Verfahrensauftakt

Erweiterung Hof Bünkemühle: Rat Warpe ebnet Weg für weitere Schritte

Betriebsleiter Conny Derboven und seine älteste Tochter Anna-Lena Schierenbeck freuen sich über die Entscheidung des Warper Gemeinderats. Anna-Lena kümmert sich um die Betriebsverwaltung, das Management und die Geschäftsführung. Zukünftig sollen sie und ihre Schwestern Cathrin und Dorothee den Hof übernehmen.
+
Betriebsleiter Conny Derboven und seine älteste Tochter Anna-Lena Schierenbeck freuen sich über die Entscheidung des Warper Gemeinderats. Anna-Lena kümmert sich um die Betriebsverwaltung, das Management und die Geschäftsführung. Zukünftig sollen sie und ihre Schwestern Cathrin und Dorothee den Hof übernehmen.

Warpe – Die Pläne um die Derboven-Erweiterung konkretisieren sich. Das zuständige Planungsbüro stellte jetzt die Details für das Vorhaben vor. 

Als Schritt in die richtige Richtung und als sehr positiv bezeichnet Landwirt Conny Derboven die Entscheidung des Rats der Gemeinde Warpe. Das Gremium hat am Montagabend mit der Fassung des Aufstellungsbeschlusses den Auftakt im Verfahren zur geplanten Erweiterung des Familienbetriebs Hof Bünkemühle gemacht. Dieser beabsichtigt, den aktuellen Viehbestand von 500 Kühen und 250 Kälbern auf bis zu 1 000 Kühe und 1 000 Kälberzu vergrößern.

Die Samtgemeinde Grafschaft Hoya ebnete bereits 2020 mit der Änderung des Flächennutzungsplans den Weg für die weiteren Schritte. „Die Grobplanung ist damit erledigt, daraus soll nun ein detaillierter Bebauungsplan entstehen“, kündigte Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer an.

Biogasanlage

Wie der aussehen könnte, stellte Michael Meier von der beauftragten NWP Planungsgesellschaft Oldenburg den Ratsmitgliedern vor. „Das betroffene Gebiet wurde in fünf Sondergebiete eingeteilt, in denen verschiedene Regelungen und Zulässigkeiten gelten“, erklärte er. Im nord-östlichen Teil befindet sich das Sondergebiet eins mit der Biogasanlage. Diese könne Ernergie sowohl aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Gras und Getreide als auch aus Gülle und Futterresten, die aus dem Sondergebiet zwei stammen.

Tierhaltung

Letzteres Gebiet befindet sich im Norden, wo die Tiere aktuell bereits untergebracht sind und welches nun für die Haltung von 1 000 Kühen sowie 1 000 Kälbern vergrößert werden soll. Diese Dimension scheint ein Kompromiss zu sein, denn die Betreiberfamilie hatte noch Größeres im Sinn. „Eigentlich wollten wir den Kuhbestand auf 2 000 Tiere aufstocken, was eine Vervierfachung des aktuellen Bestands bedeutet hätte“, sagt Conny Derboven auf Nachfrage. Das sei ein großer Diskussionspunkt gewesen, meinte auch Meier, aber man habe sich einigen können.

„Zusätzlich zur Tierhaltung sind in dem Sondergebiet auch Anlagen zur Nutzung und Aufbereitung der in der Biogasanlage eingesetzen oder aus ihr stammenden Rohstoffe sowie Anlagen zur Nutzung der Restwärme wie beispielsweise Trocknungsanlagen zulässig“, erläuterte Michael Meier weiter. Außerdem sollen Anlagen zur Lagerung von Gülle und Futtermitteln erlaubt sein. Alle Gebäude dürften eine Höhe von zwölf Metern über dem Gelände nicht überschreiten, aber mehr als 50 Meter lang sein.

Und da die Haltung von Tieren nunmal auch Gerüche und Gase verursacht, mussten auch dafür Begrenzungen festgesetzt werden. Einigen konnte man sich diesbezüglich auf eine maximale Geruchsemission im gesamten Sondergebiet zwei von 21 112 Geruchseinheiten pro Jahr. Zur Erklärung: Eine Geruchseinheit ist diejenige Menge von Geruchsträgern, die – verteilt in einem Quadratmeter Neutralluft – eine Geruchsempfindung entsprechend der Definition der Geruchsschwelle auslöst. Auch die Ammoniakemission wurde begrenzt, und zwar auf 14 612 Kilogramm Ammoniak pro Jahr. „Ein Gutachten hat nachgewiesen, dass diese Begrenzungen verträglich mit dem Umfeld sein werden“, sagte Michael Meier.

