„Das Testergebnis schockte uns erstmal“

Corona-Test positiv: Paar aus Samtgemeinde Hoya berichtet von Leben in Quarantäne

Samtgemeinde Grafschaft Hoya - Von Nala Harries. Ein Ehepaar aus der Samtgemeinde Grafschaft Hoya hat sich nach seinem Österreich-Urlaub aufgrund der Entwicklungen um das Coronavirus vorsichtshalber selbst in Quarantäne begeben. Beide zeigten nach ihrer vorzeitigen Rückkehr vergangene Woche leichte Erkältungssymptome. Das Ergebnis des Corona-Tests bewies: Der Mann hatte sich mit dem Virus infiziert.

Seine Frau wartet derzeit noch auf die Bestätigung, sich testen lassen zu können. Die freiwillige Quarantäne ist seitdem vorüber, denn das Kreisgesundheitsamt Nienburg ordnete an, dass die beiden das Haus für 14 Tage nicht verlassen dürfen. Wie sich der Alltag in Quarantäne gestaltet und mit was für Einschränkungen das Ehepaar leben muss, erzählt die Frau jetzt in einem Interview.

Warum haben Sie sich nach ihrer Rückkehr direkt selbst in Quarantäne begeben?

Am Freitagmorgen gab es eine öffentliche Empfehlung des Gesundheitsministers, dass sich alle Rückkehrer aus Südtirol, Österreich und der Schweiz in eine selbstangeordnete Quarantäne begeben sollten. Dieser sind wir gefolgt. Zu dem Zeitpunkt war das aber noch keine Pflicht.

Wann und wie haben sich dann die ersten Symptome gezeigt?

Das war bereits am Donnerstag. Wir hatten beide trockenen Husten, sonst aber nichts. Nachmittags bekam mein Mann Fieber und er hatte Gliederschmerzen. Am Freitagmorgen haben wir dann beim Arzt angerufen und uns zum Testen angemeldet.

Kam der Arzt für den Test dann zu Ihnen?

Nein. Die Anmeldung zum Test gibt der Hausarzt weiter an die zuständige Stelle. In unserem Fall befand sich diese in Verden. Dort ist ein Container eingerichtet worden, wo man dann getestet wird. Der Anruf, dass mein Mann herkommen kann, kam aber erst am Sonntag. Also drei Tage später. Am Dienstag teilte uns dann der Hausarzt das Ergebnis mit. Darüber informierte das Labor dann auch gleich das Gesundheitsamt. Anschließend hat sich das Gesundheitsamt dann bei uns gemeldet und uns über die 14-tägige Quarantäne aufgeklärt. Zudem melden sich dessen Mitarbeiter einmal am Tag und fragen uns nach unserem Befinden. Per E-Mail erhielten wir zusätzlich ein Tagebuch, in das wir beispielsweise die Symptome eintragen sollen.

Was haben Sie gedacht, als Sie erfahren haben, dass einer von Ihnen mit dem Virus infiziert ist?

Das Testergebnis schockte uns erstmal. Vorher haben wir eher immer ein bisschen darüber gewitzelt, von wegen: „Na, wenn wir positiv getestet sind, dann sind wir es halt und haben es dann hinter uns.“ Aber was das alles nachsichzieht, damit haben wir nicht gerechnet. Vor allem betrifft es gar nicht mal unbedingt uns selber, sondern eher die Menschen, die wir damit in eine Bredouille bringen. Damit meine ich beispielsweise, dass die wenigen Kontaktpersonen von uns ebenfalls in Quarantäne mussten – egal, ob sie erkrankt sind oder nicht. Diese Quarantäne ist nicht auf freiwilliger Basis, sie ist angeordnet. Das heißt, man muss in seinem Haus bleiben. Die freiwillige Quarantäne ist meiner Meinung nach vom Gefühl immer noch etwas anders, als dass dir jemand sagst, „Du darfst nicht raus“. Derzeit sind wir also sozusagen hier eingesperrt.

Wie verbringen Sie jetzt Ihre Zeit?

Langweilig wird uns nicht, wir arbeiten beide den ganzen Tag im Homeoffice. Zwar leiden wir noch unter leichten Erkältungssymptomen, aber es ist nichts Wildes. Die Psyche ist eher das Problem, da wir nicht wissen, wie es den anderen draußen geht, wie es in der Firma läuft und wie es insgesamt weitergeht. Ich habe in meinem Unternehmen eine führende Position, stehe mit allen per E-Mail und Telefon in Kontakt und nehme über Skype an Konferenzen teil. Derzeit geht es bei uns – so wie bei vielen anderen sicherlich auch – darum, wie lange die Firma in dieser Form noch weiterarbeiten kann. Um alles zu regeln, fange ich morgens um sieben Uhr an zu arbeiten und höre am späten Nachmittag um halb fünf auf. 

