INTERVIEW Gemeindebrandmeister Carsten Meyer lobt Sicherheits- und Hygienekonzept

„Die Feuerwehren sind einsatzbereit“

Es gab seit Beginn    der Pandemie einen einzigen Fall in einer der siebzehn Ortswehren.
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Es gab seit Beginn der Pandemie einen einzigen Fall in einer der siebzehn Ortswehren.

Hoya – Die Pandemie mag das öffentliche Leben in weiten Teilen lahmlegen, aber Katastrophen machen keine Pause. Und vom Homeoffice aus können die Feuerwehrleute keinen Brand bekämpfen. Wie die gut 650 Einsatzkräfte in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya mit Corona umgehen, verrät Gemeindebrandmeister Carsten Meyer im Interview.

Seit dem Sommer organisiert die Feuerwehr ihre Ausbildungsdienste in Zehnergruppen. Hat sich das irgendwie auf die Einsatzbereitschaft ausgewirkt?

Nein! Natürlich fehlt seit Beginn der Corona-Pandemie im März vergangenen Jahres das übliche „Kameradschaftliche“. Nach dem Dienst vielleicht noch mal zusammensitzen, Grillfeste mit Familienangehörigen, Ausflüge, die Wettbewerbe: Die verschiedensten Aktionen in den siebzehn Ortswehren der Samtgemeinde Grafschaft Hoya, die sonst fester Bestandteil sind – das alles fiel weg, wie jetzt auch die Jahreshauptversammlungen. Aber obwohl die Dienste in dieser Zeit nur in kleinen festen Gruppen durchgeführt werden konnten, ist auf die ehrenamtlichen Helfer auch in diesen schwierigen Zeiten Verlass. Wenn die Sirenen und Meldeempfänger zu einem Einsatz rufen, sind genauso viele Einsatzkräfte zur Stelle, wie vor der Pandemie auch. Der einzige Unterschied zu sonst ist, dass Einsatzkräfte, die am Einsatzort nicht mehr benötigt werden, nach Hause geschickt werden, sobald die Lage es zulässt, um die Kontakte zwischen Wehren und auch unter den Einsatzkräften innerhalb einer Ortswehr so gering wie möglich zu halten.

Wie verändert sich die Situation durch die seit gestern geltenden verschärften Lockdown-Regeln?

Die Freiwilligen Feuerwehren werden auch weiterhin einsatzbereit sein, um Brände zu löschen und bei Verkehrsunfällen oder Sturmschäden technische Hilfe zu leisten. Natürlich wie im ganzen vergangenen Jahr auch, herrscht bei Einsätzen Maskenpflicht, und es gelten die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln. Die Abstandsregeln so gut es eben im Einsatzgeschehen möglich ist. Manchmal geht es halt nur zu zweit oder zu dritt, um schnell zu helfen. Die Ausbildungs- und Übungsdienste sind wie beim letzten Lockdown und auch großzügig darüber hinaus außer Kraft gesetzt. Wann diese wieder starten können, hängt davon ab, wie sich die Situation entwickelt. Dies gilt auch für die Nachwuchswehren. Es ist leider nichts planbar, die Jugendfeuerwehren konnten Ende September ihren Dienst wieder aufnehmen und mussten diesen vorsichtshalber nach vier bis fünf Wochen, als die Infektionszahlen im Landkreis Nienburg wieder stiegen, wieder komplett absagen. Schlimmer trifft es die ganz Kleinen in den Kinderfeuerwehren: Sie müssen seit März, also schon fast ein ganzes Jahr auf ihre Dienste verzichten.

Müssen Feuerwehrleute auch im privaten Umfeld besonders vorsichtig sein, um die Sicherheit der anderen nicht zu gefährden?

In den „besonderen Dienstvorschriften zu Corona“ wird eindringlich darum gebeten, die Kontakte so gering wie möglich zu halten, wie es eigentlich in allen Bereichen auch außerhalb der Feuerwehr seit Beginn der Pandemie empfohlen wird, um sich selbst und andere nicht zu gefährden. Natürlich hat man sich mit Familie und Freunden getroffen, wenn es mit den gerade geltenden Kontaktbeschränkungen möglich war. Diese gelten für die Feuerwehr genauso wie für jede Privatperson. Man kann von den Ehrenamtlichen nicht erwarten, zu Hause zu sitzen und auf den nächsten Einsatz zu warten. Die Einsatzkräfte sollen sich aber selbst kontrollieren und auf Corona-Symptome wie Erkältung und Fieber achten. Wer solche Symptome zeigt, hat sich von der Feuerwehr fernzuhalten.

Gab es Corona-Fälle in den Feuerwehren der Samtgemeinde? Oder hat sich das Sicherheits- und Hygienekonzept bislang bewährt?

Es gab seit Beginn der Pandemie einen einzigen Fall in einer der siebzehn Ortswehren. Das Gesundheitsamt ordnete daraufhin Quarantäne für fünf Kameraden an, die mit der positiv getesteten Person Kontakt hatten. Die Kontakte lassen sich durch die strenge Buchführung schnell herausfinden, auch bei Einsätzen wird dokumentiert, wer vor Ort war. Ein einziger Coronafall in siebzehn Ortswehren mit rund 650 Aktiven zeigt, dass das Sicherheits- und Hygienekonzept der Feuerwehr sehr gut funktioniert.

Wenn ein Mitglied erkrankt, muss die gesamte Ausbildungsgruppe in Quarantäne. Wie viele Ausfälle kann die Feuerwehr kompensieren? Wer hilft im Notfall aus?

Wenn ein Mitglied erkrankt, muss nur die entsprechende Gruppe aus dem Einsatz- und Dienstgeschehen herausgenommen werden. Es gibt dann immer noch weitere Gruppen in den einzelnen Ortswehren, die einsatzbereit sind. Dass eine komplette Ortswehr ausfällt, ist somit unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass seit vier Jahren immer drei Wehren miteinander kooperieren, um die Tagesbereitschaft zu gewährleisten. Das bedeutet: Je nach Einsatzgröße wird nicht nur die entsprechende Ortswehr alarmiert, sondern auch zwei Nachbarwehren. Bei mittleren bis größeren Bränden oder einem schweren Verkehrsunfall kommt zusätzlich eine der fünf Stützpunktwehren hinzu.

Nutzt die Feuerwehr Corona-Schnelltests?

Nein. Die Kameraden sollen sich selbst kontrollieren und mit Symptomen, die auf Corona hinweisen zu Hause bleiben. Wer krank ist, geht auch zum Arzt, der dann entscheidet, ob ein Corona-Test notwendig ist.

Zur Person

Carsten Meyer ist seit März 2009 Gemeindebrandmeister der Grafschaft Hoya. Der 58-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt mit seiner Familie in Wienbergen.

Von Felix Gutschmidt Und Marion Thiermann

Carsten Meyer

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