Drei Comedians erklären die Welt mit ihren Augen

Comedy-Club-Bremen im Filmhof Hoya

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Hauke Schmidt war im Filmhof Hoya.

Von Christel Niemann. Der eine lacht über dieses, der andere über jenes, wobei das eine aber oft nicht vereinbar mit dem anderen ist. Im Filmhof Hoya ist es jedoch gelungen, ganz viele Menschen auf einmal und an einem Abend zu belustigen und zu begeistern. Dort war am Freitagabend nämlich der Bremen- vier-Comedy-Club zu Gast und hat den Filmhof zur Laufstrecke für Komiker gemacht, vor deren Späßen an diesem Abend ohnehin niemand sicher war.

In Bremen hat er längst Kultstatus erreicht: der Bremen-vier-Comedy-Club. Das die Spaßveranstaltung auch auf dem „Platten Land“ viele Fans hat, zeigte sich am Freitagabend im rappelvollen Saal 1 des Kinos, wo es Moderator Mario Roggow und die Stand-up-Comedians Hauke Schmidt, Johannes Flöck und Thomas Müller so richtig krachen ließen. Von blödsinnig-lustig bis voll krass ging es zur Sache. Als erstes wurde das Publikum ein bisschen beschnüffelt und ein wenig Smalltalk mit ihm gehalten. Und dann ab die Post und der erste Verbalhieb, für den die Streikfreude der Bahnbediensteten Roggow die Steilvorgabe gab, durfte unter der Gürtellinie landen. „Wenn jetzt auch noch die Nutten streiken, gibt es gar keinen öffentlichen Verkehr mehr.“ Das saß und zog großes Lachen und Schenkelklopfen nach sich. Ab jetzt durfte das Publikum mitmachen – ob es wollte oder nicht. Die schrille Lache von zwei Frauen aus der ersten Reihe nahm Roggow dann auch gleich zum Anlass für den nächsten Gag „Hört ihr, da sitzt der geballte LTC – der Lesbische Tupper Club Hoya.“ Hauke Schmidt musste als Erster auf die Bühne. Der Berliner, der als eines der hoffnungsvollsten Talente der Branche gilt, erzählte von seiner Kindheit, von Diätversuchen, seiner dem Alkohol zugeneigten Mutter (eine Schwäche, die er teilt) und von seinem Status als Vegetarier zweiten Grades, weil er als Vegetarier natürlich nur Vegetarier isst. Das ist alles nix dolles, aber sehr speziell und fein gemacht. Schmidt ist eher einer von der leisen Sorte. Einer der mit sanftem Ton, wenn auch nicht immer mit feinem Humor, auf surreale Weise agierte und dabei größten Wert auf eine punktgenaue Landung seiner Pointen legte. Folglich auch logisch, dass er neuerdings per Pedes zur Arbeit laufen muss, da in der Berliner U-Bahn Alkohol nicht mehr erlaubt ist. Und dass es ihn irritierte, das drei Prozent aller Deutschen Anal(phabeten) sind – den Witz – hatte übrigens nicht jeder verstanden.

Insbesondere geriatrisches Wissen wurde danach von Johannes Flöck ins Publikum gestreut. Das Alter und die damit verbundenen Leiden schienen für ihn die einzig wahre Gerechtigkeit im Leben zu sein. Doch Flöck haderte nicht, im Gegenteil, er machte allen Mut die Veränderungen positiv zu sehen. Vor allem wenn der Kopf einem Vorschläge macht, die der Körper nicht mehr erfüllen kann. Er selbst hat den Bogen ohnehin längst raus: „Ich sehe die Welt inzwischen mit anderen Augen — und das klappt dank nachlassender Sehstärke sehr gut.“

Temperamentvoll mit Faible für Milieustudien präsentierte sich der Dritte im Bunde: Thomas Müller. Der zum Brüllen komisch als Checker den verzweifelten Pauker und Gesellschaftsanalysten gab. Auf der Suche nach Lösungen demontierte er gängige Ratgeber und nahm sich auch selbst — er war tatsächlich mal Pauker - aufs Korn. In ausgefeilten Wortspielen lästerte er über Tipps und Analysen und lieferte zur großen Erheiterung des Publikums auch noch einen lupenrein Checker-Rap ab.

Übrigens: Auch die zunehmende Nutzung von Facebook war ein Thema. Hauke Schmidt dazu: „Ich habe bei Facebook meinen Selbstmord angekündigt. Es irritiert mich, das 20 Leute „gefällt mir“ angeklickt haben, wo ich doch nur 15 Freunde habe.“

Den Fans hat es so gut gefallen, dass der Comedy-Club bereits für Herbst die nächste Stippvisite zum Filmhof in Hoya plant.

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