Staatsanwältin hält Angeklagte für schuldig

Versuchter Mord in Hoya: Eine Tat, die fassungslos macht

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Vor dem Landgericht Verden müssen sich vier Angeklagte wegen versuchten Mordes verantworten.

Hoya/Verden - Jugendstrafen zwischen vier und sechseinhalb Jahre hat Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt in dem Verdener Landgerichtsprozess mit vier 17 bis 20 Jahre alten Angeklagten aus Eystrup, Hassel und Duddenhausen beantragt. Zu ihrer Überzeugung haben sich alle Angeklagten im Mai 2019 in Hoya des versuchten Mordes schuldig gemacht.

Es sei eine Tat, die „einen fassungslos“ macht, sagte Marquardt zu Beginn ihres zweistündigen Plädoyers. Nicht nur wegen der „unglaublichen Gewalthandlungen“, sondern auch weil der 35-Jährige aus Hoya ein Zufallsopfer gewesen sei. „Und was mich zutiefst geschockt hat, ist, dass dermaßen junge Täter eine solche Tat begangen haben.“ Nach dem Angriff seien sie abgehauen. „Statt zu helfen, wurde gesagt, dass wir nicht darüber reden“, schilderte die Erste Staatsanwältin.

Ein Rückblick: Das 35 Jahre alte Opfer war am 9. Mai vergangenen Jahres mit dem Fahrrad unterwegs und ist der Gruppe im Bereich des Hoyaer Sportplatzes begegnet. Es wurde auf ihn eingeprügelt und von einem fünften Täter eingestochen. Lebensgefährlich verletzt ließen sie ihn zurück.

Der jüngste Angeklagte war zum Tatzeitpunkt noch 16 Jahre alt. Für den Eystruper beantragte die Staatsanwältin vier Jahre Jugendstrafe. Bei ihm berücksichtigte sie insbesondere die Gruppendynamik. Skrupellosigkeit warf sie auch ihm vor, aber „er ist der Einzige, bei dem ich das Gefühl hatte, dass ihm das ernsthaft leidtut“, erklärte Annette Marquardt. Sein Verteidiger beantragte eine Bewährungsstrafe.

Geschockt, so Marquardt, habe sie das Verhalten eines ebenfalls 17-Jährigen aus Eystrup in dem Prozess. Dieser war in seiner Aussage von seinen früheren, auch für die anderen Angeklagten belastenden Aussagen abgewichen. Fünfeinhalb Jahre beantragt die Staatsanwältin. Sein Verteidiger soll erst am 13. Januar plädieren. Am selben Tag wird auch das Urteil erwartet. Vorbestraft sind die beiden anderen Angeklagten und sie sind auch in der Untersuchungshaft, in der alle vier sitzen, auffällig geworden. Weitere Taten beziehungsweise Vorstrafen werden in ihre Strafen einfließen. Sechs Jahre hält die Staatsanwältin bei einem 18-Jährigen aus Duddenhausen für angemessen und sechseinhalb Jahre bei einem 20-Jährigen aus Hassel.

Alle drei Verteidiger werteten die Tathandlungen als gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung. Kurz gefasst, weil sie von dem Einsatz des Messers nichts wussten. Sie hätten während der Tat auch kein Blut gesehen. „Das spritzte ihnen um die Ohren“, hielt ihnen dagegen die Staatsanwältin vor. Sie bezeichnete die Tat als „Demonstration von Macht, Laune und Aggression“. Das unstrittig erheblich betrunkene Opfer habe „überhaupt keinen Anlass gegeben“, meinte Marquardt. Alkohol hatten auch die Angeklagten konsumiert. Dann seien alle Täter vom Tatort abgehauen und hätten statt Hilfe zu holen, die Blutspuren beseitigt und in Kauf genommen, dass das Opfer verstirbt. „Das war die klassische Verdeckungsabsicht“, sagte die Erste Staatsanwältin.

Norwin Stegemann, Anwalt des Opfers, teilt die Auffassung der Staatsanwältin. Fassungslos habe ihn zudem das Verhalten der Angeklagten in dem Prozess gestimmt. „Was sind Ihre Entschuldigungen wert, wenn Sie zurückrudern und alles nicht so dramatisch war“, wandte er sich in seinem Plädoyer an die Angeklagten. Noch immer sei ein Mandant arbeitsunfähig, lebt von Krankengeld.

„Haben Sie sich mal Gedanken gemacht, wie das ausgeglichen wird?“ Sein Mandant traue sich kaum aus dem Haus und eine weitere Operation stehe bevor. „Im Grunde war er schon tot“, sagte Stegemann bezogen auf die mehrfache Reanimation. „Er wird zeitlebens damit zu tun haben“, schilderte der Anwalt.

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