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Polizeioberkommissar Gerd Kertzinger gibt Ratschläge zur Einbruchsprävention

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Polizeioberkommissar Gerd Kertzinger (links) sprach über das Thema Einbruchschutz, für seinen Vortrag dankten ihm Martina Schrader, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion, sowie der Vorsitzende Marten Stühring. 

Bücken – Der Einbruch in die eigene Wohnung stellt für die Betroffenen aufgrund der materiellen Verluste und – häufig noch schlimmer – der Verletzung der Privatsphäre stets ein gravierendes Ereignis dar. Die CDU-Fraktion der Samtgemeinde Grafschaft Hoya hat sich des Themas angenommen und am Mittwochabend zu einem Vortrag „Prävention von Einbruchskriminalität“ ins Gasthaus Thöle eingeladen, zu dem der Vorsitzende Marten Stühring neben 14 Gästen den Kontaktbeamten der Stadt Nienburg, Polizeioberkommissar Gerd Kertzinger, als Referenten begrüßen konnte.

Zu Beginn seines Vortrags machte Kertzinger deutlich, dass es keinen 100-prozentigen Einbruchschutz geben würde und er daher in diesem Zusammenhang eher von Einbruchshemmung sprechen möchte. In der Folge ging er zunächst auf den Täterkreis ein, den er im Verlauf – eine Spur zu verharmlosend – ausschließlich als „Strolche“ bezeichnete. Dabei handele es sich entgegen landläufiger Meinung in den meisten Fällen nicht um organisierte Banden, sondern vielmehr um Gelegenheitstäter, die nach vorheriger genauer Beobachtung eines Objekts günstige Momente, wie sie sich beispielsweise bei geöffneten Terrassentüren oder gekippten Fernster ergeben, für ihre Straftaten nutzen.

Die häufig jungen Männer um die 20 Jahre benutzen in der Regel einfachstes Werkzeug wie große Schraubenzieher, Holzkeile und kleine Brechstangen, um in ein Haus oder eine Wohnung zu gelangen. Dabei zielen sie meist weniger auf die regelmäßig gut gesicherten Hauseingänge, sondern in 70 bis 80 Prozent aller Fälle auf die neuralgischen Stellen wie etwa schlecht gesicherte Fenster und Terrassentüren im Erdgeschoss, deren gewaltsame Aushebelung aus Sicht der Täter nicht länger als drei bis vier Minuten dauern darf.

Einbruchshemmung orientiert sich daher nach Worten des Vortragenden in erster Linie daran, genau innerhalb dieser Zeitspanne eine Öffnung zu verhindern, da erfahrungsgemäß die meisten Einbruchversuche danach wieder abgebrochen würden. Wichtig sei im Übrigen auch, die Bevölkerung durch permanente Aufklärungsarbeit für die lauernden Gefahren zu sensibilisieren und insbesondere innerhalb der Nachbarschaft zu vermehrter Wachsamkeit aufzurufen.

Anhand einer Reihe mitgebrachter Exponate erläuterte der Experte dann auf anschauliche Weise die verschiedenen Möglichkeiten, Gebäude sicherer zu machen. Quintessenz seiner Ausführungen war, mechanischen Einbrüchen (Aushebelungen) auch Mechanik entgegenzustellen. Diese könnte beispielsweise in der Nachrüstung mit innen liegenden oder auch aufschraubbaren Beschlägen bestehen. Alternativ kämen auch mechatronische Lösungen in Betracht, für die es von mehreren Herstellern ein breit gefächertes Angebot gebe.

Für was man sich im Bedarfsfall entscheide, sei einerseits vom jeweiligen eigenen Sicherheitsbedürfnis, andererseits aber natürlich auch von den finanziellen Möglichkeiten abhängig. Wichtig sei jedoch bei allem, dass man sich auch weiterhin in seinen eigenen vier Wänden wohl und keinesfalls eingesperrt fühlen sollte.

Im Rahmen seines Vortrags wies Ketzinger auch auf die Möglichkeit hin, sich zu Hause durch die Polizei individuell zum Thema Einbruchschutz beraten zu lassen. Am Rande ging er dann auch noch auf die sogenannten „falschen Polizisten“ ein, zu denen er ein Merkblatt des Landeskriminalamts verteilte. Er riet in diesem Zusammenhang zu einem gesunden Misstrauen und empfahl, bei etwaigen Auffälligkeiten oder auch nur einem schlechten Bauchgefühl zu einer telefonischen Rücksprache mit der Polizei, wofür auch der Notruf 110 gewählt werden dürfe. Keinesfalls sollte man ohne Weiteres – etwa aus anerzogener Höflichkeit – unbekannte Personen in Haus oder Wohnung lassen.

Zum Schluss seines informativen Vortrags, für den er von Marten Stühring im Namen aller ausdrücklich gedankt wurde, hatte der Referent noch eine positive Mitteilung parat: Im Bereich der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg bewege sich die Einbruchskriminalität unterhalb des Landesdurchschnitts und sei zudem leicht rückläufig. Zu dieser Entwicklung mögen auch bereits durchgeführte Präventionsmaßnahmen beigetragen haben.

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