Lagerung

Weitere Emissionsbegrenzungen gelten zudem im Sondergebiet drei, welches sich im Westen befindet und wo Futter, Stroh sowie Maschinen, Gülle und Silage gelagert werden sollen. „Der Betrieb nutzt den Standort bereits dafür, muss diesen jedoch jetzt erweitern.“ Auch an dieser Stelle dürfe nicht höher als zwölf Meter gebaut werden. Die Länge der Gebäude sei jedoch mit mehr als 50 Metern zulässig.

Betriebliches Wohnen

Im Sondergebiet vier werden keine Emissionen befürchtet, da sich dort die Wohnungen der Betriebsinhaber und -leiter sowie der Aufsichts- und Bereitschaftspersonen befinden. Dem schließt sich das Sondergebiet fünf an, in dem weiterhin das Hofcafé sowie die Hofkäserei und Wohnungen Platz finden sollen. Ausschließlich dort ist eine zweigeschossige Bauweise zulässig.

Natürlich dürfen auch Stellplätze, Garagen sowie Anlagen zur Rückhaltung und Versickerung von anfallendem Oberflächenwasser nicht fehlen. Diese sind in allen genannten Sondergebieten erlaubt.

Begrünung

Wo gebaut und versiegelt wird, müsse auch eine „Wiedergutmachung an die Natur“ geleistet werden, so Michael Meier. Daher seien die privaten Grünflächen dicht mit Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen. „Die Betriebsfläche ist großflächig nutzbar, sodass eine Eingrünung der Hofflächen erfolgen kann.“ Darüber hinaus befinde sich am Westrand des Geländes ein sogenanntes Landschaftsgehölz. „Dieses soll bestehen bleiben, jedoch verliert es durch die Ammoniakemission den Schutzanspruch eines Waldes, weswegen an anderer Stelle eine Waldfläche ersetzt werden soll. Das muss im weiteren Verfahren dann noch gesichert werden“, verkündet Michael Meier.

Die betroffene Fläche im Norden der Gemeinde Warpe ist in verschiedene Bereiche und Sondergebiete eingeteilt, für die unterschiedliche Regelungen und Zulässigkeiten gelten.

Artenschutz

Was aktuell noch fehle, sei die Untersuchung der Gewässerbelastung sowie die Untersuchung der durch die Versiegelung entstehenden Eingriffe in den Artenschutz. „Auch dafür müssen Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden. Der Betrieb verfügt jedoch über ausreichend Flächen.“ Festgestellt worden sei bereits, dass sich auf dem Gelände Plätze von Brutvögeln befänden, der betriebliche Bereich sei davon jedoch nicht betroffen. Auch seien Sommerquartiere von Fledermäusen an den bestehenden Gebäuden entdeckt worden. „Insgesamt sind aber keine Konflikte zu erwarten und diesbezüglich voraussichtlich auch keine Ausgleichsmaßnahmen notwendig, da keine Betroffenheit gegeben ist“, fasst Michael Meier zusammen.

Zeitplan

Nachdem er seinen Vortrag beendet hatte, tagte kurzfristig noch der Verwaltungsausschuss, der dem Rat seine Empfehlung für die Fassung des Aufstellungsbeschlusses für den Bebauungsplan „Bünkemühle“ und der frühzeitigen Öffentlichkeits- sowie Behördenbeteiligung aussprach. Schlussendlich beschloss das Gremium mit sieben Dafür-Stimmen und zwei Enthaltungen den Einstieg in das Verfahren.

Bis es soweit ist und die ersten Projekte umgesetzt werden können, dauert es allerdings noch. „Das ist ein komplexes Vorhaben und das braucht Zeit“, meinte Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer. Darüber hinaus stehe auch noch die Kommunalwahl an. Auch Bürgermeister Heinz Wedekind schloss sich dem an und betonte, dass es bestimmte Auslegungsfristen gebe. Zudem komme es darauf an, in welchem Umfang Stellungnahmen eingehen würden und wie das Planungsbüro diese abarbeiten könne. „Aber ich hoffe, dass wir den Zeitplan einhalten können.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Meistgelesene Artikel

Die unglaubliche Reise des Nienburger Fußballers Jens Todt

Die unglaubliche Reise des Nienburger Fußballers Jens Todt

Die unglaubliche Reise des Nienburger Fußballers Jens Todt
Nienburg: Pkw überschlägt sich nach Achsenbruch

Nienburg: Pkw überschlägt sich nach Achsenbruch

Nienburg: Pkw überschlägt sich nach Achsenbruch
Corona im Landkreis Nienburg: Inzidenz weiterhin unter 100

Corona im Landkreis Nienburg: Inzidenz weiterhin unter 100

Corona im Landkreis Nienburg: Inzidenz weiterhin unter 100
Junge Frau mit Betonplatte im Fluss versenkt - Mordprozess beginnt

Junge Frau mit Betonplatte im Fluss versenkt - Mordprozess beginnt

Junge Frau mit Betonplatte im Fluss versenkt - Mordprozess beginnt

Kommentare