Tischlermeister Axel Bösche kritisiert mangelnde Nachwuchsförderung im Handwerk

„Dann geht das Wissen mit in Rente“

Das Meisterstück von Mathis Bösche ist ein Low-Board. Es ist vergleichbar mit einer Kommode. Im Gegensatz dazu steht das Low-Board aber nicht auf dem Boden, sondern hängt an einer Wand.
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Das Meisterstück von Mathis Bösche ist ein Low-Board. Es ist vergleichbar mit einer Kommode. Im Gegensatz dazu steht das Low-Board aber nicht auf dem Boden, sondern hängt an einer Wand.

Mehringen – Die Augen von Tischlermeister Axel Bösche glänzen, wenn er über seinen Beruf spricht. „Handwerk ist Leidenschaft“, schwärmt er und erklärt: „Wenn ich einen Handwerksberuf erlerne, dann muss ich auch Spaß an der Sache haben.“ Das sei elementar wichtig. Umso bedeutender sei es deswegen, diese Leidenschaft an die nachfolgende Generation weiterzugeben. In diesem Punkt sieht Bösche deutlichen Nachholbedarf, weil der Preiskampf und die Profitgier in der Branche den Markt stark beeinflussen würden.

Lehrlinge finden ist kein Problem

Lehrlinge für das Handwerk zu gewinnen, sei indes kein Problem. „Ich kann es nicht mehr hören, wenn jemand sagt, er bekomme keine Auszubildenden mehr“, sagt er. Ein Betrieb müsse Eigeninitiative zeigen und nicht darauf warten, dass sich Azubis bei ihm melden. „Man muss sich der Jugend zeigen“, meint er.

Es gebe dafür genug Möglichkeiten und Kampagnen wie beispielsweise Berufsmessen an Schulen. Auch eine ansprechende Gestaltung einer Firmen-Homepage sei wichtig: „Das Internet ist heutzutage ein großes Thema.“ Um den Handwerksberuf für den Nachwuchs interessant zu machen, seien auch sich wiederholende Praktikumsangebote empfehlenswert. „Wenn man sich kümmert, dann findet man auch Azubis“, ist sich Bösche sicher.

Er höre zudem oft, dass sich seine Berufskollegen über die Qualitäten der Lehrlinge beschweren würden. „Wenn jemand sagt, dass die Azubis von heute nichts taugen, dann gehen mir die nicht vorhandenen Nackenhaare hoch“, sagt er verärgert. Falls die jüngeren Azubigenerationen weniger Qualitäten haben sollten, dann liege das daran, dass die Nachwuchsförderung im Handwerk ins Hintertreffen gerate. Für diese Entwicklung gebe es einen ausschlaggebenden Grund: Der betriebliche Druck sei oft so hoch, dass Gesellen gar keine Zeit mehr hätten, ihr Wissen an Auszubildende oder gerade ausgelernte Handwerker weiterzugeben. „Wenn das der Fall ist, dann geht das Wissen irgendwann mit in Rente“, sagt er mit ernster Miene.

Ausbildungsbetriebe am Markt im Nachteil

Den marktwirtschaftlichen Preiskampf würden nämlich die Firmen gewinnen, die nicht ausbilden, weil: „Ausbildung kostet dem Betrieb immer Geld“, sagt der Tischlermeister. Das würde ein finanzielles Ungleichgewicht schaffen, das die Politik nicht ausreichend auffange. „Es müsste einen Ausgleich geben“, meint er.

Ihm komme dabei als Beispiel eine steuerliche Ausbildungsplatzabgabe in den Sinn, die alle nicht ausbildenden Firmen an die Handwerkskammer zahlen müssten. Das Geld wiederum könnte auf die Ausbildungsbetriebe umverteilt werden. Sozusagen als Entschädigung, weil diese Betriebe den Preiskampf am Markt nicht mitgehen können.

Axel Bösche betont: „Ich will daran nichts verdienen.“ Gebe es diese Zuwendung für Ausbildungsbetriebe, dann wolle er es direkt in die Ausbildung der Lehrlinge investiert wissen. Auch in der Nachwuchsförderung sieht er Verbesserungspotenzial: „Es gibt im Bereich der Meisterschule viele Fördermöglichkeiten aus der Politik, nicht aber für Lehrlinge.“ Durch einen Bonus, den Ausbildungsbetriebe erhalten würden, könnten beispielsweise Weiterbildungen für Azubis finanziert werden. Er nehme trotzdem gern in Kauf, dass die Nachwuchsförderung seinen Betrieb Geld koste. Nur so könne fachliches Wissen die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden.

Zwei Meisterstücke in Mehringen gefertigt

In seinem Betrieb hat jetzt ein neuer Azubi seine Lehre begonnen. Darüber hinaus unterstützte er zwei Meisterschüler. dies bei ihm ihre Meisterstücke fertigstellten. Davor hatte bereits ein anderer sein Gesellenstück in der Merhinger Firma gebaut. Axel Bösches Sohn Mathis ist einer der zwei Meisterschüler. Dieser sagt: „Wir hatten 120 Stunden Zeit, das Meisterstück zu bauen.“ In dieser Zeit habe der 25-Jährige nicht für den Betrieb, sondern ausschließlich an seinem Projekt gearbeitet. Mathis Bösche möchte mittelfristig den Betrieb seines Vater übernehmen. Vorher will er nach Abschluss der Meisterschule aber noch neue Erfahrungen sammeln. „Ich gehe nach Cuxhaven in den Yachtbau“, sagt er.

Der ebenfalls 25-jährige Lutz Stöver hat sein Meisterstück auch bei der Tischlerei Bösche fertiggestellt. Er sei zwar nie beim Mehringer Betrieb angestellt gewesen und wohnt in Heiligenfelde, aber er durfte seine Arbeit im dort anfangen und auch beenden. Er habe Mathis Bösche auf der Holztechnikerschule in Hildesheim kennengelernt. „Wenn man zu Hause nicht die Möglichkeiten hat, muss man sich einen Betrieb suchen, bei dem man sein Meisterstück bauen kann“, erklärt er. Er sei dankbar, dass Axel Bösche seine Räumlichkeit zur Verfügung gestellt hat.

„Wir werden immer Handwerker brauchen“, meint Axel Bösche und macht damit deutlich, dass der Handwerksberuf nicht aussterben werde: „Dieser Job hat – auch in der Region – Zukunft.“ Im Handwerk sei es immer möglich, Arbeit in der Heimat zu finden.

Von Jannick Ripking

Das Meisterstück von Lutz Stöver ist ein Schreibtisch. „Das ist alles Eiche“, erzählt er. Die Schubkästen und der Standfuß sind für die Optik komplett verkohlt worden.

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