Wohin mit dem Atommüll?

Eitzendorf ist möglicher Endlager-Standort: Einwohner sind besorgt

Im Erdreich von Eitzendorf befindet sich ein 13 Kilometer langer Salzstock. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung führt die Gemeinde daher seit 2020 offiziell als möglichen Standort für ein Atommüll-Endlager auf.
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Im Erdreich von Eitzendorf befindet sich ein 13 Kilometer langer Salzstock. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung führt die Gemeinde daher seit 2020 offiziell als möglichen Standort für ein Atommüll-Endlager auf.

Eitzendorf – Von Feldern umgeben kommt der Besucher auf der Kreisstraße 142 direkt nach Eitzendorf. Als Sehenswürdigkeiten in dem 400-Einwohner Ort gelten die St. Georg Kirche oder der Alveser See. Doch das Spannende in Eitzendorf liegt nicht über der Erde, sondern darunter: ein knapp 13 Kilometer langer Salzstock.

Für diese Formation hat sich zuletzt auch die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) interessiert. Die Behörde führt die nördlichste Gemeinde der Grafschaft Hoya seit September 2020 offiziell als möglichen Standort für ein Atommüll-Endlager auf. In seinem Bericht listet das BGE insgesamt 90 Gebiete, welche sich knapp über ganz Deutschland erstrecken. Die Entscheidung, wo Deutschland seinen radioaktiven Abfall dauerhaft lagert, soll bis 2031 getroffen werden. Ab 2050 soll die Einlagerung des strahlenden Abfalls beginnen.

Trotzdem sind einige Anwohner bereits besorgt. Besonders Menschen mit Kindern möchten lieber früher als später handeln. „Bei einer Bürgerinitiative wäre ich auf jeden Fall dabei“, sagt Einwohnerin Elisabeth Rippe. Einige der Eitzendorfer zweifeln zudem an der versprochenen Transparenz des Verfahrens. Auch, wenn es Fragerunden, wie die am 29. Oktober, gab, bliebe der große Erkenntnisgewinn aus. Ein Problem sei auch die aktuelle Ausnahmesituation durch die Corona-Pandemie. Man sehe sich untereinander seltener und könne sich daher weniger austauschen.

Gemeindebürgermeister Johann Hustedt zeigt sich ebenfalls engagiert, aber dennoch recht entspannt. Die ganze Sache liege noch in weiter Ferne. Offiziell sei er schon alle möglichen Schritte gegangen. Er habe bereits Nachfragen an den Landrat Detlev Kohlmeier gestellt und stehe in Kontakt mit Bundestagsabgeordneten wie Axel Knoerig (CDU) und Marja-Liisa Völlers (SPD). Diese wollen sich melden, sobald es mehr Informationen zu dem Thema gebe. Mehr könne er zurzeit nicht tun, meint Hustedt.

Der fragliche Bereich im Ort ist etwa 26 Quadratkilometer groß, „befindet sich im Zechstein der Salzstruktur Eitzendorfs und weist eine Mächtigkeit von 1 080 Metern auf“, heißt es in dem Bericht der BGE. Die Gesteinsformation liegt nach Angaben des Geologen Franz Kockel in 420 bis 1 500 Metern Tiefe und verläuft leicht schräg von Tuschendorf bis nach Dörverden. Der Salzstock ist bis zu zwei Kilometer breit.

Viele Eitzendorfer hoffen, dass ihre Heimat in den nächsten Auswahlschritten des BGE einfach aus dem Raster fällt. Damit hätten sich ihre Sorgen in Luft aufgelöst. Unbegründet ist das nicht. Schon 1995 wurde das Gebiet bereits mit dem gleichen Ziel untersucht. Damals wurde die Fläche teilweise als „nicht den Vorgaben entsprechend“ bewertet. Andere Gebiete hätten bessere Voraussetzungen für ein Endlager.

Unter den gleichen Kriterien wurde der Salzstock bereits bei einer 1983 durchgeführten Untersuchung „als weniger eignungshöffig angesehen“. Auch der aktuelle Bericht bewertet Kriterien in Bezug auf das Deckgebirge als „nicht günstig“. 1983 und 1995 stand allerdings noch Gorleben als Standort für ein Endlager fest. Die 1995 gemachten Untersuchungen liefen nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, „aus Gründen der Entsorgungsvorsorge“.

Von Jana Niebuhr

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