Serie: Zehn Gemeinden – zehn Baudenkmäler

Das Mausoleum auf dem Friedhof in Eystrup

Interessantes Baudenkmal: Das Mausoleum auf dem Friedhof in Eystrup.
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Interessantes Baudenkmal: Das Mausoleum auf dem Friedhof in Eystrup.

Eystrup – Die Gemeinde Eystrup verfügt gleich über eine ganze Reihe von Bau- und Naturdenkmälern, von denen die Kommune im vergangenen Jahr 18 mit Hinweisschildern versehen und als „Historischer Pfad“ erlebbar gemacht hat. Eines der interessantesten von ihnen ist als Station 13 das Mausoleum auf dem Friedhof, das im Rahmen dieser Serie näher vorgestellt werden soll.

Das heute als Kapelle, aber auch als Ausstellungsraum genutzte Gebäude bildet gleichzeitig die Schnittstelle zu der Serie „Künstler in ihrem Refugium“, sind hier doch aktuell Arbeiten der Bildhauerin Ulrike Gölner und des Kirchenkünstlers Henning Diers zu sehen.

Das aus gelben Klinkern in Form eines griechischen Kreuzes gebaute Mausoleum hat eine quadratische Grundfläche von 90 Quadratmetern und einen achteckigen, romanische Elemente aufweisenden Turm, mit dem es eine Höhe von zwölf Metern erreicht. Hinter der eisenbeschlagenen, heute wieder aus Mahagoniholz bestehenden Eingangstür befinden sich die Gruft und der Andachtsraum. In einem Halbkreis über dem Eingang stehen die lateinischen Worte MORS (Tod), JANUA (Tür), VITAE (Leben) und darunter der Vers aus dem Johannesevangelium: „Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben“.

Im Andachtsraum befindet sich an der Ostseite ein Altar aus Sandstein, darüber hängt ein hölzernes Kreuz. Der mit romanischen Säulen und Bögen gestaltete Raum wird durch die Turmfenster belichtet, eine steinerne Treppe führt hinab in die Gruft.

Der Außenbereich wird zum Teil noch von einem Zaun begrenzt. Auf den Pfeilern der einstigen Eingangspforte tragen zwei steinerne Löwen die Wappen der Familien von Bremer und von Kronenfeldt. Das Von-Kronenfeldt-Wappen ziert zudem die Südwand des Grabmals.

Das Mausoleum ließ 1890 Gräfin Sophie von Bremer (1805 bis 1891) für ihre Tochter Amalie von Kronenfeldt (1829 bis 1891) und deren Familie bauen. Gräfin Sophie war eine Geborene von Staffhorst und die letzte weibliche Vertreterin dieses alten, eng mit der Geschichte Hoyas verbundenen Adelsgeschlechtes. 1822 hatte sie den sehr wohlhabenden, aus Cadenberg stammenden Stallmeister und Kriegsrat Graf Carl von Bremer (1791 bis 1853) geheiratet. Bis zum Ende des Königreichs Hannover im Jahr 1866 blieb sie Ehrenstaatsdame von Königin Marie. Ihren Lebensabend verbrachte sie auf Schloss Doenhausen, das für Tochter Amalie und Karl Wilhelm von Kronenfeldt (1823 bis 1890) anlässlich deren Hochzeit im Jahr 1867 gekauft worden war.

Bereits im Jahr der Errichtung des Mausoleums starb Major von Kronenfeldt und wurde in der Gruft beigesetzt. Am 30. August 1891 bestattete man hier auch seine Ehefrau Amalie. 1926 folgte noch der 1873 geborene Erbe Ernst Georg von Kronenfeldt. Gräfin Sophie war hingegen bereits am 10. Juni 1891, nur wenige Wochen vor ihrer Tochter, hochbetagt gestorben und hat ihre letzte Ruhestätte an der Seite ihres Mannes in Cadenberg gefunden.

Die Gruft birgt auch noch einen Kindersarg sowie die Gebeine von elf Erwachsenen und zwei Kindern der Familie von Staffhorst. Zusammen mit einigen zum Teil sehr alten Namensschildern waren sie im Zuge der 1934 begonnenen Renovierung der Hoyaer Martinskirche von dort nach Eystrup überführt worden.

Elfriede Hornecker, frühere Leiterin des Heimatmuseums Hoya, hat die über 17 Generationen zu verfolgende Historie der Familie von Staffhorst in ihrem 2015 erschienenen Buch „Die Herren von Staffhorst. Spurensuche in der Grafschaft Hoya“ anschaulich beschrieben. Die Erben verkauften das Gebäude 1954 für 26 000 D-Mark an die Kirchengemeinde Eystrup, die eine angemessene Stätte für Aufbahrungen und Trauerfeiern benötigte. Nach der Renovierung 1957 wurde es zeitweise für Gottesdienste genutzt. Erste Planungen, das Mausoleum zur Kapelle zu erweitern, scheiterten 1967 offenbar an der Finanzierung. Zu Beginn der 1980er-Jahre mussten denkmalpflegerische Sanierungen durchgeführt werden. Später wurden die Eingangstür erneuert, die aufgearbeiteten Beschläge wieder angebracht und ein Schutzdach installiert.

