Gemshorn-Ensemble bietet in Eitzendorf einen nicht alltäglichen Musikgenuss

Das erste Konzert der „Unik Horns“

Die „Unik Horns“ spielten ihr Konzert, betitelt mit „Musikalische Hornspäne“, auch auf Gemshörnern. Foto: UWE Campe

Eitzendorf – Hand aufs Herz – vermutlich hatten nur die wenigsten Besucher ungefähre Vorstellungen, was sie bei dem Gemshorn-Konzert in der Eitzendorfer Kirche am Freitagabend erwarten würde. Dies änderte sich jedoch rasch, nachdem der Kirchenmusiker Johannes Kaußler aus Sottrum (Kreis Rotenburg/Wümme) die verwendeten Gemshörner kurz erklärt und das von seiner Ehefrau Anja Kaußler geleitete achtköpfige Ottersberger Ensemble „Die Unik Horns“ erste Stücke auf den originellen Instrumenten vorgetragen hatte. Wie Kaußler erläuterte, lässt sich aus den Instrumenten trotz ihres etwas begrenzten Tonumfangs erstaunlich viel herausholen, wovon sich die Konzertbesucher in der Folge überzeugen konnten.

Begonnen hat das unter dem Motto „Musikalische Hornspäne“ stehende Konzert allerdings nicht mit Gemshörnern, sondern mit dem von Kaußler auf der 2011 komplett restaurierten Becker-Orgel gespielten „Prelude F-Dur“ von Georg Böhm (1661-1733), einem deutschen Organisten und Komponisten des Barock.

Fünf der im weiteren Konzertverlauf gespielten Gemshornstücke entstammten dem Orgelbüchlein, einer Sammlung kurzer Orgelchoräle des großen Barockkomponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750). Sie waren von Kaußler für das Gemshorn bearbeitet worden, wodurch eine besondere Klangqualität erzielt wurde. Ein, wie er betonte, zwar nicht ganz leichtes, aber doch durchaus gelungenes Unterfangen. Außerdem interpretierte die Gruppe noch zwei Sätze aus der 3. Orchestersuite Bach’s.

Aber nicht nur Orgel und Gemshorn kamen an diesem Abend zum Einsatz, sondern mit dem ebenfalls aus der Familie der Blockflöten stammenden Czakan ein weiteres interessantes altes Musikinstrument, das auch als Spazierstockflöte bezeichnet wird und seinen Ursprung in Südosteuropa hat. Es erlebte seine Blüte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das oftmals in die freie Natur verlegte Musizieren zunehmend die Freizeitgestaltung aller bürgerlichen Schichten einnahm. Für das Konzert ausgewählt worden waren eigens für dieses Instrument von dem österreichischen Komponisten Wilhelm Klingenbrunner (1782-1850) geschriebene Stücke, die Anja Kaußler und Imke Kunze im Duett vortrugen und die mit ihren gefälligen und fröhlichen, fast beschwingten Melodien für besonders viel Beifall sorgten.

Den Höhepunkt des durch sein abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm gefallenden Konzerts bildete dann aber – zumindest gemessen am anschließenden Applaus – die Ouvertüre der Oper „Figaros Hochzeit“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Die dafür noch einmal eingesetzten Spazierstockflöten von Anja Kaußler und Imke Kunze wurden unterstützt durch die von Johannes Kaußler gespielte Physharmonika, einem heute weitgehend in Vergessenheit geratenem Vorläufer des Harmoniums aus dem 19. Jahrhundert. „Allein hierfür hat sich das Kommen schon gelohnt“, verriet eine Besucherin dann auch hinterher.

Den Abschluss bildeten die „Gavotte“ aus der 3. Orchestersuite von Bach und als Zugabe das traditionelle „Alta Trinita Beata“, zu Deutsch „Hohe, heilige Dreifaltigkeit“, ein ursprünglich aus dem Italien des 15. Jahrhunderts stammendes, in kirchlichen Konzerten häufiger zu hörendes Musikstück.

Der tadellose und einen ganz eigenen, nicht alltäglichen Musikgenuss bietende Auftritt der „Unik Horns“ verdient besondere Anerkennung, trat die Gruppe in dieser Formation und unter diesem Namen doch zum ersten Mal auf. Wie sehr dieser beim Publikum ankam, wurde nicht nur an dem reichlichen Applaus, sondern auch an dem gut gefüllten Spendenkörbchen am Ausgang des Kirchenschiffs deutlich.

Das Gemshorn

Das Gemshorn ist eine im Mittelalter gespielte, überwiegend wohl aus Kuhhorn gefertigte Schnabelflöte, die in ihrer Griffweise und ihrem Funktionsprinzip der Blockflöte ähnelt. Originale aus dem Mittelalter sind zwar nicht mehr erhalten, jedoch werden Rekonstruktionen heute wieder in den Größen Sopran, Alt, Tenor und Bass zur Aufführung Alter Musik gebaut.  

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