Vierbeiner und die Pandemie

Tierexpertin über das Virus: „Fast jede Freigänger-Katze hat Corona“

Team des Geißblatthofs aus Warpe
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Das Team vom Geißblatthof in Warpe mit den Betriebsleitern Linda Christof (hintere Reihe, zweite von links) und ihrem Mann Bernd (hintere Reihe, rechts) gibt Vierbeinern ein vorübergehendes Zuhause.

Zwar gibt es nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht ausreichend Belege dafür, dass Haustiere wie Hund, Katze & Co. Überträger des Coronavirus sind. Aber das heißt nicht, dass sie nicht infiziert sein können. Denn laut Linda Christof vom Geißblatthof in Warpe, hat fast jede Freigänger-Katze Corona – wenn auch nicht die Form des Virus, welches die Menschen aktuell plagt.

  • Nach dem Stand der Wissenschaft sind Haustiere keine Überträger des Coronavirus.
  • Allerdings sind laut Aussagen von Tierexpertin Linda Christof vom Geißblatthof viele Katzen mit Corona infiziert.
  • Dabei handelt es sich jedoch um eine andere Form des Virus.

Warpe – Linda Christof ist die Tierheim- und Pensionsleiterin sowie die Vorsitzende des Vereins Tier- und Umweltschutzhof Geißblatt in Warpe. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd und dem Team nimmt sie Fundtiere aus den umliegenden Gemeinden auf und bietet Problemfällen ein vorübergehendes Zuhause. Aktuell kümmert sich die 51-Jährige um rund 60 Schafe, Ziegen, Pferde, Ponys, Hunde und Katzen. Wenn es um Tiere geht, weiß Christof also, wovon sie spricht. Und sie ist überzeugt: „Ein Corona-Infekt ist total üblich bei Säugetieren.“

Katzen könnten sich beispielsweise mit einer „handelsüblichen“ Form des Virus anstecken. Die Erkrankung zeige sich dann meist durch Magen-Darm-Probleme, die allerdings wieder behoben werden könnten. „Fast jede Freigänger-Katze hat Corona. Und da braucht man sich meistens keine Sorgen zu machen“, versichert die gelernte Tierpflegerin.

Es gebe jedoch auch eine mutierte Form von Corona, das sogenannte Fip-Virus, das für die kleinen Fellnasen in den meisten Fällen tödlich ende. „Dabei sammelt sich Wasser im Bauchraum an“, sagt Christof. Die katzenspezifischen Coronaviren seien allerdings nicht auf den Menschen übertragbar. Darüber hinaus vermutet die Hofinhaberin aus Warpe, dass es auch ein hundespezifisches Coronavirus gebe. Ein schwerer Verlauf bei einem Tier ist der 51-Jährigen jedoch nicht bekannt.

Wegen des Coronavirus: Der Geißblatthof bleibt geschlossen - Schließung hat Vor- und Nachteile

Um sich und andere Menschen sowie die Tiere vor SARS-CoV-2 zu schützen, ist der Geißblatthof aktuell geschlossen. Und dieser Umstand hat nicht nur Nachteile: „Im ersten Lockdown wurden viel weniger Problemtiere abgegeben. Das war wirklich sehr schön zu sehen. Anscheinend hatten die Leute einfach mehr Zeit, um sich selbst Zuhause damit auseinanderzusetzen“, berichtet Christof erfreut. Tiere seien größtenteils nur abgegeben worden, weil beispielsweise das Herrchen oder Frauchen verstarb.

Dogge Nelly (rechts oben) wurde in Schwarme ausgesetzt und ist hochgradig abgemagert. Das Veterinäramt Diepholz und der Geißblatthof hoffen aktuell auf Hinweise auf den Vorbesitzer. Das Team muss Nelly erst besser kennenlernen und sie aufpäppeln, bevor die Fellnase vermittelt werden kann.

Zudem hätten sich mehr Menschen einfach nur informiert, wie sie unter anderem Fundkätzchen selber aufziehen könnten. „Auch die Pension war leer, der Grund dafür waren vermutlich die Reisebeschränkungen“, sagt die Tierfreundin. Während des aktuellen Lockdowns habe sich die Lage jedoch normalisiert und es würden auch wieder mehr Problemtiere abgegeben werden.

Ein weiterer Vorteil der Schließung sei zudem die gewonnen Zeit für das Arbeiten mit Härtefällen. „Es war und ist einfach viel strukturierter, da Vermittlungsgespräche nur noch mit vorheriger Terminabsprache stattfinden“, so die 51-Jährige. Es seien allerdings noch nicht alle Tiere für einen neuen Besitzer bereit, einige würden beispielsweise noch auf einen Wesenstest warten.

Coronavirus-Pandemie wirkt sich auf Spenden aus - Geißblatthof verzeichnet deutliche Differenz zum Vorjahr

Bei der Vermittlung schaut das Team des Geißblatthofs ganz genau hin. Denn so einfach ist es nicht, einen Vierbeiner zu adoptieren. Nach einem Vorgespräch, in dem versucht wird, ein geeignetes Tier für den Interessenten zu finden, kommt es zum Kennenlernen. „Dabei schauen wir, wie sie mit dem Tier umgehen“, erklärt Christof.

Einige Tierheime hätten während der Krise Bedenken geäußert, dass vermittelte Vierbeiner nach der Pandemie wieder zurückgebracht werden könnten. „Das wird bei uns, denke ich, nicht der Fall sein, denn wir haben unsere Tiere oftmals an Familien vergeben, wo immer jemand daheim oder nur für einige Stunden weg ist. Außerdem fragen wir immer nach einem Plan für die Zukunft“, meint die Hofinhaberin.

Kater Ruby Tuesday (Bild rechts unten) ist ein Fundtier und wartet nun auf einen neuen Besitzer.

Eine Vermittlung ist in jedem Fall ein Erfolg, denn irgendwann sind die Kapazitäten einer Einrichtung ausgeschöpft. „Bei den Katzen geht aktuell noch was, der Tierschutz ist allerdings voll“, sagt Christof. Fundtiere würde der Geißblatthof jedoch trotzdem annehmen, da eine Kooperation mit den Gemeinden bestehe. Private Anfragen müssten jedoch das ein oder andere Mal zurückgewiesen werden. „Wenn voll, dann voll. Dann müssen die Leute eben weitere Einrichtungen abtelefonieren“, so die 51-Jährige.

Doch die Pandemie hält auch negative Auswirkungen für das Warper Team bereit. Da die Tore geschlossen wurden und Hofführungen nicht stattfinden konnten, fehlten natürlich auch die Besucher, die ansonsten die ein oder andere Spende dort lassen. „Insgesamt sind es 23 000 Euro weniger als im Vorjahr“, sagt Christof. Ein Glück gebe es die Möglichkeit einen Förderantrag beim Landschaftsministerium in Hannover zu stellen. „Wir wissen definitiv, dass wir etwas bekommen, aber noch nicht wie viel.“

Kontakt

Wer sich informieren möchte, kann einen Blick auf die Homepage der Einrichtung werfen oder sich bei Interesse bei Linda und Bernd Christof unter Telefon 05022/260 melden (bitte auf den Anrufbeantworter sprechen).

tierschutzhof-geissblatt.de

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