Verschärfte Regeln

2G im Einzelhandel: Hoya setzt auf Bändchen statt individuelle Kontrollen

Rot und gut sichtbar: Magro-Filialleiterin Anika Kehrens (rechts) bindet ihrer Kollegin Kathrin Schwandt schon einmal eines der Bändchen um ihr Handgelenk.
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Rot und gut sichtbar: Magro-Filialleiterin Anika Kehrens (rechts) bindet ihrer Kollegin Kathrin Schwandt schon einmal eines der Bändchen um ihr Handgelenk.

Hoya – Wer nicht geimpft oder genesen ist, darf nun einen Großteil der Geschäfte in Hoyas Innenstadt nicht mehr betreten. Ursprünglich sollte die Beschränkung des Einzelhandels nach der 2G-Regel bereits heute in Niedersachsen in Kraft treten. Ein Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg machte eine kurzfristige Überarbeitung jedoch notwendig, sodass die 2G-Regel erst ab morgen greift. Die Fördergemeinschaft Hoya war jedoch bereits am Freitag auf die bevorstehenden Maßnahmen gut vorbereitet.

„Ich habe mir kurzfristig Gedanken gemacht, was wir machen können, um das Ganze etwas leichter zu gestalten, den Kunden Sicherheit zu geben und die Inhaber zu entlasten“, erklärte Kathrin Schwandt, die Vorsitzende der Fördergemeinschaft Hoya und Inhaberin der „Outfiteria“. Denn jeder, der die Einzelhandelsgeschäfte in Hoya betreten wolle, müsse kontrolliert werden und dementsprechend ein gültiges Zertifikat nachweisen, welches Auskunft über seinen Impf- oder Genesenenstatus gebe. Ein großer Aufwand für die Inhaber und womöglich eine Hemmschwelle für viele Kunden.

In diesem Zusammenhang sei Schwandt das Konzept des „Winterwalds“ in den Sinn gekommen, denn bei dieser Veranstaltung gebe es für jeden, der nachweislich geimpft oder genesen ist, ein Bändchen um das Handgelenk. „Ich dachte mir, dass dies auch eine gute Möglichkeit für den Einzelhandel wäre“, erzählte sie weiter. Auch Verden sprach sich für diese nicht zu übersehenden Markierung der Kunden aus.

„Wir hatten noch Bändchen von der Parkplatzparty übrig“

Nun will Hoyas Einzelhandel daran anknüpfen, weswegen die Vorsitzende der Fördergemeinschaft gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Marion Koppermann und mithilfe von Magro-Filialleiterin Anika Kehres, zahlreiche Bändchen organisierte, damit jeder Kunde ab Montag die Möglichkeit hat, ohne viel Aufwand die Läden zu betreten. „Wir hatten noch welche von der Parkplatzparty übrig, die wir jetzt dafür verwenden und bestellen auch gerade welche nach“, meinte Kathrin Schwandt und stellte damit sicher, dass eine ausreichende Anzahl an Bändchen zur Verfügung stehe. Kunden können sich diese in jedem Einzelhandelsgeschäft der Stadt abholen – ausgenommen vorerst die Ernstings-Family-Filiale. Dort war zum gestrigen Zeitpunkt noch keine Entscheidung getroffen worden.

Und wie funktioniert das? Um ein Bändchen zu erhalten, müsse man ganz einfach seinen Impfpass oder den entsprechenden QR-Code des Zertifikats oder seinen Genesenennachweis im Geschäft vorzeigen und erhalte anschließend das Band, erläuterte Schwandt das Konzept und fügte hinzu: „Auch der Personalausweis muss in diesem Zusammenhang kontrolliert werden.“

Das Band solle zudem mit dem aktuellen Datum versehen werden. „Wie lange es gelten soll, ist noch nicht entschieden. Sobald das feststeht, werden wir es bekannt geben“, sagte die Vorsitzende der Fördergemeinschaft.

Aber wie kann verhindert werden, dass die Bändchen nicht ganz einfach weitergegeben werden? „Eine Kontrolle ist natürlich schwierig. Wir müssen diesbezüglich wohl auf Vertrauen setzen, wollen aber immer mal wieder stichprobenartig kontrollieren“, erklärte Schwandt.

Corona-Einzelkontrollen in manchen Geschäften in Hoya schwierig

Zuvor plante die „Outfiteria“-Chefin – wie viele andere Geschäftsinhaber in Hoya – die Nachweise einzeln an der Tür ihres Ladens zu kontrollieren, beispielsweise mit der CovPass-Check-App. „Einige der Einzelhändler aus Hoya sind aber ganz allein im Geschäft. Einzelkontrollen werden dann schwierig“, fand Schwandt und geht daher davon aus, dass die Bändchen eine gute Lösung sowohl für ihre Kollegen als auch für die Kunden seien.

„Viele Kunden sind aktuell verunsichert, welche Regeln überhaupt gelten. Die Bändchen könnten ihnen mehr Sicherheit geben“, meinte sie und betonte: „Es gilt 2G, nicht 2G+. Es ist also kein extra Testnachweis nötig.“

Bedeutet das nun, dass Ungeimpfte gar keine Chance mehr auf Produkte aus Hoyas Einzelhandel haben? „Nein, das stimmt so nicht. Bei mir können sie auch weiterhin telefonisch bestellen und die ausgewählten Stücke vor der Tür abholen. Sie dürfen nur nicht in den Laden. So oder so ähnlich handhaben es sicherlich auch die anderen Einzelhändler“, war Schwandt überzeugt.

Bändchen-Lösung in Hoyas Geschäften „macht es einfacher“

Die Geschäftsinhaber aus Hoya, mit denen die Kreiszeitung gesprochen hat, sind mit der Bändchen-Lösung auf jeden Fall zufrieden. „Das macht es einfacher“, fand beispielsweise Ute Bretschneider von der gemeinnützigen Gruppe, die den „Weltladen“ betreibt. Dort gelte bereits seit der vergangenen Woche die 2G-Regel. Die Nachweise seien bisher jedoch immer einzeln kontrolliert worden.

Erfreut über die Etablierung der Bändchen zeigt sich auch Walter Wohlers vom Fachgeschäft „Weber & Wohlers“. „Ich bin für alles offen, was das Ganze vereinfacht“, meinte er. Durch die Einführung der 2G-Regel stehe ihm vermutlich jedoch ein weiterer Einbruch seiner Umsätze bevor, denn es kämen seiner Einschätzung nach wohl noch weniger Kunden in den Laden.

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Elena Diel vom Brautmodengeschäft „Traum in Weiß“ ist ebenfalls besorgt. „Ich habe schon in den vergangenen Wochen gemerkt, dass immer weniger Kunden zu mir kommen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die meisten nun ihre Hochzeit verschieben“, vermutete sie. Die verschärften Regeln würden das Ganze nicht einfacher machen.

Von der 2G-Regel ausgenommen sind Lebensmittelgeschäfte und Apotheken sowie Blumen- und Pflanzengeschäfte. Zu dieser Gruppe zähle nach eigenen Angaben auch die Buchhandlung „Leserei“. Im „Kulinarium“ könne ebenfalls jeder einkaufen, sich aber nicht im dazugehörigen Café aufhalten. Dort gilt nämlich 2G+, womit nur Geimpfte und Genesene mit negativen Testnachweis ihren Kaffee vor Ort genießen können. Auch in der Floristik und Gärtnerei Thöming greift die 2G-Regel nicht.

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