Corona-Schnelltests

Die meisten Schulen in der Grafschaft Hoya warten noch auf angekündigte Lieferung

Mann vor Tafel mit Wattestab in der Nase.
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Neuer Alltag an Schulen: Lehrer, Mitarbeiter und Schüler sollen sich regelmäßig auf das Coronavirus testen. Die dazu benötigten Materialien stehen allerdings noch nicht allen Einrichtungen in der Samtgemeinde Hoya zur Verfügung.

Hoya – Zurück auf die Schulbank heißt es ab heute für die Kinder und Jugendlichen der weiterführenden Schulen in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya. In der Woche vor den Osterferien sollen alle Jahrgänge im Wechselmodell unterrichtet werden. Das heißt, an einem Tag ist immer nur die Hälfte der Schülerschaft vor Ort.

Richtig glücklich ist Lutz Bittner, Leiter des Johann-Beckmann-Gymansiums (JBG) in Hoya, mit dieser Regelung nicht. Er hätte sich gewünscht, dass das Szenario B genannte Wechselmodell bereits eine Woche früher für alle Jahrgänge gegolten hätte. Denn die nun greifende Regelung habe zur Folge, dass Lehrer von Fächern, die nur einmal pro Woche unterrichtet würden, nur die Hälfte ihrer Schüler zu Gesicht bekämen. Andererseits sagt er: „Es ist immer leicht zu kritisieren, wenn man nicht in der Verantwortung steht.“

Er kenne nicht alle Hintergründe, die zu der Entscheidung geführt hätten, den eingeschränkten Präsenzunterricht für alle Schüler erst in der Woche vor Ostern wieder einzuführen.

Regelmäßig Corona-Selbsttests

Die Rückkehr der Schüler verbindet das niedersächsische Kultusministerium mit der Ankündigung einer neuen Teststrategie. Alle Schüler und Lehrer in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya sollen demnächst regelmäßig Corona-Selbsttests machen können.

Eine entsprechende Rundverfügung des Landesamts für Schule und Bildung haben die Einrichtungen vergangene Woche erhalten. Wann die Umsetzung vor Ort erfolgt, ist bislang jedoch nicht klar. „Alle Schulen in Niedersachsen werden in der Woche vor den Osterferien in die Lage versetzt sein, Selbsttestungen vorzunehmen. Entsprechend gehen in diesen Tagen 1,2 Millionen Tests an die rund 3 000 Schulen in Niedersachsen“, teilt ein Sprecher des Kultusministeriums mit. Angaben zu einzelnen Lieferzeitpunkten für einzelne Schulen konnte er nicht machen.

Am Freitagnachmittag hatte das JBG in Hoya laut Bittner noch keine Erkenntnisse über eine mögliche Lieferung. Auch Michael Duensing, Sprecher des Landkreises Nienburg, konnte vor dem Wochenende keine Details zum Zeitplan machen. Genauso wie Britta Grohs, Fachdienstleiterin Bildung im Rathaus in Hoya. Die Schulleitung der Marion-Blumenthal-Oberschule wollte sich auf Anfrage gar nicht zu diesem Thema äußern.

Tests liegen beim Zoll

Mögliche Verzögerungen begründet das Landesamt für Schule unter anderem mit der Verweildauer der bestellten Ware im Zoll. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erklärte vergangene Woche im Landtag in Hannover, rund 400 000 Testkits seien bislang an Schulen in Südniedersachsen verteilt worden. Alle weiteren Regionen würden „in den nächsten Wochen“ beliefert.

Für den Fall, dass die Tests heute eintreffen sollten, wäre das JBG vorbereitet. „Wir haben in einer Videokonferenz mit dem gesamten Kollegium alle über das Vorgehen und unsere organisatorische Vorbereitung informiert und Problembereiche besprochen und geklärt“, berichtet Bittner. Er setzt große Hoffnungen in die regelmäßigen Tests in Bildungseinrichtungen. Sie könnten den Raum Schule in der Pandemie ein Stück sicherer machen, sagt der JBG-Leiter.

Keiner der Impfstoffe ist bislang für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren zugelassen. Ein Vakzin kann also die Lehrer vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen, aber nicht einen Großteil der Schüler. Das Kultusministerium bezeichnet die Selbsttests an Schulen daher als „wichtigen Baustein“. Auch wenn die Durchführung einen gewissen Anteil des Unterrichtstages in Anspruch nehme, so sei diese Zeit doch gut investiert, schreibt Tonne in einem Brief an die Schulen. „Wenn fünf von sechs Unterrichtsstunden in Präsenz durchgeführt werden können, weil in der ersten Stunde eine gewisse Zeit für das Testen benötigt wird, dann sind das möglicherweise fünf Stunden mehr, als ohne Testungen stattfinden könnten.“

Rückkehr zum Präsenzunterricht

Die Tage vor den Osterferien hat das Kultusministerium daher zur Übungswoche erklärt. Lehrer und Schüler sollen sich mit den Abläufen für die Tests vertraut machen können. Das entscheidende Argument für die Rückkehr zum Präsenzunterricht sei jedoch der soziale Aspekt des Zusammenkommens als Klassengemeinschaft und des Wiedersehens, sagt ein Ministeriumssprecher.

Die Tests – so sie denn vorhanden sind – sollen nach Vorgaben aus Hannover an weiterführenden Schulen unter Anleitung eines Lehrers im Klassenverband gemacht werden. Dabei sind natürlich immer die Corona-Regeln zu beachten: Maske, Abstand, Hygiene, Lüften.

Für alle minderjährigen Schüler benötigen die Schulen im Vorfeld das schriftliche Einverständnis der Eltern. Schüler, die 18 Jahre und älter sind, sowie die Beschäftigten an der Schule dürfen selbst über ihre Teilnahme entscheiden. Klar ist: Ohne Einwilligung kein Test. Das alles muss möglichst sauber dokumentiert sein, damit die mit der Aufsicht betrauten Lehrer wissen, wer einen Test macht und wer nicht.

Nach den Osterferien, so der Plan der Landesregierung, sollen sich dann sowohl das Personal als auch die Schüler anlasslos einmal pro Woche vor Unterrichtsbeginn testen können. Ziel ist, Infektionen möglichst frühzeitig zu erkennen und Erkrankungen ohne Symptome zu entdecken. Ein positiver Selbsttest muss immer durch einen PCR-Test bei einem Arzt bestätigt werden.

Grundschulen

An den Grundschulen in der Samtgemeinde ist die Situation eine andere: Sie unterrichten bereits im Szenario B. Und anders als am Hoyaer Gymnasium gibt es gute Nachrichten: An der Gretel-Bergmann-Grundschule in Eystrup sind die Testkits bereits angekommen. Das teilt Schulleiterin Cornelia Kehlbeck-Raupach mit. Die Anzahl reiche aus, um jedem Kind sowie allen Lehrern und Mitarbeitern vor Ostern jeweils eine Testpackung zur Verfügung zu stellen.

„Meiner Ansicht nach können die Selbsttests ein wichtiger Baustein zum Infektionsschutz sein – allerdings nur neben den bereits bekannten weiteren Maßnahmen“, sagt Kehlbeck-Raupach. Denn ein Schnelltest liefere nur eine Momentaufnahme und sei nur ab einer gewissen Viruslast positiv. „Ich erhoffe mir, dass diese hoch infektiösen Fälle durch die Testung frühzeitig erkannt werden.“

Anders als bei den Jugendlichen an den weiterführenden Schulen, sollen Grundschüler sich nach Angaben des Kultusministeriums zunächst mit Hilfe ihrer Eltern zu Hause testen.

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