Carolin Krebs hilft im Kindergarten „Wundertüte“ und festigt ihren Berufswunsch

Wie ein Freiwilliges Soziales Jahr gleich doppelt nützt

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Carolin Krebs malt mit Mare ein Bild. Während ihres FSJ in der „Wundertüte“ hat sich die 17-Jährige entschieden, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen.

Von Julia Kreykenbohm. Vorsichtig füllt Carolin Krebs die kleinen Gläser mit Wasser und stellt sie Felix und Mare hin. Zusätzlich bekommt jedes der beiden Kinder der Kindertagsstätte „Wundertüte“ in Warpe Farbe und Pinsel. Sofort malen die Kleinen begeistert drauflos. Carolin steht daneben, passt auf, hilft und lobt. Dabei strahlt die 17-Jährige. Man merkt, dass ihr die Arbeit unheimlich Spaß macht. „Ich finde es toll, mit Kindern zu arbeiten“, bestätigt sie. Carolin absolviert seit mehreren Monaten ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der „Wundertüte“, das im August endet. Nun sucht die Kindertagesstätte für sie eine Nachfolgerin – oder auch einen Nachfolger.

Eine Lehrerin hatte Carolin den Platz in der „Wundertüte“ vermittelt – sehr zur Freude von Simone Martinek vom Leitungsteam. „Für uns sind die FSJler eine große Hilfe. Aber auch für die Kinder ist es toll, wenn eine dritte Kraft dabei ist.“

In der Krippe sind derzeit zehn Kinder. Jedes hat andere Eigenschaften und Bedürfnisse, und die Mitarbeiter möchten jedem Kind gerecht werden. Zu zweit kann das manchmal schwer werden. „Wenn beispielsweise ein Kind gewickelt wird, ist der andere erstmal mit neun Kindern allein.“ Die FSJler seien in der Regel sehr beliebt bei den Kleinen, weil sie eben immer Zeit für sie haben. Das merke man auch jetzt: „Die Kinder hängen sehr an Carolin“, sagt Martinek.

Für die 17-Jährige aus Hoyerhagen war der Einstieg völlig unproblematisch. „Man muss am Anfang erstmal eine Beziehung zu den Kindern aufbauen, aber dann lief alles super.“ Ihr Aufgabengebiet ist vielfältig. Wenn sie morgens in die Kindertagesstätte kommt, schlüpft sie als erstes in die Rolle der Vorleserin, um die Kleinen über die Trennung von den Eltern hinwegzutrösten. Dann hilft sie, das gemeinsame Frühstück vorzubereiten und ist danach bis 13 Uhr als ständige Ansprechpartnerin für ihre Schützlinge da. Sie malt, spielt, backt oder geht mit ihnen nach draußen.

„Am schönsten ist es, zu beobachten, welche Fortschritte die Kinder machen“, schwärmt Carolin, zum Beispiel wenn die Kleinen zu ihr kommen und ganz stolz zeigen, dass sie nun selbstständig Schuhe anziehen können.

Ihre Malstunde mit Mare und Felix wird unterbrochen. Zwei kleine Jungen stürmen mit bunten Seilen in den Raum. „Carolin, du wirst gefesselt“, erklären die beiden – und machen sofort ernst. Die 17-Jährige ergibt sich lachend und lässt sich aus dem Zimmer ziehen.

„Berührungsängste darf man bei dieser Arbeit natürlich nicht haben“, sagt sie. Auch ein paar Erfahrungen im Haushalt sind für ein FSJ in der Kindertagesstätte nicht verkehrt. „Doch noch wichtiger ist es, kommunikativ zu sein“, sagt Simone Martinek. „Immerhin sind wir die Sprachvorbilder der Kinder.“

Die FSJler sind in der „Wundertüte“ Teil des Teams und können eigene Ideen einbringen. „Sie übernehmen auch erzieherische Aufgaben, schließlich sollen sie in diesem Jahr feststellen, ob der Beruf der richtige für sie ist“, erklärt Martinek.

Für Carolin war ihr Jahr eine absolute Bereicherung. „Ich bin selbstständiger und auch selbstbewusster geworden und habe viel gelernt. Ich kann das FSJ nur empfehlen.“ Die Hoyerhägerin macht demnächst eine Ausbildung zur Erzieherin – und möchte am liebsten irgendwann in die „Wundertüte“ zurückkommen.

Inzwischen ist Carolin von ihren beiden „Entführern“ in ein „Gefängnis“ aus Matratzenteilen gesperrt worden. Der kleine Noah fängt plötzlich an zu weinen, weil er Carolin nicht mehr sehen kann. Die 17-Jährige befreit sich rasch selbst und tröstet den Jungen. Wird da der Abschied im August nicht auch schwerfallen? „Wir werden ihn auf jeden Fall sensibel einleiten“, sagt Simone Martinek. „Doch die Kinder werden sicher noch oft nach Carolin fragen.“

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