Vernunft statt Ideologie

Eitzendorfer gründet veganen Stammtisch

Jörg Herb ernährt sich vegan und verzichtet auf Fleisch sowie tierische Produkte. Kochbücher unterstützen ihn dabei, etwas Leckeres zuzubereiten. Foto: Rebecca Göllner-Martin
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Jörg Herb ernährt sich vegan und verzichtet auf Fleisch sowie tierische Produkte. Kochbücher unterstützen ihn dabei, etwas Leckeres zuzubereiten.

Eitzendorf - Von Rebecca Göllner-Martin. Jörg Herb aus Eitzendorf ernährt sich seit acht Jahren vegan. Er verzichtet somit auf tierische Produkte und Fleisch. In einem Interview berichtet der 80-Jährige von der Gründung eines veganen Stammtischs und der Motivation für diese Lebensweise.

Einst war der gelernte Sozialpädagoge Landwirt im Nebenerwerb und sagte nicht Nein zu Rinderbraten und Co. Sein Umdenken trat erst mit dem Lesen des Buchs „China-Study“ ein. Dieses beschreibt den Zusammenhang von tiereiweißreicher Ernährung und chronischen Erkrankungen. 

Herr Herb, warum soll es einen veganen Stammtisch geben?

Leute, die sich vegan ernähren, üben eine Form von Aktivismus aus, um Veganismus in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Die Gründe für eine vegane Ernährung sind zum einen Umweltprobleme, denn 80 Prozent der Abholzung der Regenwälder haben mit der Landwirtschaft zu tun. Und zum anderen spielen gesundheitliche Aspekte eine Rolle. Die konventionelle Ernährung halte ich für fragwürdig. Letztlich ist es jedem selber überlassen, für sich Verantwortung zu übernehmen.

Der Stammtisch soll außerdem Freude am Genuss bringen. Jeder bringt etwas mit. Ich bin auch beim Stammtisch in Verden, dort ist es auch so. Dann stehen Salat, Brot, Eintopf und viele weitere Speisen auf einem großen Tisch und man kann alles probieren. Das macht so einen Spaß!

Der Stammtisch soll einmal im Monat am Wochenende stattfinden und an wechselnden Orten über die Bühne gehen. Wer einlädt, dort findet das Treffen statt.

Sie haben davon gesprochen, mit dem veganen Stammtisch Öffentlichkeitsarbeit machen zu wollen. Wie könnte diese konkret aussehen?

In Verden haben wir zum Beispiel einen Stand am Markttag, dort bieten wir kostenlos vegane Speisen an, um ins Gespräch mit den Menschen zu kommen. Viele verstehen unser Anliegen und sagen, das wir etwas tun müssen. Jetzt zum Weihnachtsmarkt in Verden haben wir wieder so einen Stand und sind an drei Tagen vor Ort.

Versuchen Sie, andere Menschen vom veganen Leben zu überzeugen?

Beim Stammtisch ist das nicht der Fall. Alle sind gleich, niemand ist dominant. Niemand wird gedrängt, sich vegan zu ernähren. Auch jemand, der Fleisch isst, ist willkommen. Er kann gerne etwas probieren, dann beschäftigt er sich zumindest mit dem Thema. Wir sind alle keine Dogmatiker. Ich komme selber einmal im Jahr in die Verlegenheit, Fleisch zu essen, zum Beispiel bei Familienfeiern.

Man hört oft den Vorwurf, dass die vegane Ernährung extrem ist. Aber was ist extremer, in Hinblick auf die Umweltaspekte, als Fleisch- und Milchprodukte zu essen?

Jörg Herb: "Ich lehne es ab, Avocados zu essen."

Ist Veganismus zum Trend geworden?

Ausgeprägter Veganismus bedeutet, eine Ideologie zu haben, das lehne ich ab. Eine Ernährung, die Umwelt- und Gesundheitsaspekte berücksichtigt, hat nichts mit Ideologie zu tun, sondern mit Vernunft. Vegane Ernährung nimmt immer mehr zu, das stimmt. Sie hat eine Wachstumsrate von etwa acht Prozent im Jahr.

Apropos Umweltaspekte, vegane Ernährung verbindet man oft mit Sojaprodukten und Avocados. Sind bei diesen Lebensmitteln die CO2-Emissionen nicht auch sehr hoch?

Ich lehne es ab, Avocados zu essen. Ich kaufe ausschließlich regional ein. Ich verzichte auch komplett auf Zitrusfrüchte. Zur Sojafrage: Ein Großteil des Sojas wird an Tiere verfüttert, nur ein Fünftel des produzierten Sojas essen wir Menschen.

Haben Sie aufgrund der veganen Ernährung Mangelerscheinungen oder müssen Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen?

Ja, Vitamin B12. Es wird immer behauptet, dass es nur in Fleisch zu finden ist, das stimmt nicht. Sauerkraut kann man zum Beispiel essen. Nicht in dem Fleisch der Tiere, sondern in den Innereien befindet sich das meiste B12. Es entsteht durch Bakterien. Wer zum Beispiel Bio-Gemüse kauft und vor dem Essen nicht wäscht, der nimmt B12 auf. Diese Bakterien sind nicht schädlich, eher im Gegenteil. Fermentierte Lebensmittel sind alle Vitamin-B12-haltig.

Sie können sich zu 100 Prozent gesund mit veganer Ernährung ernähren. Ich fühle michfitter und gesünder und weniger aggressiv, seitdem ich mich so ernähre.

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