Eystrup von A bis Z: Die katholische Gemeinde und ihre Geschichte

Das Ende einer Kirche

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Die ehemalige Eystruper Sankt-Raphael-Kirche. Das Foto stammt aus der Chronik der katholischen Kirchengemeinde Hoya.

Eystrup - Von André Steuer. In unserer Reihe „Eystrup von A bis Z“ geht es diesmal um die katholische Kirchengemeinde Eystrup. Mit einem Gemeindezentrum an der Schützenstraße verfügte sie mehrere Jahrzehnte über ihr eigenes Domizil. Allerdings sucht man die Sankt-Raphael-Kirche heute vergebens, denn sie wurde 2006 abgerissen.

Die Geschichte der Eystruper Katholiken ist untrennbar mit der Entwicklung der katholischen Kirchengemeinde Hoya verbunden. Aber von vorn: Im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert kam das katholische Gemeindeleben in der hiesigen Region fast vollständig zum Erliegen. Den vorerst letzten Gottesdienst in der heutigen Samtgemeinde Hoya feierte man laut Chronik der katholischen Kirchengemeinde Hoya im Jahr 1531.

Erst 1900 konstituierte sich das katholische Gemeindeleben im von Staffhorst‘schen Anwesen in Hoya neu. Die Chronik berichtet von etwa 100 ansässigen Katholiken 1925 im (Alt-)Kreis Hoya.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen etwa 3 000 katholische Vertriebene in den Kreis Hoya. Kreisvikar Theodor Dierkes beklagte um 1945 in einem Schreiben: „Weit und breit gibt es keine eigene Kirche.“ Die heiligen katholischen Messen wurden zu dieser Zeit in den evangelischen Kirchen abgehalten.

1948 erfolgte die Angliederung von Eystrup und Hassel an die Seelsorgestelle Drakenburg/Haßbergen. Die priesterliche Verantwortung trug Hugo Wippein, der jedoch 1953 starb.

Pfarrer Helmut Mück betreute bis 1958 die Eystruper Gemeinde. Ihm folgte Pastor Adolf Fritz als neuer Seelsorger. Mit viel Eifer setzte er sich für den Bau einer eigenen Kirche ein. Am 30. April 1961 war es endlich soweit, und die Gemeinde feierte die Grundsteinlegung. Für die Bausumme von 250 000 Mark entstand an der Schützenstraße ein katholisches Gemeindezentrum als verputzter Saalbau mit einem offenen Glockenturm und einem Wohnhaus. Am 17. Juni 1962 wurde die Sankt-Raphael-Kirche feierlich durch den Bischof von Hildesheim eingeweiht. Endlich hatten die katholischen Gläubigen in Eystrup ein Zuhause gefunden.

Bis 1965 gehörte die Pfarrgemeinde Eystrup noch zum Bistum Hildesheim. Nach den Bestimmungen des Konkordats (Staatskirchenvertrag) fielen dann die rechts der Weser liegenden Teile des Landkreises Grafschaft Hoya an das Bistum Osnabrück, und Eystrup wurde an Hoya angegliedert.

Als am 1. April 1969 der Hoyaer Pfarrer Georg Prinz nach Gellenbeck versetzt wurde, bahnten sich weitreichende Veränderungen auch für die Eystruper Gemeinde an. Am 1. Juni 1969 wurde auch ihr Pastor Adolf Fritz versetzt. Wegen der Bestimmungen des Konkordats von 1965 erhielt die Eystruper Gemeinde keinen neuen eigenen Pfarrer. Die Seelsorgearbeit übernahm fortan der jeweilige Hoyaer Pastor, was zu umfangreichen Umorganisationen des Gemeindealltags führte. Darüber hinaus gingen die Mitgliederzahlen in der Nachkriegszeit stetig zurück, denn die ehemals vertriebenen Katholiken suchten sich quer durch Deutschland neue Heimatorte.

Da Anfang der 60er-Jahre nicht das beste Baumaterial zur Verfügung gestanden hatte, musste in Eystrup bald über Renovierungs- und Sanierungsarbeiten nachgedacht werden. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und der Verlagerung des Gemeindelebens nach Hoya stand bald die Aufgabe der Eystruper Kirche zur Diskussion.

Im November 2004 fand mit einem Gottesdienst zur sogenannten Profanisierung die sakrale Nutzung des Hauses an der Schützenstraße ein Ende. 2006 erfolgte der Abriss des ehemaligen Gotteshauses.

Heute sind die Eystruper in der Hoyaer Gemeinde aktiv, haben sich jedoch mit ihrer Marienklause an der Kirchstraße einen eigenen Platz erhalten.

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