Eine pelzige Gefahr

Nutrias breiten sich in der Samtgemeinde weiter aus und zerstören die Deiche

Auf den ersten Blick sehen Nutrias, auch Sumpfbiber genannt, niedlich aus, doch sie stellen eine Gefahr für Deiche dar. In Bücken sind in den vergangenen Wochen sechs Tiere in die Falle gegangen. Die Jägerschaft rechnet damit, dass sie in der kommenden Zeit weitere Tiere einfangen kann. Foto: Imago/Blickwinkel
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Auf den ersten Blick sehen Nutrias, auch Sumpfbiber genannt, niedlich aus, doch sie stellen eine Gefahr für Deiche dar. In Bücken sind in den vergangenen Wochen sechs Tiere in die Falle gegangen. Die Jägerschaft rechnet damit, dass sie in der kommenden Zeit weitere Tiere einfangen kann.

Bücken - Sie sehen niedlich aus mit ihren kleinen Ohren, den Kulleraugen, dem grau-braunen Fell und ihren Stupsnasen. Doch Nutrias stellen eine Gefahr dar, sie unterhöhlen Böschungen und bohren entlang der Wasseroberfläche meterlange, etwa 50 Zentimeter breite Röhren in die Deiche – ein großes Problem für den Hochwasserschutz. Zudem vernichten sie die Neuaussaaten der Landwirtschaft. Rund 2,5 Kilogramm pflanzliches Futter nimmt ein zehn Kilogramm schweres Nutria täglich zu sich.

Alleine in Bücken hat die zuständige Jägerschaft des Hegerings IX. in den vergangenen Wochen sechs dieser Tiere eingefangen. „Im Jahr 2017 haben wir gar keine Nutrias gefangen, 2018 waren es schon 13 Nutrias und im vergangenen Jahr 67 – Tendenz steigend“, erklärt Hegeringsleiter Klaus Twietmeyer während eines Pressegesprächs. Ein Nutriapaar würde dreimal im Jahr Nachwuchs bekommen mit jeweils fünf bis sechs Nachkommen. Etwa die Hälfte des Nachwuchses würde überleben. 

Nach fünf Monaten seien die Weibchen bereits geschlechtsreif. Damit stehe fest, dass die Population immer weiter anwachse. „Und Nutrias haben in Deutschland keine natürlichen Fressfeinde“, ergänzt Matthias Beiber, einer von drei hauptamtlichen Nutriajägern, die von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eingestellt worden sind, um dem Problem in Niedersachsen Herr zu werden. Einst seien die Nagetiere aus Südamerika für die Pelzproduktion nach Europa gebracht worden und hätten sich nach und nach ausgebreitet. Vor allem das milde Wetter würde dazu beitragen, dass die Nutrias den Winter überleben. „Hier schlägt der Klimawandel voll zu“, meint Beiber. „Der Streckenbericht hat rund 33.000 erlegte Nutrias  im Jagdjahr 2018/19 aufgezeichnet“, schildert er weiter. Das sei ein neuer Höchststand.

Jäger Lars Grasmeder (stehend), der Nutriajäger Matthias Beiber, Hegeringchef Klaus Twietmeyer und Jäger Jan-Ole Kallbach (von links) mit einer Lebendfalle.

Die beiden Bücker Jäger Lars Grasmeder und Jan-Ole Kallbach rechnen damit, dass in der Samtgemeinde im aktuellen Jahr mindestens 150 Tiere mit den vom Land Niedersachsen zur Verfügung gestellten Fanggeräten aus der Natur entfernt werden. Die Bejagung erfolgt mit Lebendfallen, ein Sender an diesen teilt mit, dass sich ein Tier darin befindet. Die Jäger setzen die Tiere dann vor Ort in einen Auffangkorb um, in dem sie getötet werden. „Wir ziehen im Anschluss den Pelz ab und frieren ihn ein. Wenn wir einige Pelze zusammenhaben, kommen sie für die Weiterverarbeitung zum Gerber“, beschreibt Grasmeder. „Auch das Fleisch von einem Nutria ist genießbar“, ergänzt Matthias Beiber, „beispielsweise als Wildbret“. Es unterliege der Trichinenschau, einer Untersuchung des Fleisches auf Trichinen, welche zur Gattung der Fadenwürmer gehören. Die Schwänze der Nutrias schicken die Jäger zur Landwirtschaftskammer Niedersachsen und erhalten pro Stück eine Prämie von sechs Euro. Wichtig ist der Jägerschaft, Aufklärung zu betreiben und der Bevölkerung zu schildern, warum die Nager eine Gefahr für die heimische Flora und Fauna sind.

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