Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge / Finanzierung zukünftig offen

Sprachkurs der erste Schritt auf dem Weg zur Integration

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Die Flüchtlinge mit (von links) Maria Schmoll (VHS Hoya), Renate Paul („Brot und Salz“) und Wilfried Imgarten sowie (von rechts) Heike Teichmann (Familienzentrum) und Susanne Torst (Kursleiterin).

Von Michael Wendt. Gut gelaunt und ein wenig schüchtern sitzen die acht Männer und Frauen im Konferenzraum des Familienzentrums Hoya und blättern in ihren Schulungsunterlagen. Sie kommen aus Albanien und dem Kosovo, aus Armenien und Syrien. Ob die Flüchtlinge in Deutschland bleiben dürfen, wissen sie noch nicht, aber Deutsch lernen wollen sie auf jeden Fall.

„Über die Sprache und Arbeit machen sie die ersten Schritte, hierbleiben zu können“, sagt Renate Paul. Die Hoyaerin ist Sprecherin des Arbeitskreises „Brot und Salz“, der die Flüchtlinge in der Samtgemeinde ehrenamtlich begleitet. Das Netzwerk in der Grafschaft sei ein großes Plus, sagt Dieter Labode, Leiter der Kreisvolkshochschule, die den Sprachkurs veranstaltet. Zum Netzwerk gehört auch der Präventionsrat, der diesen Sprachkurs finanziert – und weitere in der Eystruper Schule. „Wir wollten diese Kurse anstoßen, sehen uns aber nicht dauerhaft in der Finanzierung“, sagt Wilfried Imgarten als Vorsitzender des Präventionsrats.

Der Kurs in Hoya läuft noch bis Ende August. Er ist offen für alle, die keinen gesicherten Aufenthaltsstatus als Flüchtlinge haben. Die Teilnehmer büffeln – von einer kurzen Auszeit abgesehen – auch in den Sommerferien drei Mal die Woche; 100 Stunden insgesamt.

Unterrichtet werden sie von der Hoyaerin Susanne Torst. Sie leitet an der Volkshochschule weitere Integrationskurse, spreche aber weder Russisch noch Albanisch, Serbisch oder Bosnisch. „Das ist auch gar nicht nötig“, sagt sie. Manches geht auf Englisch, und oft helfen sich die Teilnehmer, darunter viele Paare, gegenseitig.

Die Seminare bauen aufeinander auf, sodass die Flüchtlinge – sollten sie einen Aufenthaltsstatus erhalten – nahtlos im Kurssystem der Volkshochschule weiterlernen können.

Teilweise dauert es jedoch zwei Jahre und länger, ehe die Anerkennung erfolgt, sagt Wilfried Imgarten. „Es gilt aber, möglichst frühzeitig in die Integration einzusteigen“, mahnt er.

Allerdings gibt es nicht für jeden Flüchtling einen Platz, „aber der Besuch des Kurses ist auch nicht für jeden machbar“, gibt Renate Paul zu bedenken und nennt als Beispiel eine Hochschwangere.

Dennoch: „Für einen neuen Kurs wäre der Bedarf da“, sagt Renate Paul. Derzeit sei aber noch keiner konkret geplant, geschweige denn finanziert. „Wir suchen Sponsoren“, sagt Dieter Labode. Ein Kurs koste, je nach Umfang, um die 1000 Euro.

Die Eystruper Kurse laufen auch über die Volkshochschule. Dort ist aber die Schule stark eingebunden. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass Eltern unserer Schulkinder teilnehmen“, sagt Schulleiterin Cornelia Kehlbeck-Raupach. „Wir möchten und als Schule öffnen und mit einem Sprachkurs den Zugang erleichtern.“ Deshalb spricht die Schule Migranten konkret auf die Kurse an.

Das jüngste Seminar ist im Mai zu Ende gegangen. Geleitet hat es Cihan Houra, die von 2013 bis 2014 ein FSJ an der Schule gemacht hat. Nach den Ferien starten zwei neue Kurse.

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