Demenzkranke besser verstehen / Altenbetreuerin informiert beim Landfrauen-Verein Hoya

Die Handtasche ist ihre Fahrkarte in die Vergangenheit

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Welche symbolhafte Bedeutung die Handtasche haben kann, schilderte Dagmar Stegmann während ihres Vortrags beim Landfrauen-Verein Hoya.

Bücken - Von Horst Friedrichs. Die Handtasche ist ein Symbol. Und Symbole aus der Vergangenheit sind ein bedeutendes Mittel, wenn es darum geht, Demenzkranken das Leben zu erleichtern. Darüber sowie aus Theorie und Praxis ihrer Tätigkeit als Altenbetreuerin, Gedächtnistrainerin und Validationsanwenderin berichtete Dagmar Stegmann vergangene Woche beim Landfrauen-Verein Hoya im Gasthaus Thöle, Bücken.

Mit der geräumigen Handtasche, die die Ubbendorferin sich während ihres Vortrags über die Validation nach Naomi Feil über den Arm hängte, hatte es eine besondere Bewandtnis. Ebenso mit dem Tuch, das sie auf der Tischplatte glatt strich oder sich – zusammengelegt – liebevoll an die Wange hielt. Denn in letzterem Moment verkörperte das zusammengeballte Tuch ein kleines Kind, und das Glätten auf dem Tisch stellte das Ausrollen eines Kuchenteigs dar – beides Wohlfühlmomente im Leben von Frauen, die an Demenz erkrankt sind und ein fortgeschrittenes Stadium erreicht haben.

Ähnlich verhält es sich mit der Handtasche. Dagmar Stegmann führte vor, dass es die in Fleisch und Blut übergegangenen Handgriffe aus der Vergangenheit sind, die eine Demenzkranke veranlassen kann, beispielsweise eine auf dem Tisch liegende Brille in ihre Tasche zu stecken – auch wenn die Sehhilfe ihr gar nicht gehört.

Bevor Dagmar Stegmann aus ihrer Erfahrung als freiberufliche Altenbetreuerin erzählte, hatte Imke Wicke (Martfeld-Hollen), erste stellvertretende Vorsitzende des Landfrauen-Vereins Hoya, die zahlreichen Zuhörer im Tagungsraum des Gasthauses Thöle begrüßt. „Validation – eine Möglichkeit zum besseren Verständnis und Umgang mit demenzkranken Menschen“ lautete das Thema des Vortrags, in dem Dagmar Stegmann die Teilnehmer des Abends an ihren vielfältigen beruflichen Erfahrungen teilhaben ließ.

Eine Zugangstechnik zu der Welt von Erkrankten

Naomi Feil, 1932 in München geboren, ist eine US-amerikanische Sozialarbeiterin, die von 1963 bis 1980 das Verfahren der Validation entwickelt hat, berichtete die Ubbendorferin. Validation bedeutet, etwa für gültig erklären – nämlich die Realität, in der sich Demenzkranke befinden. Stegmann erzählte, dass sie an verschiedenen Ausbildungsprogrammen, zu denen Naomi Feil auch nach Bremen gekommen sei, teilgenommen habe. Seit 2010 ist Stegmann nun als autorisierte Validationsanwenderin tätig.

Eingehend schilderte die Referentin die Validationstechniken, die aus Verständnis für den an Demenz Erkrankten entwickelt wurden: „Wir müssen lernen, in den Schuhen des anderen zu gehen“, sagte Stegmann und bezeichnete Symbole wie die Handtasche und das Taschentuch als Fahrkarte in die Vergangenheit. Die Referentin schilderte die verschiedenen Phasen der Demenzerkrankungen und deren Hintergründe, unterteilt in körperliche, soziale und seelische Verluste.

Um Zugang zu der Welt der an Demenz erkrankten Menschen zu finden, entwickelte Naomi Feil eine Kommunikationstechnik als Methode der Validation.

Alte Erinnerungengehen nicht verloren

Wenn die Sehkraft nachlasse, so Dagmar Stegmann, formen Demenzkranke das Sehen mit dem sogenannten inneren Auge, ebenso, wie sie Klänge aus der Vergangenheit hören. Das können die Stimmen der Kinder sein, die gerade von der Schule nach Hause kommen, während gleichzeitig eine andere Bewusstseinsebene zum Tragen kommt, in der der Demenzkranke lächelnd erklärt: „Die sind alle schon berufstätig.“ Trotz der demenzbedingten Verluste, so Stegmann weiter, überleben frühe Erinnerungen häufig bis ins hohe Alter.

Dagmar Stegmann möchte als Validationsanwenderin und Gedächtnistrainerin die letzte Lebensphase von Erkrankten lebenswerter machen, sagte sie. Dabei sei der von Naomi Feil entworfene Weg die Grundlage. Und: „Die Angehörigen von Demenzkranken leisten Unglaubliches. Zugleich müssen wir Freiräume schaffen und auch für uns selbst sorgen.“

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