Lagebericht zum Weihnachtshaus in Calle

Die lichtlose Zeit mit Humor überwinden

Das Weihnachtshaus in Calle, wie es sich während der vergangenen 20 Jahre Jahre in voller Lichterpracht präsentierte. Dieses Jahr bleiben die 650 000 Lampen aus.
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Das Weihnachtshaus in Calle, wie es sich während der vergangenen 20 Jahre Jahre in voller Lichterpracht präsentierte. Dieses Jahr bleiben die 650 000 Lampen aus.

Calle – Zum ersten Mal seit 20 Jahren fehlt in Calle der weihnachtliche Glanzpunkt: Das Lichtermeer des europaweit berühmten Weihnachtshauses erstrahlt in diesem Jahr nicht (wir berichteten). Schweren Herzens halten die Eigentümer, Nermin und Rolf Vogt, ihren gemütlichen kleinen Weihnachtsmarkt und die sonst so bunt glühende Augenweide der 650 000 Lichter geschlossen. „Diese Maßnahme tut uns in der Seele weh“, sagt Nermin Vogt im Gespräch mit der Kreiszeitung. „Wir fühlen uns auch sehr einsam dadurch. Aber andererseits wollen wir auch nicht, dass Calle zu einem Corona-Hotspot wird.“

Und diese Gefahr hätte bei einem gewohnten „Lichter-Betrieb“ des Weihnachtshauses durchaus bestanden. Als ausgesprochener Publikumsmagnet steht es direkt an der viel befahrenen Straße nach Calle und Asendorf. Nermin Vogt hat den Hochbetrieb vor Augen, der dort rund um das Weihnachtshaus alljährlich herrscht. Zwar gibt es einen großen Parkplatz neben der „Zeltstadt“, aber ein Gedränge würde sich beim Besucheransturm einfach nicht vermeiden lassen. Sobald Kinder und Erwachsene aus den Autos steigen, ließe sich die Lage nicht mehr coronagerecht unter Kontrolle halten.

Davon ist Nermin Vogt überzeugt. „Ich habe einfach zu viel Angst, dass wir in eine unüberschaubare Situation geraten“, sagt sie. Deshalb sei es auch nicht zu verantworten, die Weihnachtshaus-Lichter nur einmal kurz einzuschalten, damit man sie im Vorbeifahren bewundern kann. Diese Anfrage hätten viele Freunde des Hauses an sie gerichtet, erzählt Nermin Vogt. Doch sie konnte einfach nicht zustimmen. Denn es sei ja nicht auszuschließen, dass Eltern doch kurz anhalten und die Kinder aussteigen lassen – was unter Umständen zu einem Gedränge führen könnte, noch dazu auf der Straße.

Nichtsdestoweniger ist das Weihnachtshaus seit 20 Jahren ein wahrer Publikumsmagnet. Und das wird es auch wieder werden, wenn die Coronakrise erst einmal überstanden ist. Darauf freuen sich das Ehepaar Vogt und alle Weihnachtshaus-Fans schon heute.

Eine kleine Entschädigung für das fehlenden Lichtermeer ist der große Weihnachtsbaum vor dem Haus, der immerhin mit einer ansehnlichen Zahl von Lichtern bestückt ist. Auch der Adventskranz hinter dem Haus lässt eine Ahnung von der gewohnten Pracht aufkommen.

Viele telefonische Anfragen nach „Kurzzeit-Einschaltungen“ erreichen die Vogts täglich und machen deutlich, wie beliebt das Weihnachtshaus im näheren und weiteren Umkreis ist. Mit seinen derzeit 650 000 Lichtern gilt es als das größte in Deutschland, und seine Leuchtkraft soll weiter wachsen. Immerhin strebt Rolf Vogt die Rekordzahl von einer Million Lichtern an (wir berichteten). Allerdings werden jetzt erst einmal die Stromkosten sinken; Genaues darüber erfahren die Betreiber des Weihnachtshauses im April nächsten Jahres, wenn die Stromabrechnung zu ihnen nach Hause kommt.

„Wir hätten die Lichter nur allzu gern eingeschaltet“, sagt Nermin Vogt. „Aber unsere Angst vor den Risiken war einfach zu groß. Es gab viele enttäuschte Anrufe, doch die Anrufer hatten auch Verständnis, und letztlich haben wir es mit Humor bewältigt.“ Für das Ehepaar Vogt heißt es nun erst einmal, die „lichtlose“ Zeit zu überwinden. Denn: „Das Weihnachtshaus ist unser gemeinsames Hobby“, erklärt Nermin Vogt. „Aber die Gesundheit geht vor. Uns bleibt die Vorfreude auf die Zeit, wenn es wieder losgeht.“

Von Horst Friedrichs

Nermin Vogt in ihrem Reich: Das Zelt auf dem Weihnachtshaus-Platz. In dieser Saison ist der Betrieb dort geschlossen. Archivfotos: Horst Friedrichs

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