Mit den „Exit“-Spielen vertreibt sich das Ehepaar nun neben der Arbeit im Homeoffice die Zeit während der Quarantäne. Die Frau beschreibt diese als „passendes, wenn auch makaberes Geburtstagsgeschenk“, denn „Exit“ bedeutet auf Deutsch „Ausgang“, der den beiden jedoch vorerst verwehrt bleibt.

Genauso sieht es auch bei meinem Mann aus, somit bleibt auch gar nicht so viel übrig vom Tag. Mein erster Tag in Quarantäne war ausgerechnet auch noch mein Geburtstag, den wir dann zu zweit gefeiert haben. Zum Glück habe ich mehrere „Exit“-Spiele geschenkt bekommen, mit denen wir uns die restliche Zeit vertreiben. Darüber hinaus denke ich, dass jeder von uns im Alltag viel zu wenig Zeit hat, sich zu Hause um Angelegenheiten zu kümmern, die eigentlich dringend dran wären. Bei uns haben sich etliche Dinge angesammelt. Wir werden jetzt anfangen, auszuräumen und zu sortieren. Insgeheim habe ich mir immer gewünscht, dass die Welt mal für ein paar Wochen stillsteht, jetzt ist es soweit, und ich nehme diesen Wunsch zurück. So hatte ich das nicht gemeint.

Mit was für Einschränkungen müssen Sie derzeit leben?

Hier zu Hause eigentlich mit gar keinen. Klar, denkt man mal über einen Spaziergang nach, da man sich ja auch nicht vernünftig bewegt. Aber ich werde einen Teufel tun und jetzt einen Spaziergang machen.

Waren Sie auf eine solche Quarantäne-Situation vorbereitet?

Also sagen wir mal so, wir haben kein Klopapier mehr. Mittlerweile sind wir seit neun Tagen „Quarantäne-Profis“. Mitglieder unserer Familie, die nicht in Quarantäne sind, versorgen uns mit Einkäufen. Natürlich achten wir dabei auf eine kontaktlose Übergabe. Tatsächlich habe ich vor unserem Urlaub im Supermarkt schon ein Paket Nudeln und Tomatensoße mehr mitgenommen als sonst. Man muss sich das Leben in Quarantäne irgendwie schön machen: Unser Weinlieferant kommt heute auch und bringt uns zwei Kisten.

Wie fühlen Sie sich jetzt?

Wir zeigen beide nur noch leichte Erkältungssymptomen. Bei mir ist seit drei Tagen der Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt. Kochen ist deswegen ein bisschen schwierig. Mein Mann schmeckt derzeit alles ab. Körperlich geht es uns relativ gut. Psychisch geht es jedoch langsam an die Bestände.

Ich habe bereits von mehreren Menschen gehört, denen Vorwürfe gemacht werden, weil sie sich angesteckt haben. Ist das bei Ihnen auch der Fall?

Ja. Die Leute meinen, da wir uns entschieden haben, nach Österreich zu reisen, es sei Ansteckung mit Ansage gewesen. Das ist es auch gerade, was an unseren Nerven zerrt. Wir hatten anfangs Urlaub in Südtirol gebucht, den dann aber kurzfristig abgesagt und sind nach Österreich gereist. Ich bin davon überzeugt, dass bereits viele weitere Personen das Virus in sich tragen, es aber noch nicht wissen. Die wiederum stecken dann wieder andere an. 

Wir hören und sehen es ja alle, aber irgendwie nehmen das viele noch nicht so ernst. Die Welt war vor zwei Wochen noch eine andere, als wir uns entschieden, in den Urlaub zu fahren, und auch da gehörten wir zu den Menschen, die es nicht so richtig ernst genommen haben. Aber heute kann ich sagen, es ist ernst. Es ist nicht nur Panikmacherei, es ist so schlimm, wie es ist, und es ist wichtig, dass wir das nicht unterschätzen.

Also sind Sie dafür, den sozialen Kontakt auf ein Minimum zu beschränken?

Absolut. Ohne Kompromisse. Junge Menschen wie wir oder Menschen mittleren Alters werden zwar relativ schnell wieder gesund, aber was ist mit den Risikogruppen? Die werden durch die Unvorsichtigkeit der Menschen angesteckt.

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