Straßenmusik mal anders

Am Klavier durch den Ort: Mister Piano hilft Menschen mit Musik

Hoyerhagen - Dennis Volk alias Mister Piano spielt eigentlich auf den großen Bühnen dieser Welt – unter anderem in Österreich, Budapest und Berlin. Zudem war er schon Gast bei Kai Pflaumes Fernsehsendung „Comedy Falle“.

  • Mister Piano Dennis Volk tritt weltweit auf
  • Nun ist er in Hoyerhagen mit seinem „Rolling Piano“ aufgetreten
  • Dennis Volk will mit seiner Musik die Corona-Krise erträglicher machen

Doch am vergangenen Wochenende trat er ganz privat und mit genügend Sicherheitsabstand für die Bewohner der Dorfstraße in Hoyerhagen auf. Mit seinem „Rolling Piano“ rollte er von Haus zu Haus und wollte mit der Musik den Menschen in Zeiten der Corona-Krise, in denen niemand an kulturellen Events teilnehmen kann, etwas Gutes tun. Woher die Idee für das außergewöhnliche Straßenkonzert kam, mit welchem Auswirkungen Künstler derzeit zu kämpfen haben und was den gebürtigen Achimer ins ländliche Hoyerhagen verschlagen hat, erzählt er jetzt im Interview mit der Kreiszeitung.

Wie kam es zu dem Straßenkonzert in Hoyerhagen?

Derzeit etabliere ich an der Dorfstraße in Hoyerhagen gerade mein Tonstudio und außerdem mit meiner Partnerin zusammen ein Institut für Yoga und Lebenskunst, das Yama-Institut. Wir wollen dort Seminare sowie Kurse und alles Mögliche zum Thema Yoga anbieten. Dafür haben wir die alte Grundschule gekauft. Wir wollten mit unserem Konzept jetzt eigentlich durchstarten, aber das geht durch Corona natürlich nicht. Insofern ist das hier in Hoyerhagen meine Nachbarschaft. Ich habe überlegt, wie ich der Gesellschaft mit meinen Mitteln durch die Krise helfen kann und mit dem Straßenkonzert wollte ich die Kraft der Musik nutzen, um den Menschen etwas Gutes zu tun. Alle sind quasi eingesperrt zu Hause und können an keinen kulturellen Events teilnehmen. Da wird den Menschen noch mal richtig bewusst, wie wichtig solche Dinge für ein angenehmes Leben sind. Und wie wertvoll Musik ist, wenn sie echt und fühlbar ist. In solchen Zeiten ist es wichtig, dass jeder nicht nur an sich denkt, sondern auch daran, etwas er für andere tun kann. Und da haben wir Künstler natürlich eine Menge zu geben. Durch meinen Auftritt wollte ich den Menschen für den Augenblick ein Stückchen Lebensqualität schenken.

Dennis Volk alias Mister Piano rollt mit seinem „Rolling Piano“ die Dorfstraße in Hoyerhagen entlang und gibt fast für jeden Haushalt ein kleines Privatkonzert – natürlich mit genügend Sicherheitsabstand.

Wie haben die Menschen reagiert?

Das Konzert kam fantastisch an. Ich würde sagen, es war schon fast eine ganz besondere Form eines Straßenfests. Einen Tag vorher habe ich einen Rundbrief in die Postkästen geworfen, in dem ich mein Vorhaben angekündigt hatte und darum gebeten habe, dass alle auf ihren eigenen Grundstücken bleiben. Das hat auch super funktioniert. Zudem hatten die Anwohner die Möglichkeit, sich Lieder im Voraus zu wünschen, die ich dann beim Straßenkonzert auch gespielt habe. Da waren unter anderem Stücke von den Beatles, Rammstein, Metallica und Coldplay dabei. Es ging also von gefühlvollen Songs bis hin zu Partykrachern. Dementsprechend war auch die Stimmung: Zum Teil lagen sich die Menschen liebevoll in den Armen oder haben halt losgerockt. Einige haben ihre Bänke rausgestellt, sich einen Tee gekocht und gewartet, bis ich dann vorbeigerollt komme. Gefühlt war das ganze Dorf auf den Beinen.

Wie kamen Sie auf die Idee für das „Rolling Piano“?

Ich mache seit vielen Jahren in der Branche ganz verrückte und besondere Sachen am Klavier und denke mir immer wieder etwas Neues aus. Die Idee für das „Rolling Piano“ ist vor rund fünf Jahren ganz spontan entstanden, weil ich wieder etwas bringen wollte, was es noch nicht gibt. Das Piano habe ich dann nach meinen Plänen bauen lassen. Es ist eine kleine motorbetriebene Bühne, auf der ein Klavier steht. Mit dem Fuß kann ich Gas geben und lenken. So kann ich während ich mich im Kreis drehen oder an den Menschen vorbeifahre, gleichzeitig Klavier spielen.

