Landgericht Verden entscheidet

Angriff auf Radfahrer aus Hoya war versuchter Mord

Zwei junge Männer auf der Anklagebank im Gerichtssaal
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Auf der Anklagebank: Ein 22-Jähriger aus Hassel (vorne) und 19-Jähriger aus Duddenhausen mit Verteidiger Torben Müller.

Hoya/Verden – Es war ein versuchter Mord. Zu dieser Überzeugung ist die 4. Große Strafkammer des Landgerichts Verden in dem Prozess gegen die vier jungen Männer gelangt, die am 9. Mai 2019 einen 35-Jährigen in Hoya fast getötet hätten. Anders als in einem ersten Prozess wurde das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe in dem Donnerstag verkündeten Urteil bejaht. An der Höhe der Strafen hat sich nichts geändert.

In einem ersten Prozess hatte eine andere Kammer die vier Angeklagten des versuchten Totschlags schuldig gesprochen. Nach einer erfolgreichen Revision der Staatsanwaltschaft Verden beim Bundesgerichtshof musste die 4. Große Strafkammer neu entscheiden. Aber nur über die Frage der niedrigen Beweggründe. Das Tatgeschehen stand rechtskräftig fest.

Ein betrunkener Radfahrer war am Gymnasium an einer Gruppe junger Leute vorbeigekommen. Er war angesprochen worden, dann hatte ein Wort das andere gegeben. Am Ende lag der 35-Jährige lebensgefährlich verletzt am Boden. Während alle nach der Tat geflüchtet waren, hatte sich das Opfer mit letzter Kraft zu einem Haus schleppen können. Nur weil der Notarzt um die Ecke war, bestand eine Überlebenschance. Körperlich und psychisch schwer gezeichnet von den Taten ist der Mann bis heute.

Die Angeklagten haben jetzt zu der Tat geschwiegen. Die Beweisaufnahme war damit überschaubar. Eindeutig die Überzeugung der Kammer, dass es kein versuchter Totschlag war, wie in erster Instanz festgestellt, sondern ein versuchter Mord.

Keiner der vier Angeklagten hatte auf das Opfer eingestochen. Das war ein fünfter, psychisch kranker Täter. Doch die „zahllosen Stiche waren erkennbar für alle“, stellte der Vorsitzende Richter Markus Tittel fest. „Zu dem Zeitpunkt wissen alle Angeklagten, was da passiert und finden sich damit ab“. Es war ihnen „egal, ob er stirbt“.

„Sie wissen in dem Moment, dass sie sich als Gruppe aus Langeweile da jemanden rausgesucht haben, den sie fertig machen“, sagte Tittel. Das Risiko, dass das Opfer versterben könnte, hätten alle erkannt.

Mit „unterschiedlicher Freude und Bereitschaft“ hätten sie agiert. Alle aber komplett unverhältnismäßig. „Herzlos, fast verachtend vor dem Leben, das gerade zerstört werden sollte“, so die Überzeugung der Kammer.

„Wir meinen, dass weder eine mildere Strafe in Betracht kommt, noch das eine härtere Strafe erforderlich ist“, sagte der Vorsitzende mit Blick auf die Plädoyers. Der Staatsanwalt hatte Strafen zwischen vier und sechs Jahren gefordert. Die Verteidiger geringere Strafen.

Im Mai 2019 waren die Angeklagten festgenommen worden. Zwei Eystruper sind seit diesem Jahr frei. Sie hatten die Hälfte der gestern und im ersten Prozess verhängten Strafen von drei Jahren und vier Jahren verbüßt. Die heute 19-Jährigen werden auch nach diesem Urteil nicht wieder in Haft müssen.

Weiterhin in Haft bleiben dagegen der zu vier Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilte 22-Jährige aus Hassel und der 19-Jährige aus Duddenhausen. Er wurde zu fünfeinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Grund für die höheren Strafen sind weitere Taten. Rechtskräftig ist das Urteil von Donnerstag nicht.

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