„Woher.Wohin“

Buchvorstellung wird in Hoya zur tiefgründigen Erfahrung

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Autorin Elfriede Hornecker (links) mit Marion Blumenthal Lazan.

Hoya - Von Jana Wohlers. Bücken, 1715: Das Haus der jüdischen Familie Isaak wird willkürlich angegriffen, Fenster zerspringen, viele jüdische Familien im heutigen Hoyaer Land leben in steter Unruhe. Rund 100 Jahre später: Ein anderes Denken, der Gedanke von Freiheit und Gleichheit aller, stellt sich ein. Es sind vermehrt jüdische Hausstellen zu finden. Noch einmal 100 Jahre vergehen, bis die ersten Anzeichen einer neuen Qualität von Antisemitismus sichtbar werden.

Frühe Anzeichen, von vielen verkannt, aus denen ab 1932 eine systematische und planmäßige Verfolgung und Entrechtung entstehen. Diese ersten Zeilen des neuen Buches „Woher. Wohin“ zogen am Donnerstagabend zahlreiche Zuhörer im Kulturzentrum Martinskirche in ihren Bann.

Packende Präsentation 

Fesselnd, schockierend, nachdenklich stimmend – die unter Federführung der langjährigen Leiterin des Hoyaer Heimatmuseums, Elfriede Hornecker, erarbeitete Publikation beschreibt das Leben der jüdischen Minderheit im Hoyaer Land so eindrucksvoll und rührend, wie nur Lokalgeschichte sein kann. Es ist eine Reise durch die Jahrhunderte, gekoppelt mit einer Auseinandersetzung mit den Geschehnissen, die „Woher.Wohin“ so packend präsentiert.

Ulrike Taenzer, Nachfolgerin von Elfriede Hornecker als Leiterin des Hoyaer Heimatmuseums, dankte bei der offiziellen Buchvorstellung „insbesondere allen, die mit ihrem Engagement und ihrer unermüdlichen Arbeit hinter dem fertigen Buch stehen“. Auch sei es an der Zeit, Dank zu sagen bei allen Unterstützern und Förderern des Projekts, wie dem Landschaftsverband Weser-Hunte und der Hoya-Diepholz’schen Landschaft.

Forderung zur bewussten Auseinandersetzung mit Geschichte

Die Danksagungen der Redner galten all jenen, die mit ihrer Arbeit über Jahrzehnte ein solches Projekt überhaupt erst ermöglicht haben.

Hoyas Bürgermeisterin Anne Wasner dankte vor allem der Vorarbeit von Elfriede Hornecker. „Das Werk ist ein Teil unserer Heimatgeschichte, die wir nie vergessen werden“, sagte Wasner. „Es ruft die Geschichte nicht nur in Erinnerung, sondern fördert auch eine bewusste Auseinandersetzung damit.“

Mit dem Namen der jüdischen Familie Blumenthal kehrte – nicht nur in „Woher. Wohin“ – ein Stück Hoyaer Familiengeschichte zurück in die Grafenstadt. Bei der Buchvorstellung saß niemand anderes als Marion Blumenthal Lazan in der ersten Reihe. Die Hoyaer Ehrenbürgerin, die in New York lebt, ist derzeit zu Gast in ihrem Heimatort. Sie tritt vor allem in den USA und in Deutschland für die ihr besonders wichtigen Werte Gerechtigkeit, Toleranz und Weltoffenheit ein.

Hypnotisch wirkende Musik

„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten“, gab Pedro Becerra zu bedenken. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Delmenhorst war anlässlich der Buchvorstellung nach Hoya gereist. Es sei bemerkenswert, welche Kontakte durch das Werk entstanden seien. „Was hier in der Stadt, durch Verknüpfungen und Unterstützung bis hin in Politik und Verwaltung, realisiert wird, ist erstaunlich“, lobte Becerra.

Die stimmungsvoll vorgetragenen Ausschnitte aus „Woher.Wohin“ wechselten sich am Donnerstag mit klangvoller, teils fast hypnotisch wirkender Musik von Susanne Geßler ab und sorgten für eine Erfahrung der besonders tiefgründigen Art.

Das Buch „Woher.Wohin“ ist im Heimatmuseum erhältlich und bei der „Leserei“ in Hoya. Es kostet 20 Euro, mit DVD 25 Euro.

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