Wie sind Sie überhaupt zum Klavierspielen gekommen?

Ich habe mit sechs Jahren angefangen, auf dem mütterlichen Klavier herumzuklimpern. Mit acht Jahren hat meine Mutter das nicht mehr ausgehalten und mich zum Klavierunterricht geschickt. Mit zehn Jahren hatte ich meinen ersten öffentlichen Auftritt. In der Zeit kurz vor meinem Abitur ging es dann langsam los, dass ich die ersten Schritte unternommen habe, dass Klavierspielen mal mein Beruf wird. Ich habe oftmals auf kleineren und größeren Veranstaltungen wie Hochzeiten und Geburtstagen gespielt. Über die Jahre hat sich das dann stets weiterentwickelt. Seit meinem 25. Lebensjahr bin ich hauptberuflich Pianist. Vor rund zehn Jahren trat ich erstmals im Fernsehen auf, unter anderem in Kai Pflaumes „Comedy Falle“ auf Sat 1. Vor drei Jahren gelang mir mit dem sieben Meter langen „Walking Piano“, auf dessen Tasten wir tanzen, ein weiterer größerer Durchbruch. Mittlerweile trete ich europaweit damit auf, unter anderem in Österreich, Holland uns der Schweiz. Es ging sogar schon einmal nach Kuwait und Los Angeles.

Wie würden Sie Ihren Musikstil beschreiben?

Echt. Also ich spiele Musik, die ich mag und Kompositionen, die ich selbst zu schätzen weiß. Und natürlich auch das, was die Menschen mögen. Mein Stil ist kunterbunt durchgemixt. Da sind viele alte Sachen, aber auch neue dabei. Ich spiele auch mal ein Heavy-Metal-Stück oder etwas von Rammstein und im nächsten Augenblick wieder etwas von den Beatles.

Ist ein weiterer Auftritt dieser Art geplant?

Das war zunächst eine einmalige Aktion. Aber ich habe den Menschen angemerkt, wie dankbar sie dafür waren und wie viel Freude es ihnen bereitet hat. Vielleicht kann das ein Anstoß sein, dass so etwas eine neue Form von Livemusik wird, oder auch für Tanz und Theater. Unsere Kultur ist ja sehr vielseitig. Es gab doch früher die Troubadoure, die vor dem Balkon ihrer Angebeteten standen und ein Lied sangen. So könnten Straßenkonzerte entstehen, bei denen die Kulturämter Mittel zur Verfügung stellen und Künstler aller Art durch die Städte schicken. Dabei sollte die Sicherheit aller Beteiligten natürlich vorausgesetzt werden.

Wie wirkt sich Corona- Krise auf Ihre Arbeit aus?

Aktuell haben wir einen Verdienstausfall von 100 Prozent. Natürlich arbeiten wir schon an Ideen, auch online Geld zu verdienen. Mit meinem YouTube-Kanal der immerhin 50.000 Abonnenten hat und ein paar Millionen Klicks im Jahr erzielt, haben wir ganz gute Startbedingungen. Aber ich setzte für die Zeit, bis es mit Konzerten und Events wieder losgeht auch darauf, dass die Menschen sich auf den Wert von Livemusik besinnen. Viele Künstler probieren sich derzeit an Online-Konzerte, und das nicht unbedingt, um der Welt etwas Gutes zu tun, sondern größtenteils um wenigstens etwas zu verdienen. Ich denke, es wird nur ganz wenige geben, bei denen es super läuft, und zwar sind das die, die schon eine große Reichweite haben. Aber alle anderen werden dabei noch nicht einmal ihren Aufwand herauskriegen. Wenn sich die Menschen aber jetzt besinnen, und sagen, dass sie die Künstler unterstützen wollen, beispielsweise in dem einfach mal jeder Haushalt eine CD von seinem Lieblingskünstler oder einem Künstler aus seiner eigenen Stadt bestellt, dann wäre, glaube ich, schon viel getan.

Zu meiner persönlichen Situation: Wenn es bei ein paar Monaten Verdienstausfall bleibt, dann stehen wir das schon durch. Aber die dauerhaften Folgen, wenn es sie gibt, können wir noch nicht einmal erahnen. Budgets von Veranstaltern werden gestrichen oder gekürzt. Es kann noch gut ein Jahr dauern, bis alles zur Normalität zurückkehrt. Dass es Förderungen gibt, ist sicherlich ein nett gemeinter Gedanke. Die genügen allerdings hinten und vorne nicht. Für den Künstler, der eher von der Hand in den Mund lebt, kann so eine pauschale Zahlung von wenigen tausend Euro zumindest während der aktiven Krisenzeit die Rettung bedeuten, und das finde ich auch gut. Für diejenigen Künstler, die größere Produktionen anbieten, wie beispielsweise wir mit dem „Walking Piano“, ist das eher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn die bestehenden Kosten laufen ja immer noch weiter.

Rubriklistenbild: © Yama Institut

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