Dietmar Wischmeyer begeistert sein Publikum in der Peitsche in Wechold

Von Edel-Veganern bis hin zum „Zonen-Jesus“

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Dietmar Wischmeyer sorgte für viele Lacher.

Wechold - Von Jana Wohlers. „Es heißt, man soll die Kirche im Dorf lassen. Viel wichtiger ist es aber, die Kneipe im Dorf zu lassen!“ Mit diesen Worten begrüßte Dietmar Wischmeyer, einer der bekanntesten Comedians und Satiriker Deutschlands, am Donnerstagabend rund 220 Zuschauer im Gasthaus Peitsche in Wechold.

„Deutsche Helden“ heißt sein Programm, mit dem er die Sonderlinge des Landes auf die Schippe nahm – und gleichzeitig bewies, dass eigentlich jeder ein wenig „Held“ in sich trägt. Denn Helden sind für Dietmar Wischmeyer nicht das, was sich die Allgemeinheit darunter vorstellt. Anzugträger auf E-Bikes, Edel-Veganer mit Massen-Konsumverzicht oder „Zonen-Jesus“ Joachim Gauck sind vielmehr „Held“ – noch lebendig, aber trotzdem bereits gefallen.

In seiner bekannten Rolle als „Günther, der Treckerfahrer“ begrüßte Wischmeyer seine Gäste in Wechold ganz ländlich. „Wenn wir mal ehrlich sind: Welcher Vater will seine Kinder schon in einem Dorf aufwachsen lassen, in dem es keine Kneipe mehr gibt?“ Auch in Wechold existiere die bekannte „Doppelspitze“: Die Kirche als Verbindung ins Jenseits, die Kneipe als Verbindung ins Diesseits.

Die Heiratsszenarien der Landbewohner wusste Wischmeyer nach allen Regeln der Kunst aufs Korn zu nehmen. Für die Partnersuche ins Nachbardorf gehen? Nicht nötig! „Wer guckt sich schon die faule Banane auf der Straße an, wenn er selbst einen verfaulten Apfel in der Hand hält?“ Und der Sex? „Das ist wie mit dem Zahnarzt. Da sitzt man alle halbe Jahre einmal auf dem Stuhl, um den Zahnstein entfernen zu lassen.“

Ebenfalls im Comedy-Programm Wischmeyers thematisiert: die Tradition des Polterabends. Ganz nach der altertümlichen Auffassung geht es dabei um das Motto „Scherben bringen Glück“. Ironisch versüßt und immer mit einer großen Portion Sarkasmus verfeinert, erklärte der Comedian seine Sichtweise: „Die Größe des Haufens sagt alles. Je größer der Scherbenhaufen, desto durchrittener die Tochter!“

Dietmar Wischmeyer schlüpfte in viele Rollen, nahm unterschiedliche Gesellschaften und Individuen aufs Korn. Auch die Bundespräsidenten und die traditionelle „Berliner Rede“ bekamen ihr Fett weg.

Warum ist Deutschland so schön? Zu dieser Frage hatte Wischmeyer eine eigene Präsidentenrede vorbereitet – ganz im Brauch des allseits integrativen, sozialen Landes. „In Deutschland hält selbst der Migrant vor einer roten Ampel. Aber nicht, weil er wüsste, warum“, sagte Wischmeyer. „Wir sind ein offenes Land. Mit der Schutzhundprüfung kann heute jeder ein guter Deutscher sein.“ Selbst Kopftücher seien toleriert, denn nachts seien alle Katzen grau – „doch die Wahnvorstellungen unter den Tüchern sollten bitte zu Hause bleiben“.

Als Vorreiter der Energiewende steht Deutschland laut Wischmeyer so weit vorne, dass bald Rhabarber aus den Steckdosen wächst und die Autos zehn Jahre lang mit nur zehn Litern Benzin alleine in der Garage überleben können.

Egal, ob Gerüche der gelben Telefonzellen im kollektiven Gedächtnis, Kontaktanzeigen mit 100-Kilo-Obergrenze oder „Reste.de“ als Gegenstück zum Online-Dating-Netzwerk „elitepartner.de“ – Wischmeyer präsentierte die Sonderlinge, die „deutschen Helden“, so eindrucksvoll, dass in der Peitsche kaum ein Auge trocken blieb.

Nicht nur die dargestellten Situationen überzeugten durch Wischmeyers einzigartig ironisch-sarkastischen Humor und seine faszinierende Wortkunst, in seinen Erzählungen erkannten sich sicherlich auch einige „heldenhafte“ Personen aus dem Publikum wieder.

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