Um eine effizientere Ausnutzung zu erlangen, nahm die Kirchengemeinde ab 2010 mehrere gravierende Veränderungen vor. So verschob man die Särge der von Kronenfeldts in den hinteren Teil der Gruft und verschloss diesen mit einer Mauer. Dafür wurde im vorderen Teil eine Kühlkammer eingerichtet, in der drei Särge Platz haben, die über eine Hebebühne nach oben gefahren werden können. Im Andachtsraum umgibt ein Metallgitter diese Vorrichtung. Dort wurde außerdem 2012 ein Teilbereich für sanitäre Zwecke umgebaut.

Heute bietet die Kapelle Raum für Andachten und Trauerfeiern, aber auch für Lesungen, kleine Konzerte und Ausstellungen.

Das Gebäude ist an Sonntagen vom Frühjahr bis in den Herbst von 15 bis 17 Uhr unter Einhaltung der derzeit geltenden Regeln für Besucher geöffnet.

Stichwort Mausoleum: Meist monumentales Grabmal in Gebäudeform, das einen Andachtsraum oder kleine Grabkapelle sowie eine darunter liegende Gruft enthält, in der Särge oder Sarkophage mit den sterblichen Überresten Verstorbener beigesetzt werden. Der Begriff leitet sich von dem Grabmal des Maussolos ab, einem im vierten Jahrhundert vor Christus lebenden persischen Statthalter in der heutigen Westtürkei. Das etwa 50 Meter hohe und mit weißem Marmor verzierte Gebäude zählte mit zu den sieben Weltwundern der Antike. Erst im 16. Jahrhundert wurde es zerstört.

Einen bedeutenden Beitrag zum Thema Friedhofskultur lieferte im vergangenen Jahr der sich vorwiegend der Kirchenkunst widmende Hasseler Henning Diers, der anlässlich seines Projektes „Wachstum“ die Innenwände des achteckigen Turms des Mausoleums in Eystrup mit weißem Wachs bemalte. Mit diesem Medium gelang es ihm überzeugend, dem aus den 16 kleinen Rundbogenfenstern des Turmes einfallenden Licht Gestalt zu geben. Zeugnisse der künstlerischen Arbeit von Henning Diers finden sich in vielen sakralen Bauwerken der Region, waren aber auch in zahlreichen Einzel- oder Gemeinschaftsausstellungen zu sehen.

Bildhauerin Ulrike Gölner

Voraussichtlich bis Oktober sind vor Ort noch Stelen aus Holz und Bronze der Bildhauerin Ulrike Gölner ausgestellt, die dort auf besondere Weise mit der Wachsmalerei von Diers harmonieren und dem Andachtsraum eine ganz besondere Atmosphäre verleihen.

Die aus Wohlendorf bei Rethem stammende Künstlerin schloss 1992 ihr Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Künste (HfK) in Bremen als Meisterschülerin bei Professor Bernd Altenstein ab und nahm anschließend an einem Workshop bei David Nash in Wales teil. Mit verschiedenen Stipendien ausgestattet, bildete sie sich unter anderem auf dem Künstlergut Prösitz bei Leipzig, aber auch in den Niederlanden und in Frankreich fort. Darüber hinaus beteiligte sie sich an verschiedenen Symposien und Workshops, bei denen sie mit ihren Arbeiten auch erste Plätze belegte, so beispielsweise 2011 beim Bildhauersymposium in Goldenstedt oder 2016 im Skulpturenpark Mörfelden-Walldorf/Frankfurt. Insgesamt hat die heute in Martfeld-Loge wohnende Ulrike Gölner bislang 190 Arbeiten angefertigt und diese in 22 Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

In dem kleinen Hain hinter dem Mausoleum entsteht gegenwärtig das jüngste Werk der Künstlerin, bei dem ein Eichenstamm zu einer noch namenlosen Skulptur umgestaltet wird, die, so die erklärte Absicht, Friedhofserfahrungen widerspiegeln soll. Ermöglicht wurde dieses am Ostersonntag gestartete Projekt, das voraussichtlich Pfingsten abgeschlossen wird, durch eine Förderung aus Kulturkirchenmitteln der Hanns-Lilje-Stiftung sowie dem von privat gespendeten Baumstamm. Für Ulrike Gölner ist der Friedhof nicht nur Rückzugsort, sondern immer auch ein Ort der Begegnung. Entsprechend freut sie sich stets über Gespräche mit Besuchern, die ihr gern bei der Arbeit zuschauen können.

Quellen

.  mündliche Auskünfte

.  Elfriede Hornecker (2015): Die Herren von Stoffhorst.

.  kirche-eystrup.wir-e.de

.  www.ulrikegoelner.de

.  diersign.de

.  www.heimatverein-eystrup.de

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