Der Wecholder Arzt und Autor Frank Jester empfiehlt das Fasten

Der Doktor mit der inneren Wärme

Frank Jester will weitere Barfußtouren durch Österreich und einmal quer durch Deutschland unternehmen. - Foto: Bert Strebe

Wechold - Von Bert Strebe. Eigentlich sieht der Mann ja ganz normal aus, wie er da ins Café kommt. Die Haare ein bisschen verstrubbelt. Schicker Mantel, Pulli, Jeans. Dann fällt der Blick auf seine Füße. Sie sind nackt. Keine Socken, keine Schuhe. Es ist draußen nicht mehr unter null, aber als Barfußwetter würde man die frösteligen Märztemperaturen auch nicht bezeichnen. Nun: Der Mann, der da ins Café kommt, ist nicht normal (im Sinne von durchschnittlich). Es handelt sich um Frank Jester, Arzt und Buchautor aus Wechold.

Jester ist jemand, der Botschaften verbreitet, den Menschen was beibringen will. Der Dinge vormacht. Das Barfußlaufen ist so etwas: 2015 ist er strumpf- und schuhlos durch Deutschland gelaufen, von Hamburg nach Friedrichshafen. Mission: Füße sind wichtig, Bewegung ist wichtig. Die Hebammenstiftung, die er gründet, ist so was (wir berichteten). Jetzt macht er wieder was, aber nicht vor. Ausnahmsweise. Er fastet. „Nicht nachmachen“, sagt er ausdrücklich. Jedenfalls nicht einfach so.

Das mit dem Unnormalsein geht bei Jester bereits beim Beruf los. Er ist sogar doppelter Arzt, besitzt je eine Approbation als Allgemeinmediziner und als Zahnarzt. Aber er praktiziert nicht. Stattdessen schreibt er Bücher und hält Vorträge – darüber, wie man länger besser lebt. Viel von dem, was er beschreibt, hat er an sich selbst ausprobiert. Auch die Deutschland-barfuß-Tour im September 2015 gehörte dazu. „Seit ich barfuß laufe, sind meine Füße wärmer, als wenn ich Schuhe anhätte“, sagt er, als er in dem Café in Hoya vor einem Pfefferminztee sitzt. „Das ist wie Homöopathie: Man bekämpft Kälte mit Kälte.“ Er will das also beibehalten. Neulich hat er mal Schuhe getragen. Und die ganze Zeit gespürt, wie beengt die Ferse war, wie die Zehen keine Luft bekamen.

Jetzt fastet Frank Jester. Er tut das noch bis Ostern. Fasten ist inzwischen fast eine Mode, entstanden aus dem religiösen Ritual. Man verzichtet auf Genussmittel. „Fasten heißt ja eigentlich nicht, dass man nichts zu sich nimmt, sondern dass man sich einschränkt“, sagt Jester. Manche aber, die es sehr ernst nehmen, fasten so, dass es ans Hungern grenzt. Auch Frank Jester. Seit dem 12. Februar trinkt er nur Grüntee, Sauerkrautsaft und Wasser. Und isst nichts. Das entschlackt den Körper. Radikal.

Frank Jester fastet seit sechs Jahren immer im Frühjahr für sechs Wochen – aber immer anders. „Ärztliches Interesse“, sagt er und grinst ein bisschen. Beispielsweise hat er einmal nur Fruchtsäfte getrunken, Apfel, Orange. Seitdem trinkt er möglichst keinen Saft aus Fruchtsaftkonzentrat mehr. „Das zugesetzte Wasser ist mir nicht bekommen.“ Ein andermal hat er mit Tomatensaft gefastet, den aber warm gemacht. „War wie Suppe“, sagt er. War also fast gar nicht wie Fasten.

Normalerweise friert Frank Jester, wenn er fastet. „Man nimmt etwa 2 500 oder 3 000 Kalorien am Tag zu sich. Beim Fasten sind es weniger als 1 000, da muss man frieren.“ Diesmal aber friert er nicht. Das kommt vom Barfußlaufen, sagt Jester. „Ich habe eine schöne, innere Wärme in mir.“

Acht Kilo hat er abgenommen, die Hosen passen nicht mehr, sagt er. Aber er fühlt sich frisch und stabil, nur die Augen seien etwas trüb (was man ihnen nicht ansieht). Jester empfiehlt das Fasten. Sehr. Schon Hippokrates hatte schließlich gemeint, man solle kleine Krankheiten eher mit Fasten als mit Medizin austreiben. Aber Jester sagt deutlich, dass konsequente Nahrungsenthaltsamkeit sehr anstrengend sei. Vieles verändere sich dabei, das Körpergefühl, die Außenwahrnehmung, der Schlaf – er schlafe anderthalb Stunden weniger. Und das alles könne den Körper belasten. Man dürfe es also wirklich nicht einfach so nachmachen, das sei gefährlich. Dafür müsse man vorher zum Arzt gehen.

Nicht zu ihm, er praktiziert ja nicht. Dafür will er weitere Barfußtouren unternehmen, durch Österreich und einmal quer durch Deutschland, von West nach Ost, von A bis Z, von Aachen nach Zittau. Wann, ist noch offen.

Vorher soll es kleinere Aktionen geben, bundesländerweise, mit Kollegen: Zehn Barfußläufer laufen zehn Kilometer. Danach wieder Bücher. Und Vorträge. Und neue Ideen.

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