Das Aus für die Tennissparte?

Tennis: TuS Hoya-Vorstand lässt Spielbetrieb ruhen

Ausgesperrt: Architekt Norbert Thoss ist Mitglied der Tennissparte des TuS Hoya. 67 Jahre lang hat er auf dem Platz an der Promenade Tennis gespielt und auch die Baupläne für das Clubhaus (im Hintergrund) erarbeitet. Jetzt kann er das Gebäude nur noch durch den Maschendrahtzaun betrachten, denn sein Schlüssel passt nicht mehr. Der TuS-Vorstand ließ die Schlösser auswechseln.
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Ausgesperrt: Architekt Norbert Thoss ist Mitglied der Tennissparte des TuS Hoya. 67 Jahre lang hat er auf dem Platz an der Promenade Tennis gespielt und auch die Baupläne für das Clubhaus (im Hintergrund) erarbeitet. Jetzt kann er das Gebäude nur noch durch den Maschendrahtzaun betrachten, denn sein Schlüssel passt nicht mehr. Der TuS-Vorstand ließ die Schlösser auswechseln.

Hoya – Hoyaer Freunde des weißen Sports sehen schwarz: „Viele von uns befürchten ein Ende der Tennissparte des TuS Hoya“, sagt Norbert Thoss, Architekt und Bildhauer, der 67 Jahre lang im Verein Tennis gespielt hat. Damit ist vorerst Schluss, denn auf der Tennisanlage an der Promenade – zwischen Weserstraße und Lange Straße – geht nichts mehr.

„Die Tennissparte wurde ruhend gelegt“, erläutert Björn Stolterfoth, zweiter Vorsitzender des TuS (Turn- und Sportverein) Hoya, auf Anfrage der Kreiszeitung.„Seit der Tennisverein Hoya 2012 mit dem TuS Hoya fusionierte, gab es immer mal wieder Sanierungsaufwand am Tennishaus an der Promenade“, fährt Stolterfoth fort und ergänzt: „Zurzeit ist dieser Sanierungsaufwand sehr hoch, gemessen an der Zahl der Tennis-Spielenden. Wir sind ein Mehrspartenverein mit derzeit 550 Mitgliedern. Wir müssen die Kosten für die Tennishaus-Sanierung zukunftsorientiert abwägen.“

Norbert Thoss übt indes unverblümte Kritik: „Bemerkenswert ist es, dass ein Vorstand einen Verein innerhalb von zwei Jahren durch schlechtes Management in den Ruin fahren kann.“ In einer Tennisspartenversammlung des TuS, so Thoss weiter, habe Björn Stolterfoth den anwesenden Mitgliedern mitgeteilt, der TuS-Vorstand habe beschlossen, die Tennissparte im Jahr 2021 ruhen zu lassen. Das bedeute, die Plätze werden für den Spielbetrieb nicht hergerichtet, und eine Platzpflege finde nicht statt. Tennis spielen werde folglich 2021 in Hoya nicht möglich sein. Das führe zu einem Austritt fast aller aktiven Tennisspieler, weil sie nächstes Jahr im Sommer auf einem Außenplatz spielen möchten und das nur in einem anderen Verein in die Tat umsetzen können.

„Wahrscheinlich bedeutet das ein Ende der Tennissparte Hoya“, bedauert Norbert Thoss und fügt hinzu: „Unsere Mitglieder wandern nach Bücken und Bruchhausen-Vilsen ab.“ Björn Stolterfoth sagt: „Auch ich bin Tennisspieler und muss in der Umgebung spielen.“ Im Sinne einer Zukunftsperspektive, so erklärt Björn Stolterfoth weiter, müsse der TuS gemeinsam mit der Stadt Hoya eine Bestandsaufnahme für das gesamte Tennisgebäude machen. Das sei jetzt bei einem Treffen zwischen Stadtdirektor Detlef Meyer und dem TuS-Vorstand angesprochen worden.

„Wenn die Stadt uns hilft, könnte es schon bald wieder eine positive Entwicklung geben“

Bei dieser Bestandsaufnahme solle an Ort und Stelle entschieden werden, ob die Stadt sich an der Tennishaus-Sanierung beteiligen werde. Stolterfoth: „Wenn die Stadt uns hilft, könnte es schon bald wieder eine positive Entwicklung geben. Die Abwägung der Kosten muss im Interesse aller Mitglieder geschehen.“ Ziel der Fusion von Tennisverein und TuS sei es 2012 gewesen, Aktive zu generieren, damit mehr Leute Tennis spielen. Das habe aber nicht geklappt. Nur wenige Mitglieder des TuS seien damals zur Tennissparte gewechselt.

Bei der Fusion, so erinnert sich Norbert Thoss, habe der Tennisverein (TSV) dem TuS sein unbelastetes Clubhaus sowie ein Barvermögen von mehr als 6 000 Euro übergeben. Das Tennishaus war 1969 nach der Planung von Architekt Thoss zunächst eingeschossig erbaut und 1983 um einen Dusch- und einen Umkleideraum aufgestockt worden. Einen regelrechten Boom erlebte der Tennisverein Ende der 80er-Jahre, und zeitweilig gab es sogar einen Aufnahmestopp für neue Mitglieder. 1988 habe der TSV 223 Mitglieder gezählt, die auf vier Plätzen spielten.

Wasserschaden, undichtes Dach und schadhafter Deckenbalken

Nach der Fusion von TSV und TuS, schildert Norbert Thoss, sei die Zusammenarbeit mit dem damaligen Vorsitzenden des TuS, Jochen Freitag, äußerst harmonisch verlaufen, und die Tennisspieler hätten sich unter dem Dach des TuS gut aufgehoben gefühlt. Thoss: „Dann aber kam es 2018 nach dem Ausscheiden von Jochen Freitag zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vorstand und Spartenleiter Herbert Kroll, der jahrelang als unbezahlter Platzwart gearbeitet hatte.“ Das Ergebnis: Kroll trat zurück. Seine Nachfolgerin als neue Spartenleiterin wurde Corinna Kemper. Wegen eines Wasserschadens wurde im Mai 2019 der Umkleidebereich im Obergeschoss des Clubhauses gesperrt. Weitere Schäden sind unter anderem ein undichtes Dach und ein schadhafter Deckenbalken des Erdgeschosses.

Mehrfach, so Thoss, habe er deshalb vergeblich versucht, mit dem Vorstand des TuS zwecks Erörterung des Sachverhalts Kontakt aufzunehmen. Auch bei einer Spartenversammlung Ende September dieses Jahres sei das aus Zeitmangel nicht möglich gewesen. Inzwischen dürfen Norbert Thoss und andere Mitglieder den Tennisplatz nicht mehr betreten. Die Schlüssel, die ihnen zuvor noch den Zutritt erlaubten, passen nicht mehr. Die Schlösser wurden ausgewechselt. „Das war notwendig“, sagt Björn Stolterfoth, „weil Mitglieder auf dem Gelände waren und in das Gebäude gegangen sind. Tennis spielen wäre okay gewesen, aber das Gebäude ist gesperrt.“

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