Verdener Landgericht spricht Angeklagte frei

Nur vom Drogenanbau gewusst zu haben, reicht nicht für eine Strafe

Eystrup/Verden - Von Wiebke Bruns. Der Verdener Landgerichtsprozess um zwei Cannabis-Plantagen in Eystrup und Delmenhorst endete am Montag mit einem Freispruch für die beiden 38 und 43 Jahre alten Angeklagten aus Bremen. Damit folgte das Gericht den Anträgen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwältin sagte in ihrem Plädoyer: „Zweifel an der Täterschaft bestehen. Die Angeklagten sind deshalb freizusprechen, aber die Staatsanwaltschaft ist nicht von deren Unschuld überzeugt.“

Im April 2015 hatte die Nienburger Polizei einen Hinweis von Nachbarn auf einen möglichen Drogenanbau in einem leer stehenden Einfamilienhaus an der Laubaner Straße in Eystrup bekommen. Die Beamten reagierten schnell. Doch statt das Objekt bis zum nächsten Erscheinen der „Gärtner“ zu observieren, durchsuchten sie es und fanden rund 340 Pflanzen, verteilt über drei Etagen. Laut einem Polizeibeamten hatte man das Haus zuvor nur drei Stunden beobachtet. „Die Polizei hat keine unerschöpflichen Ressourcen. Wir müssen gucken, was wir leisten können“, erklärte ein Beamter im Prozess. Mit zusätzlichen Kollegen hätte man das hingekriegt. „Aber die standen nicht zur Verfügung“, führte er weiter aus.

Zwei Tage später hatten sich abermals Nachbarn gemeldet, weil ein Firmenwagen, der zuvor mehrfach an dem Haus gesehen worden war, erneut dort parkte. Beim Eintreffen der Polizei war der Wagen schon wieder weg. In Hoya konnte er gestoppt werden. Im Fahrzeug saßen die beiden Angeklagten. Damals hatten sie eine Tatbeteiligung bestritten. In dem Prozess schwiegen sie.

Schlüssel für Renovierungsarbeiten übergeben

Der 43-Jährige hatte den Schlüssel für das Haus in Eystrup wenige Monate zuvor bekommen, und es gab Gespräche mit der zuständigen Hausverwalterin über Renovierungs- oder Umbauarbeiten. In dem seinerzeit gestoppten Auto soll sich auch ein weiterer Schlüssel für ein Haus in Delmenhorst befunden haben. Dort befand sich ebenfalls eine Indoorplantage, jedoch noch im Aufbau.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme gibt es keine ausreichenden Beweise dafür, wer die Plantagen betrieben hat, hieß es in der mündlichen Urteilsbegründung.

In den Häusern in Eystrup und Delmenhorst waren Fingerabdrücke und DNA-Spuren der Angeklagten gefunden worden – aber nur sehr wenige. Zwar war das Gericht davon überzeugt, dass die Angeklagten zumindest vom Drogenanbau wussten. In der Summe war das aber zu wenig, um ihnen Tathandlungen zuordnen zu können.

Rubriklistenbild: © dpa

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