Nicole Uphoff-Selke Gast bei hochkarätig besetztem Richtertreffen in Hoya

Dressur-Star sucht die verlorene Tugend im Reitsport

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Nicole Uphoff-Selke (Mitte), Dressur-Olympiasiegerin von Seoul (1988) und Barcelona (1992), mit dem Ehrenvorsitzenden der Landesreitschule Hoya, Hans-Jürgen Löhmann (rechts neben ihr), ihrer Schülerin Lea Streubel und den Teilnehmern des Richtertreffens.

Hoya - Von Horst Friedrichs. „Reiten und Richten sind nicht mehr das, was sie einmal waren.“ In dieser Einschätzung des Pferdesports waren sie sich einig, die 20 Teilnehmer einer Fachtagung, zu der Hans-Jürgen Löhmann aus Asendorf als Ehrenvorsitzender der Landesreitschule Hoya eingeladen hatte. Nicole Uphoff-Selke, Dressur-Star der 80er- und 90er-Jahre, brachte es als prominente Teilnehmerin des Treffens auf den Punkt: „Die Harmonie zwischen Reiter und Pferd ist in den Hintergrund getreten. Der Reiter sollte sich auf das Pferd einstellen, nicht das Pferd auf den Reiter.“ Hans-Jürgen Löhmann skizzierte ein drastisches Bild: „Manchmal sieht es so aus, als müsse sich der Reiter am Zügel festhalten, damit er nicht hintenüber fällt.“

Im Lehrraum der Landesreitschule begrüßte Löhmann seine ehemaligen Richterkollegen und als Ehrengast Nicole Uphoff-Selke, vierfache Olympia-Gewinnerin sowie mehrfache Welt- und Europameisterin. Zu den Tagungsteilnehmern gehörten unter anderem:

– Dr. Jochen Bösche, Ehrenpräsident der Deutschen Richtervereinigung für Pferdefachleute und offizieller Richter für Dressuren bis hin zu weltweiten Championaten,

– Heinz Lemmermann, der weltweit am häufigsten eingesetzte Dressurrichter,

– sowie Erika Cordts, die Ehrenvorsitzende des Niedersächsischen Reiterverbands.

Auch die übrigen Gäste blicken auf große Verdienste im Rahmen ihrer meist mehr als 50-jährigen Richtertätigkeit zurück. Mehrere von ihnen haben am 1. September 1965 in Hoya an der ersten offiziellen Richterprüfung Niedersachsens teilgenommen, unter ihnen auch Hans-Jürgen Löhmann, der auf mehr als 1 000 aktive Turniertage und über 30 Jahre als Prüfer für Richter sowie als Reitlehrer und Referent zurückblickt. Überdies hat Löhmann Ehrenämter auf allen Ebenen der Reiterorganisation inne. Er sitzt in den Vorständen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, des Deutschen Olympiakomitees für Reiterei und der Deutschen Richtervereinigung für Pferdefachleute.

Diskussionsrunde im Lehrraum der Reitschule

Nach einem Ausflug zum ehemaligen Hofgestüt Memsen eröffnete Löhmann die Diskussionsrunde im Lehrraum der Reitschule und erinnerte an das erste Treffen im vergangenen Jahr, das anlässlich des 50. Jahrestags der ersten Richterprüfung in Hoya einberufen worden war.

Detailliert ging Löhmann auf Fachaussagen zur heutigen Richtertätigkeit ein: „Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass in grundsätzlichen Fragen volle Übereinstimmung herrscht; dazu gehören das Tierwohl, die Einhaltung der Grundsätze unserer Reitlehre und die Vorstellung von Harmonie als Ziel der Ausbildung.“

Nicole Uphoff-Selke schilderte ihre Eindrücke von den Olympischen Spielen in Rio und ging auf ihre eigene Laufbahn nach einer zweijährigen Reitsportpause ein. „Ich versuche, die Reitsport-Philosophie von früher an die Jugendlichen von heute weiterzugeben“, sagte sie. Außer dieser sei auch die Richterei anders geworden.

In der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmern des Treffens erwies sich die mehrfache Olympiasiegerin als Verfechterin verlorengegangener Tugenden der Reitausbildung und des Richterwesens. „Meinen Schülern gegenüber komme ich in Erklärungsnot“, sagte Nicole Uphoff-Selke, „wenn Reiter im Wettbewerb mit Methoden gewinnen, die eigentlich vom Übel sind.“ Vergleiche zwischen früher und heute waren denn auch das Hauptthema der Diskussionsrunde, die den Tag bei Kaffee und Kuchen im Lehrraum der Landesreitschule beschloss.

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