Eitzendorfer mit 20-km/h-Trecker und Wohnwagen 2740 Kilometer unterwegs

In 36 Tagen mit dem Deutz durch sieben Staaten

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Seine mittlerweile dritte Treckertour führte Ralf Winkler durch die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, die Schweiz und Österreich.

Von Marion Thiermann. Was für ein Ritt mit dem alten Deutz: Ralf Winkler aus Eitzendorf bereiste in 36 Tagen sechs Nachbarstaaten: die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, die Schweiz und Österreich. Dabei unternahm er immer wieder Abstecher nach Deutschland. Nun ist er zurück in Eitzendorf und plant – zunächst keine neue Tour. Im Hinterkopf hat er jedoch,dass ihm nach drei Fahrten mit dem Deutz noch zwei Nachbarländer „fehlen“.

Auf seiner Reise entwickelte Ralf Winkler eine „Phobie gegen Umleitungen“, sagt er. Denn statt der geplanten 2500 Kilometer fuhr er wegen Baustellen und gesperrter Straßen 2740 Kilometer – was ihn bei 20 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit mächtig Zeit kostete. Entschädigt wurde er durch die schönen Landschaften und Sehenswürdigkeiten.

Los ging es im Juni. Wie bei seinen bisherigen zwei Touren fuhr Winkler vorzugsweise auf Nebenstraßen und durch Wohngebiete, zunächst in die Niederlande. Dort war er erstaunt über die rund 20 Weingüter und lernte die Bedeutung von „omleiding“ (Umleitung) sowie „doorgand verkeer gestremd“ (Durchgangsverkehr gesperrt) kennen. „Unterwegs habe ich eine Fußgängerampel für Kühe gesehen“, erzählt Ralf Winkler und scherzt: „Ich habe keine Ahnung, wie die Viecher den Knopf drücken!“

In dem Eifelstädtchen Monschau bekam er Besuch von seiner Frau Monika – und bei einem Ausflug mit dem Auto prompt ein Ticket für zu schnelles Fahren.

Durch Ost-Belgien und die Luxemburger Berge fuhr er weiter nach Esch-sur-Alzette, ein Städtchen, dominiert von einem großen Stahlwerk und mit einem Campingplatz hoch oben auf einem Berg.

Weiter ging es nach Frankreich, obwohl Ralf Winkler kein Französisch spricht – bis auf einen Satz: „Je ne parle pas français“ (Ich spreche kein Französisch). Er besichtigte die Stadt Bar-le-Duc mit ihrer Renaissance-Architektur. „Dort soll es auch Trüffel geben, aber ich hatte das Schwein nicht dabei“, bedauert er.

Entlang der Mosel ging es weiter nach Epinal, vorbei an einer Festung aus dem Ersten Weltkrieg. Auf dem Weg nach Belfort überholten ihn viele Radfahrer: Sie waren am Berg schneller als der Deutz. In der Markthalle in Belfort gab es eine beeindruckende Auswahl an Fisch und Käse, und Ralf Winkler sah den „Leon“, ein Denkmal im Fels von Frédéric-Auguste Bartholdi, der auch die Freiheitsstatue schuf.

Zurück zum Campingplatz fuhr Winkler mit dem Bus – und hatte ein Problem: „Man kann darin beim Fahrer keine Karte kaufen. Bezahlt wird mit einem Chip oder dem Handy. Da bin ich der Busfahrerin mit meinem Fünfer so lange auf die Nerven gegangen, bis sie diese verlor und mich kostenlos mitnahm.“

Das Elsass war fahrtechnisch eine Herausforderung. Im zweiten Ackergang zog der Deutz den Wohnwagen die Steigung hoch, und die Straße wurde immer steiler. „Ich hatte das Gefühl, dass der Trecker hintenüber kippt“, sagt Winkler.

Nächstes Ziel war der Schwarzwald, dort hatten Winkler und sein Deutz mit Höhenunterschieden von bis zu 1100 Metern zu kämpfen, und es war mit Temperaturen um die sechs Grad „saukalt“. Vorbei an mächtigen Schwarzwaldhöfen und zwei weiteren Baustellen ohne gekennzeichnete Umleitung ging es zum nächsten Campingplatz. Dort wurde Ralf Winkler plötzlich mit den Worten „Kannst du ok Platt?“ angesprochen – von einem Emsländer, der gerade Geburtstag hatte. So verbrachten sie den Abend feiernd und plauderten über alte Trecker.

Mit herrlichem Blick auf die Alpen fuhr der Eitzendorfer weiter durch die Schweiz ins Allgäu. Dort kam er einer Einladung ins Werk von Deutz-Fahr nach: In Lauingen erhielt der Deutz-Fan einen Einblick in die Produktion moderner Traktoren und war erstaunt, dass dabei noch Handarbeit gefragt ist. 24 Trecker werden dort pro Tag hergestellt, ganz ohne Roboter, sagt Ralf Winkler.

Vorbei an der Opel-Teststrecke fuhr das Gespann ins hessische Marburg. Dort verbrachte Ralf Winkler einen Tag länger als geplant. Ein heftig schmerzender Weisheitszahn musste gezogen werden. Der Eitzendorfer ist froh über die gute Arbeit des Oral-Chirurgen und konnte schon am nächsten Tag weiterfahren nach Bielefeld. Dort verbrachte er die letzte Nacht auf einem der insgesamt von ihm besuchten 23 Campingplätze.

Dann ging es zum Endspurt auf die längste Etappe der Tour: über das Wiehengebirge zurück nach Eitzendorf. 20 Minuten früher als angekündigt kam er an und platzte voll in die Begrüßungsvorbereitungen.

Er berichtete von einer gelungenen Reise, auf der er immer wieder freundlich gegrüßt wurde. Viele Leute gaben ihm das Daumen-hoch-Zeichen und stellten Fragen zum Deutz und zur Tour.

„In diesem Jahr hatte der Deutz 140 Betriebsstunden, verbrauchte 495 Liter Diesel und 2,5 Liter Motoröl. Es gab keine Panne, und es hat wieder sehr viel Spaß gemacht“, resümiert Ralf Winkler.

Ob es im nächsten Jahr eine vierte Tour gibt, weiß er noch nicht genau. „Eventuell durch Dänemark und Polen, dann ist der Deutz durch alle Nachbarstaaten gefahren“, sagt er schmunzelnd.

Ralf Winkler hat währendseiner Tour gebloggt. Sein Internet-Tagebuch findet sich auf www.permondo.com/de/tours/1437/blog.

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