Fortbildung

Thema Religion in der Kita: „Ein Koffer voller Ideen“

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Die Sozialpädagogin Julia Wissing vom „Spatzennest“ aus Hassel (rechts) hat sich gemeinsam mit Gert Liebenehm-Degenhard vom RPI (links) und Ina Seidensticker vom Diakonischen Werk (Mitte) mit dem Thema Segen beschäftigt.

Hassel/Loccum - Von Michaela Veit-Engelmann. Wie macht man Kindern Lust darauf, eine Kirche zu erkunden? Wie erzählt man biblische Geschichten so, dass sich die jungen Zuhörer davon verzaubern lassen? Wie geht man damit um, dass in einer evangelischen Kindertagesstätte auch viele Kinder sind, die einen anderen Glauben haben? Um diese und viele andere Fragen ging es in den vergangenen anderthalb Jahren bei einer Langzeitfortbildung, die gemeinsam vom Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen und dem Religionspädagogischen Institut Loccum (RPI) verantwortet wird. 19 pädagogische Fachkräfte, die in evangelischen Kindertagesstätten in ganz Niedersachsen arbeiten, nahmen an sechs mehrtägigen Modulen im RPI Loccum teil. Darunter auch Julia Wissing von der Kita „Spatzennest“ in Hassel. Im Rahmen eines feierlichen Gottesdiensts erhielten sie nun ihre Zertifikate vom Diakonischen Werk und vom RPI Loccum überreicht.

Im Fokus der berufsbegleitenden Fortbildung standen Themen wie kindliche Gottesbilder und die religiöse Entwicklung von Kindern sowie die Fragen nach kindgerechten Ausdrucksformen des Glaubens. „Unser Ziel ist es, das evangelische Profil in Kindertagesstätten zu stärken“, sagt Fachberaterin Ina Seidensticker vom Diakonischen Werk Niedersachsen. „Und unsere Teilnehmer wissen: Sie sind in den Kitas nun die ‚Hüter des Themas‘.“ Was sie dabei an eigener Frömmigkeit mitbringen, ist ganz unterschiedlich. „Die Bandbreite ist groß“, beschreibt es Gert Liebenehm-Degenhard, am RPI zuständig für die Elementarpädagogik. „Aber am Thema interessiert sind alle. Das ist eindrucksvoll“, sagt er.

Die Fortbildung hat zwei Ziele: Es geht nicht nur um die Stärkung der Kompetenz der Fachkräfte, sondern auch darum, die religionspädagogische Arbeit in Kindertagesstätten insgesamt weiterzuentwickeln. So betont Gert Liebenehm-Degenhard: „Wir haben immer unter drei verschiedenen Perspektiven auf jedes einzelne Thema geschaut: Wie ist mein eigener Zugang? Was bedeutet das, was ich hier lerne, für die religiöse Bildung in der Kita? Welche praktischen Ideen habe ich für die Umsetzung? Das war manchmal ganz schön anspruchsvoll“, fügt er hinzu.

Doch die Mühe hat sich gelohnt: „Jedes Mal, wenn ich aus Loccum wieder nach Hause gefahren bin, hatte ich einen Koffer voller Ideen dabei“, beschreibt Julia Wissing, Sozialpädagogin in der evangelisch-lutherischen Kita „Spatzennest“ in Hassel, diese Erfahrung. „Die konnte ich dann alle ausprobieren. Ich weiß noch, dass ich früher Scheu hatte, biblische Geschichten in der Kita zu behandeln. In Loccum habe ich da einen ganz neuen Zugang gefunden und ganz viele Methoden an die Hand bekommen – etwa Bodenbilder oder Rollenspiele.“ Die Kinder seien begeistert: „Den Turmbau zu Babel, den lieben alle. Ist doch klar, dass wir den Turm in der Kita dann auch selbst nachgebaut haben.“

Für Susanne Kahmann von der Kita „St. Pauli“ in Holzminden war der persönliche Höhepunkt der Fortbildung die Kirchenpädagogik. Die Erfahrung in Loccum habe ihr geholfen, auch in der Kirche zu Hause ganz neue Details zu entdecken: „Kirchen sind ein Schatz. Das will ich an die Kinder weitergeben. Mir ist wichtig, dass sie eine Kirche als einen Ort kennenlernen, wo man Gott begegnen kann.“ Deshalb hat Susanne Kahmann ihr eigenes Projekt, das jeder Teilnehmer entwickeln musste, auch diesem Thema gewidmet: „Gemeinsam mit dem Team und mit den Kindern haben wir die Kirche erkundet. Wir sind auf den Kirchturm geklettert, die Kinder durften Orgel spielen und wir haben Kirchenfenster untersucht.“ Susanne Kahmann erzählt: „Am Ende haben die Kinder mit einer speziellen Folie eigene Kirchenfenster gestaltet.

Julia Wissing wiederum hat ihr Projekt unter das Thema Segen gestellt. In der Hasseler Kita spenden sich die Kinder den Segen inzwischen gegenseitig. In einem großen Segenskreis zeichnen sie sich mit Duftöl ein Symbol in die Hand und sagen „Sei behütet!“ oder sprechen sich einen anderen guten Wunsch zu. Auch das ist eine Idee, die Julia Wissing aus Loccum mitgenommen hat.

Wichtig geworden ist in letzter Zeit zudem der Austausch in der Gruppe. „Das war unglaublich wertschätzend und hilfreich“, sagt Susanne Kahmann. „Wir konnten unsere eigenen Erfahrungen erzählen und aufarbeiten. Zum Beispiel beim Thema Tod und Trauer in der Kita. Als aus der Einrichtung vor vielen Jahren ein Kind starb, war ich überfordert. Heute würde ich mich da vorbereitet fühlen – und wüsste auch, wo ich noch mal nachlesen und welche Materialien ich einsetzen könnte.“

Dass sie nun mehr Sicherheit gewonnen haben, das ist beiden am Ende wichtig. „Früher war ich mir in der Weihnachtszeit unsicher“, gibt Julia Wissing zu. „Ich habe mich gefragt: Kann ich vom Glauben an Jesus erzählen, wenn ich muslimische Kinder in der Gruppe habe? Inzwischen sage ich, was ich glaube – um dann mit den Kindern gemeinsam zu überlegen, was im Islam anders ist!“

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