Bürgerinitiative verweist auf Leukämie-Risiko

„Stromleitungen unter die Erde“

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Optisch kein Highlight und gesundheitlich nicht unbedenklich: Freileitungen, hier bei Hoya.

Samtgemeinde - Der Stromnetz-Betreiber Tennet hat im November in einem Schreiben an den Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer und den Bürgermeister von Bücken, Wilhelm Schröder, mitgeteilt, dass in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya keine Erdverkabelung vorgesehen sei, weil sie nicht zu den vier Pilot-Streckenabschnitten gehöre, auf denen eine Kabelverlegung unter die Erde getestet werden soll. Wie berichtet, will Tennet die bereits bestehende Stromtrasse von Stade nach Landesbergen aufrüsten, die auch durch die Samtgemeinde verläuft.

Die in diesem Jahr von Einwohnern der Samtgemeinde gegründete „Bürgerinitiative gegen Stromtrassenbau“ protestiert gegen diese Vorentscheidung und fordert für die Bereiche Hoya-West und Warpe/Windhorst neben der Bündelung der vorhandenen Stromtrassen auch die Aufnahme in die Pilotprojekt-Planung. Die Begründung: Nur so könnten die im niedersächsischen Raumordnungsprogramm vorgesehenen Abstände der Kabel zur Wohnbebauung eingehalten werden.

„Das Risiko der Menschen in der Wohnbesiedlung durch die teilweise schon vorhandenen Hochspannungs-Freileitungen liegt bereits jetzt erheblich über den von unabhängigen Wissenschaftlern für unbedenklich gehaltenen Werten“, schreibt die Bürgerinitiative in einer Pressemeldung. Und weiter: „Zu den bisher schon in den Stellungnahmen der Samtgemeinde und der betroffenen Gemeinden geäußerten Gründen verweisen wir auf einen zusätzlichen: das Risiko für Kinderleukämie, das in der bisherigen Diskussion zu kurz gekommen ist. In der Zwischenzeit hat sich die Lehrmeinung gedreht. Das erhöhte Risiko von Leukämie im Kindesalter in der Nähe von Stromtrassen ist nicht mehr von der Hand zu weisen.“

Die Bürgerinitiative fordert deshalb eine Erdverkabelung, die im Vergleich zu Freilandleitungen bis zu achtfach geringere Sicherheitsabstände erlaubt. Denn das Erdreich schluckt einen Großteil der elektromagnetischen Strahlung, die die Gesundheit gefährden soll.

„Für die Forderung der Bürgerinitiative spricht außerdem der am 3. Dezember beschlossene Gesetzentwurf des Bundestags für die Priorisierung von Erdverkabelung bei Gleichstromtrassen. Der Bau von oberirdischen Masten soll dabei zukünftig die Ausnahme werden, um die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Energiewende zu erhöhen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Anders als der ebenfalls geplante und diskutierte „SuedLink“ von Nord- nach Süddeutschland ist die durch die Samtgemeinde laufende Trasse von Stade nach Landesbergen aber eine Wechselstromleitung. Ihre Kapazität soll durch eine Erhöhung der Spannung von bislang 220 auf 380 Kilovolt vergrößert werden. Dazu ist ein Neubau in unmittelbarer Nähe der heutigen Leitung vorgesehen. Formal gilt der allerdings als Erweiterung der bestehenden Trasse, weshalb fraglich ist, ob dabei die aktuellen Abstandsregelungen eingehalten werden müssen.

mwe

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