untergrenze.

Obwohl beim Großbrand der Firma Hartje in Hoya 2012 keine Menschen zu Schaden kamen, zeigte spätestens dieser Einsatz, dass eine Drehleiter in Hoya sinnvoll wäre. Fennen bestätigte dies: „Sie werden nicht umzukommen, für das Risiko hier in Hoya eine Drehleiter zu kaufen“ – bedingt auch durch die enge Bebauung im Bereich der Innenstadt. Laut Vorschrift muss eine Drehleiter bei bestimmten Bränden zur Menschenrettung spätestens 15 Minuten nach Alarmierung einsatzbereit sein, zur reinen Brandbekämpfung nach 30 Minuten. Die Drehleitern aus Nienburg, Liebenau und Verden benötigen aber rund 40 Minuten nach Hoya.

Im Haushaltsplan ist der Kauf einer Drehleiter für 2019 vorgesehen – zuvor soll es jedoch Gespräche mit dem Landkreis und den Nachbargemeinden wegen einer möglichen finanziellen Unterstützung und einer Zusammenarbeit geben, heißt es im Plan.

Aber wenn der Bedarf für eine Drehleiter gegeben ist, reicht dann ein Kauf frühestens 2019? „Es gibt keinen gesetzlichen Rahmen, was die Pflicht zur Umsetzung des Bedarfsplans betrifft“, erklärte Manfred Fennen gegenüber unserer Zeitung.

Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer dämpfte die Erwartungen: „Es wird sicher nicht gelingen, die Maßnahmen in fünf Jahren eins zu eins abzuarbeiten. Das Ganze kann auch acht Jahre dauern oder zehn.“

„Über welche Kosten reden wir hier?“, fragte Carsten Tote aus Gandesbergen. Vier bis fünf Millionen Euro wird es kosten, antwortete Detlef Meyer. „Je nach Finanzlage kann der Plan gestreckt und/oder abgewandelt werden“, sagte Günter Schwarze für die Gruppe aus CDU, WG und FDP. „Wir wollen das so durchziehen“, schloss sich Burkhard Dieckhoff für die SPD an.

Final entscheidet der Samtgemeinderat. Er tagt am Montag, 14. Dezember, um 19.30 Uhr im Gasthaus Hünecke in Nordholz.

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