Hilfe für ein fernes Land

Verein unterstützt Projekte in Nepal: „Entwicklungshilfe allein genügt nicht“

Dörfer richten Tanzwettbewerbe aus: „Chandaa“ finanziert beispielsweise die vergebenen Preise.
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Dörfer richten Tanzwettbewerbe aus: „Chandaa“ finanziert beispielsweise die vergebenen Preise.

Warpe – Horst Hahlbohm unterstützt schon seit vielen Jahren Menschen in Nepal. Im Juni 2020 gründete er zusammen mit weiteren Mitstreitern einen Förderverein. Er heißt „Chandaa“ (sprich: Zanda). Übersetzt heißt es so viel wie Spende. Das Logo, zweimal zwei Bergwellen und zwei Häuser, heißt „Nepal“ in der Gebärdensprache, erklärt der Helzendorfer. Und alle, die 30 Euro oder mehr spenden, erhalten sein Reisetagebuch „Erstmal zum Kailash …“ dazu (wir berichteten).

Auch wenn alles auf Nepal hindeutet, so will der Verein sich nicht auf das Land im Himalaya festlegen lassen. „Theoretisch könnten wir auch Projekte in Afrika oder Pakistan unterstützen“, sagt Hahlbohm.

Das Engagement besteht schon deutlich länger, als es den Verein gibt. 2002 war Horst Hahlbohm das erste Mal in Nepal. Dort lernte er Prem Tamang kennen und zwei Jahre später Tek Nath Gautam. Beide sind die Verbindungspersonen zum Verein. Sie bekommen die Gelder überwiesen und kümmern sich um die Verteilung.

„Wir kennen die Beiden schon sehr lange und vertrauen ihnen,“ sagt der ehemalige Lehrer. Dass das Geld auch an den richtigen Stellen ankommt, beweisen zahllose E-Mails mit Bildern. In unregelmäßigen Abständen bekommen die Spender die Berichte zugeschickt. „Jeder soll wissen, was mit den Geldern passiert.“ Sie fließen in die Region um das Dorf Bhattidanda. Es liegt rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Katmandu entfernt.

Das erste Projekt, das Horst Hahlbohm noch als Privatperson unterstützte, war 2004 der Bau einer Mauer um eine Grundschule. Was im ersten Moment bizarr klingt, hat einen religiösen Hintergrund. Wie in Indien sind auch in Nepal die Rinder heilig. Die überzähligen Tiere werden einfach weggejagt. Sie suchen sich tagsüber schattige Plätze, wie unter einem Schuldach. Dort wird eben auch ein „Häufchen“ gemacht. Der Platz ist dann für die Kinder nicht mehr nutzbar. Um dies zu verhindern, wurde die Mauer benötigt.

Nach zahlreichen Monsunregen ist das Bauwerk inzwischen in Mitleidenschaft gezogen. „Das hat man immer mal, dass Projekte nicht von Dauer sind“, so Hahlbohm. Die Begrenzung kann natürliche Gründe haben, wie eben starke Monsune.

„Chandaa“ unterstützt Schüler: Die Schule in Prem Tamangs Dorf finanziert sich aus diversen Spendentöpfen.

2005 gab es Geld für einen Gärtner. Die Bevölkerung sollte lernen, wie Gemüse angebaut wird. Die Finanzierung sollte solange laufen bis genügend Pflanzen im Umlauf waren, damit sich das Vorhaben selber trägt. Inzwischen gibt es in den Privatgärten in Nepal viele Gewächshäuser mit Tomaten und weiteren Gemüsesorten. Ein sichtbarer Beweis dafür, dass sich die Investition ausgezahlt hat und Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert.

Die dazugehörige Gärtnerei finanzierte damals die Entwicklungshilfe. Das Problem: Sie stellt zwar Gelder für den Bau eines Gewächshauses samt Ausstattung, aber übernimmt nicht die laufenden Kosten für das Personal. Das Gebäude allein bringt die Einwohner allerdings nicht weiter. Sie müssen von Experten lernen, wie etwas funktioniert. Im Kleinen kann ein Verein wie „Chandaa“ sicherlich helfen. Er kann aber nicht strukturelle Probleme von Hilfsorganisationen auffangen. Dabei ist laut Hahlbohm Nepal das Land mit den meisten Entwicklungshelfern vor Ort.

Nach vielen weiteren Unterstützungen gab im Herbst 2020 der Verein mehrere Tausend Euro für den Reiskauf. Wegen Corona fehlten die Einnahmen durch die Touristen. So konnte die Not gelindert werden.

Grundsätzlich läuft die Unterstützung projektbezogen. Prem oder Tek Nath berichten von Vorhaben, dann wird entschieden, mit wie viel Geld sich der Verein beteiligt.

Der Vereinsvorstand: (von links) Jörg Sommerfeld (Zweiter Vorsitzender), Vorsitzende Evelyn Wittmund-Hahlbohm, Geschäftsführer Horst Hahlbohm und Peter Klein (Schriftführer).

Einige Vorhaben liegen dem Verein „Chandaa“ besonders am Herzen. Das sind der Kauf von Nähmaschinen für Witwen (wir berichteten) und die Bildung für Frauen. „Man muss ihnen beibringen, dass Lesen und Schreiben wichtig sind und wie man auf die Gesundheit der Kinder achtet“, erklärt der ehemalige Grundschullehrer. Hintergrund: In Nepal muss Schulgeld gezahlt werden. Im Zweifel werden Jungen eher als Mädchen zur Schule geschickt.

Dem Verein „Chandaa“ ist es auch wichtig, mit kleinen Dingen zu helfen. Dies kann beispielsweise die Finanzierung von Preisen sein, wenn Dörfer einen Tanzwettbewerb ausrichten. Es ist wie bei uns, ohne Anreiz ist es langweilig.

In Nepal kann schon mit – für deutsche Verhältnisse – kleinen Summen einiges bewegt werden. Rund 100 Euro kostet beispielsweise die Ausstattung eines Nähplatzes. Die Kontonummer für Spenden ist auf der Homepage im Internet unter www.Chandaa.org zu finden.

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