Der Künstler in seinem Refugium

Cartoonist Dieter Schäfer im Porträt

Er lebt eher zurückgezogen: Der Cartoonist Dieter Schäfer in seinem Haus in Eitzendorf.
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Er lebt eher zurückgezogen: Der Cartoonist Dieter Schäfer in seinem Haus in Eitzendorf.

Eitzendorf – In Eitzendorf, abseits am Rande des Mallens, lebt schon seit vielen Jahren zurückgezogen ein Künstler, der in früheren Zeiten zu den Großen seines Fachs zählte. Im Ort kennt man ihn nur als den „Journalisten“, die wenigsten Einwohner bekommen ihn überhaupt einmal zu Gesicht: Es ist der Cartoonist und Autor Dieter Schäfer. Der Kreiszeitung bot sich jetzt die unverhoffte Gelegenheit, den 83-Jährigen besuchen und bei Kaffee und Kuchen ein längeres Gespräch mit ihm führen zu dürfen.

Die Aura des Geheimnisvollen, die Dieter Schäfer umgibt, wird noch verstärkt, wenn man mit vielleicht etwas gemischten Gefühlen über den wildromantischen Hof des früheren bäuerlichen Anwesens geht und das aus dem Jahr 1922 stammende Backsteinhaus betritt. Es erzeugt mit seinen ursprünglichen Holzfußböden und alten Möbeln sowie den vielen Bildern und Büchern eine derart behagliche Atmosphäre, dass man sich unversehens in eine andere Welt versetzt fühlt.

Der Künstler selbst, der dort gemeinsam mit Familie und zwei Hunden lebt, machte aber einen zugänglichen, freundlichen und nicht zuletzt bescheidenen Eindruck. Bereitwillig ging er auf Fragen ein, zeigte sich aber auch als aufmerksamer und interessierter Zuhörer und Beobachter.

Dieter Schäfer ist 1937 in Hannover geboren und dort aufgewachsen. Die höhere Lehranstalt besuchte er nach eigenen Worten „ohne den ratsamen Eifer“, um danach an der Kunsthochschule den Umgang mit Stift, Farbe und Pinsel in Wort und Bild zu perfektionieren. Nachdem er anschließend einige Jahre als freiberuflicher Grafiker in der Industrie gearbeitet hatte, verlor er die Lust an dieser „tyrannischen“ Tätigkeit, erkannte dafür aber zunehmend seine Begabung, auch im scheinbar Normalen noch Unsinniges zu entdecken. Diese Fähigkeit setzte er dann über einen Zeitraum von 28 Jahren sehr erfolgreich in Cartoons und Nonsens-Texten um, wobei er anfangs einige Jahre mit dem kürzlich verstorbenen, ebenfalls in Hannover beheimateten, weit über Deutschland hinaus bekannten Zeichner und Humoristen Ulli Stein zusammengearbeitet hat.

Von Bissendorf bei Hannover zog es ihn bald nach Warpe, wo er im Ortsteil Westerwarp einige Zeit eine gut gehende Galerie betrieb, die sich ganz nebenbei rasch zu einem Treff entwickelte, an dem sich Künstler aus Hannover, Berlin und anderenorts regelmäßig die Klinke in die Hand gaben. Zum Freundes- und Bekanntenkreis zählten keine Geringeren als der Schriftsteller, Dichter und Maler Robert Gernhardt oder der im nicht weit entfernten Wachendorf lebende Schauspieler und Showmaster Rudi Carrell, um nur zwei zu nennen.

Seine Arbeiten veröffentlichte Dieter Schäfer in mindestens 130 in- und ausländischen Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen, darunter Publikationen wie der „Stern“ und der „Spiegel“, aber auch in Satiremagazinen wie „Eulenspiegel“ oder „Pardon“, und nicht zuletzt im „Playboy“, in denen seine Cartoons teilweise ganzseitig abgedruckt und lukrativ honoriert wurden. Mehrere Bücher mit gedichteten Texten und Erzählungen, ungezählte Cartoons und zahlreiche Kurzgeschichten wurden im Laufe der Zeit veröffentlicht.

Egal, ob seine häufig der Tierwelt und Landwirtschaft entlehnten Cartoons, seine hintersinnige Lyrik oder Prosa, bei Dieter Schäfer ist alles von liebenswürdiger Schalkhaftigkeit durchsetzt, wobei er allerdings auch seine eigene Person nicht ausnimmt. Selbst hinter vordergründigem Nonsens versteckt sich häufig noch ein Anflug von Ironie, zumindest aber ein Augenzwinkern.

Nachfrage an Cartoons sinkt

Von Warpe siedelte der ausgewiesene Goethe- und Kant-Kenner nach Eitzendorf über. Unabhängig, stets seiner eigenen Linie treu bleibend und ohne dem jeweiligen Zeitgeist nachzulaufen, setzte er dort seine Arbeiten fort. Aber gerade diese fehlende Bereitschaft, sich anzupassen, gepaart mit einem laut eigenen Angaben nur gering ausgebildeten Verkaufstalent, der zunehmende Verzicht vieler Zeitungen und Zeitschriften auf den Bereich „Humor und Satire“ sowie weitere äußere Umstände führten dazu, dass seine Werke „nach der Währungsreform“, wie er die Einführung des Euros nennt, immer weniger nachgefragt waren. Dieses hatte zwangsläufig zur Folge, dass er zumindest den zeichnerischen Teil schließlich ganz einstellte und sich nur noch aufs Schreiben verlegte.

Der die Nachtstunden, französischen Rotwein, gutes Essen mit Freunden, Klaviermusik und Sonne und Meer liebende Künstler nutzte die gewonnenen Freiräume, um ausgiebig Griechenland und Frankreich, aber auch die meisten anderen europäischen Länder zu bereisen. Das tat er zunächst per Auto, später zunehmend mit dem Flugzeug, jedoch stets zur geistigen und seelischen Ermunterung, wie er betont.

Auch, wenn es um Dieter Schäfer in seiner Abgeschiedenheit stiller geworden ist, Kontakt zur Außenwelt pflegt er gleichwohl über einen engen Freundeskreis. Zudem über das Internet, mit dem er sich noch im Alter angefreundet hat und in dem er mit einem eigenen Auftritt und regelmäßigen Blogs vertreten ist. Auch darin finden sich immer wieder von Wortwitz und feiner Ironie durchzogene Texte, zuweilen aber auch beißende Kritik an Politik und Establishment.

In seinem Eitzendorfer Refugium sind ihm das Lesen und Schreiben zu Sinn und Wirklichkeit geworden, die ihm nach eigenen Worten „ein noch immer geistreiches Wohlbefinden verschaffen“.

Mehr zu dem Künstler erfahren Interessierte auf der Homepage www.dieter-schaefer.de. Dort besteht auch die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und zum Erwerb von Publikationen.

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