In der Diskussion um Gärreste-Gestank in Hoya finden alle Beteiligten zusammen

Landwirt verspricht im Rat: „Kommt nicht wieder vor“

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Was hier rauskommt, stinkt. Daran sind die Einwohner von Hoya-Nord gewöhnt, sagten sie bei der Ratssitzung. Sie seien sich durchaus bewusst, in einer landwirtschaftlich geprägten Region zu wohnen. Den Gestank von Gärresten, wie sie im Juli ausgebracht worden waren, wollen sie aber nicht wieder hinnehmen. Symbolfoto: Imago/Bild13

Von Michael Wendt. Ihnen allen stinkt es – oder stank es zumindest: Mehr als 30 „Düngegeschädigte“ aus Hoya-Nord besuchten am Montagabend die Stadtratssitzung im Rathaus. Und auch der Verursacher war anwesend: Johann Heinrich Tangemann aus Goldenstedt im Landkreis Vechta. Die Geschädigten, der Landwirt, der Feldeigentümer, die Stadtverwaltung und die Ratsleute – sie alle fanden im Rat deutliche Worte. Und sie finden möglicherweise demnächst zueinander, um zu verhindern, dass sich eine solche Gesundheits- und Geruchsbelastung wiederholt.

Und wenn sie sich doch wiederholt? „Dann wählen Sie den Notruf, 112“, sagte Stadtdirektor Detlef Meyer. „Oder rufen Sie mich direkt an.“ Die Einrichtung einer Beschwerdestelle im Rathaus hielt er für überflüssig. Der Rat folgte ihm in dieser Sache mehrheitlich und stimmte gegen einen entsprechenden Antrag des Bürgerforums.

Beschwerden bis hin zum Brechreiz

Kopfschmerzen, Schleimhautreizung, Atemnot und Übelkeit bis hin zum Brechreiz: Das sind nur einige der körperlichen Beschwerden, die sie auf den starken Gestank zurückführen, den die Düngung eines Mais-Felds mit den Gärresten aus einer Biogas-Anlage verursacht hatte. Er übertraf den Gestank einer „normalen“ Düngung mit Gülle deutlich. Anfang Juli war das, an einem Freitag. Die Geruchsbelastung war am Wochenende auch wegen der drückenden Hitze besonders schlimm. Sie hielt sich über Wochen, einige Anwohner sagten am Montag, noch heute, zweieinhalb Monate nach der Düngung, sei der Geruch wahrnehmbar.

Stadtdirektor Detlef Meyer sagte, dass die Abfallbehörde des Landkreises den Fall untersuche. Sie ist zuständig, weil die Düngung eines Ackers mit Gärresten unter die Bioabfall-Verordnung fällt. Dennoch sei er dankbar, dass sich die Anwohner an den Stadtrat gewandt haben, denn „diesen Fall kann man gar nicht gutheißen“, sagte Meyer. Wahrscheinlich sei die Düngung nicht rechtswidrig gewesen, aber: „Das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme ist hier verletzt worden, auch wenn das vielleicht nicht im Gesetz steht. Da muss sich auch der Pächter der Fläche mal an die Nase fassen und das [die Kritik] annehmen.“

Mais-Felder werden als Entsorgungsfläche genutzt, schimpfte Detlef Meyer. „Das wäre bei einem Landwirt aus der Region [als Pächter] so wohl nicht passiert. Auch der Verpächter steht in der sozialen Verantwortung, Es gibt auch eine moralische Verantwortung.“

In Namen der Anwohner des Maisfelds sagte Holger Schröder: „Sie haben vieles vorweggenommen, Herr Meyer.“ Er dankte Bürgermeisterin Anne Wasner, die sich sehr engagiert habe. „Man hat das Gefühl, dass man der Sache nachgeht, wenn auch trotz fehlender Zuständigkeit nicht formal.“ Die Landwirtschaftskammer habe ebenfalls geholfen und nach der Düngung drei gutachterliche Proben genommen. Aber: Einzelpersonen können die Ergebnisse der Proben nicht bekommen, sagte Schröder. Deshalb solle die Stadt sie einholen. Bei zwei Anwohnern habe sich der für die Düngung verantwortliche Landwirt persönlich entschuldigt. Das ist gut, lobte Schröder.

Olaf Heye: „Habe nicht den falschen Pächter“

Johann Heinrich Tangemann wiederholte seine Entschuldigung im Rat. „Es kommt so nicht wieder vor“, versprach er, wehrte sich aber gegen einen Teil der Vorwürfe: „Wir entsorgen und verklappen nichts! Das weise ich von mir.“

Auch der Verpächter, Stadtrat Olaf Heye (Bürgerforum plus 3), wehrte sich gegen Vorwürfe: „Ich kann als Verpächter nicht dafür sorgen, was auf den Feldern passiert. Ich habe auch nicht den falschen Pächter genommen. Ich kenne und vertraue Herrn Tangemann seit vielen Jahren. Es ist auch nicht so, wie oft dargestellt wird, dass ich die höchste Pacht genommen habe.“

In Richtung Johann Heinrich Tangemann schob Detlef Meyer kritisch nach: „Wenn Sie jetzt Besserung geloben, Herr Tangemann, dann ist das gut. Aber sie haben doch gewusst, dass dort eine Wohnsiedlung ist. Sie haben das Rücksichtnahme-Gebot verletzt!“

Ratsherr und Rechtsanwalt Jan Witte (CDU) gab zu bedenken, dass in einem solchen Fall abseits des Verwaltungsrechts auch das Nachbarschaftsrecht gelte, also Zivilrecht. „Alle Beteiligten sollten aber die Chance nutzen, miteinander zu reden. Das ist das Allerbeste, wie ich in meiner anwaltlichen Praxis sehe“, sagte er.

Olaf Heye griff den Vorschlag auf und schlug Witte als Mediator vor. Ratsfrau Marlies Fregien (SPD) bot an, dass auf Wunsch sicher gerne jemand aus dem Rat an einem Gespräch teilnimmt. Johann Heinrich Tangemann stimmte einem Treffen ebenfalls zu.

Nach der Ratssitzung unterhielten sich die Bürger noch länger mit dem Landwirt. Dabei versicherte Tangemann erneut, dass sich ein solcher Fall nicht wiederhole. „Wir wissen deshalb im Moment noch nicht, ob wir den runden Tisch überhaupt brauchen. Wir werden das noch besprechen“, sagte gestern Sabine Fink von der Bürgerinitiative auf Nachfrage.

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