Deutschrock-Ensemble Fährhaus spielt bei Debütkonzert auf absolutem Profilevel

Das Rezept: kreative Bodenständigkeit

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Das erst vor einem halben Jahr gegründete Deutschrock-Ensemble Fährhaus bescherte der Kleinkunstdiele Bücken am Freitagabend ein volles Haus.

Bücken - Von Ulf Kaack. Mit rund 50 Gästen war die Kleinkunstdiele in Bücken am Freitagabend bestens gefüllt, nahezu ausverkauft, als das Deutschrock-Ensemble Fährhaus ein halbes Jahr nach seiner Gründung sein Debütkonzert gab. Und was das Quartett zu Gehör brachte, bewegte sich auf absolutem Profilevel.

Die Gruppe Fährhaus, benannt nach ihrem Probenort in Rieda bei Verden, ist auf den zweiten Zug der Deutschen Welle aufgesprungen. Was in den frühen 80ern mit Nena, Trio und Marcus vor allem unter Klamaukaspekten eine kurze Blüte feierte, hält sich nach einem Relaunch vor gut einem Jahrzehnt konsequent und auf einem achtbaren Niveau: chartfähige deutschsprachige Pop- und Rockmusik à la Revolverheld, Silbermond oder Johannes Oerding.

„Ich will doch nur ich sein“, singt die ambitionierte Frontfrau Marita Boettcher über den Klangteppich einer funky knurrenden Basslinie. Ihre Texte sind in bester Singer-Songwriter-Tradition voller Tiefgang, zuweilen kritisch. Mit dem Titel „Achtsamkeit“ greift Fährhaus die Flüchtlingsdramatik auf. Geschickt verknüpft die Band dabei Elemente aus Rap, Rock und Jazz. Weise Worte: „Achtsamkeit brauchen wir, um uns zu verstehen. Viel zu weit war deine Reise, waren wir bislang voneinander entfernt.“

Jeder Song ist eine Perle für sich. Komponiert hat sie Marita Boettcher. Bis auf den Titel „Mitten unterm Jahr“, der aus dem Repertoire von Christina Stürmer gecovert wurde. „Es ist unglaublich“, erklärt Maritas Ehemann, Keyboarder und Gitarrist Matthias Boettcher, launig dem Publikum durchs Mikrofon. „Sie geht zwei Stunden lang auf dem Deich spazieren und kommt mit einem fertigen Song zurück, den ich dann arrangieren darf. Zwei Dutzend Stücke kamen so binnen kürzester Zeit zusammen.“

Stilistisch bedient sich Fährhaus immer wieder rechts und links vom Mainstream, ohne dabei aus der Spur zu geraten. „So schade“ kommt in bester Neue-deutsche-Welle-Manier daher, rhythmisch von einer trocken klingenden Gitarre getragen und mit einem Orgelsolo zum Finale. Ebenso temporeich und dynamisch das munter groovende Stück „Strandsegler“, während sich „Ich warte schon so lang“ stilistisch an südamerikanischen Klängen in Paarung mit dem Schlager der 1950er-Jahre orientiert und mit einem minimalistischen Schlagzeug-Solo endet. Bei „Du bist so wie du bist – richtig“ blitzen Motown-Sounds auf, und so mancher Zuhörer meint, Stevie Wonder an den Tasten seines Fender-Rhodes-E-Pianos zu vernehmen.

Auch das Genre der Balladen beherrscht Fährhaus par excellence: „Alle schönen Farben der Welt sollten unsere Ziele sein. Lass uns Süße sammeln, es gibt genug davon“, singt Marita Boettcher in Bücken voller Leidenschaft, nur von ihrem Mann an der Akustikgitarre begleitet. Kaum weniger ergreifend ihr Duett „Lass uns träumen“, das Matthias Boettcher mit sparsamen Akkorden am Piano intoniert.

Es ist diese gelungene Mischung aus anspruchsvollen Texten mit Tiefgang und Poesie, kombiniert mit den in Rock und Pop verwurzelten Kompositionen, die das Charisma von Fährhaus ausmachen. Kreative Bodenständigkeit lautet das Rezept. So ist es dem ehrgeizigen Ensemble zu wünschen, sein Songmaterial auf einen Tonträger zu bannen. Das Potenzial für einen Charterfolg hat die Band unbestritten.

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