Seepferdchen haben sie alle

28 Flüchtlingskinder können nach Kursen schwimmen

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Jesty Ehlers (hinten) ist Fachangestellte für Bäderbetriebe im Naturfreibad Eystrup. Dort brachte sie acht Flüchtlingskindern das Schwimmen bei: (stehend, von links) Kinan und Ihab Selo, Aliakbar Husseini, Iman Selo und Sayara Qarzada sowie (sitzend, von links) Negara, Erada und Usna Qarzada.

Eystrup/Hoya - Von Michael Wendt. Außer der Sprache? Nein, da gibt es keine Unterschiede zwischen deutschen Schwimmschülern und Kindern von Flüchtlingen, sagt Schwimmmeister Holger Kautsch. Oder vielleicht einen ganz kleinen: „Die Flüchtlingskinder sind etwas lebhafter.“

Kautsch muss es wissen. Er bringt jungen Asylsuchenden das Schwimmen bei. Die Kosten dafür übernimmt auf Beschluss des Bundestags das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Ja, wirklich, denn die Kurse sind „beispielhafte Projekte der ländlichen Entwicklung“.

„Renate Paul als Vorsitzende des Arbeitskreises ,Brot und Salz‘ hat einen Förderantrag für Schwimmkurse für Flüchtlinge gestellt, und der ist bewilligt worden“, erklärt Ann-Kathrin Feddeler von der Samtgemeindeverwaltung. Sie arbeitet in Flüchtlingsfragen eng mit „Brot und Salz“ zusammen. 

Ansonsten ist die Samtgemeinde in die Aktion „Schwimmkurse“ aber nicht einbezogen. Ihre Mitarbeiter, Schwimmmeister Holger Kautsch und die Fachangestellte für Bäderbetriebe, Britta Masemann, lehren den Kindern in ihrer Freizeit das Schwimmen – und erhalten davon aus der Förderung des Landwirtschaftsministeriums eine Aufwandsentschädigung.

Auch in Eystrup gibt es entsprechende Kurse. Im Naturfreibad lernen die Mädchen und Jungen aus fremden Ländern das Schwimmen bei Jesty Ehlers. Sie ist wie Britta Masemann Fachangestellte für Bäderbetriebe.

Engagieren sich dafür, dass Flüchtlinge Schwimmen lernen: (von links) Britta Masemann (Fachangestellte für Bäderbetriebe im Freibad Hoya), Renate Paul (Vorsitzende des Flüchtlingshilfearbeitskreises „Brot und Salz“), Ann-Kathrin Feddeler (Samtgemeindeverwaltung) und Holger Kautsch (Schwimmmeister im Freibad Hoya).

Zwei Kurse in Hoya und einer in Eystrup sind bereits abgeschlossen – mit großem Erfolg. „Das Seepferdchen haben alle gemacht“, sagt Britta Masemann. Und einige schafften sogar die Bedingungen für den Freischwimmer. „Das ist unser eigentliches Ziel und auch das Ziel der Mädchen und Jungen“, sagt Holger Kautsch und erklärt: „Denn nur, wenn Kinder sieben Jahre alt sind und den Freischwimmer haben, dürfen sie in Hoya alleine ins Freibad kommen.“ 

Die fleißigsten Schüler haben sogar das Totenkopf-Abzeichen in Bronze oder Gold geschafft, ergänzt der Schwimmmeister. Dafür mussten sie eine beziehungsweise sogar zwei Stunden am Stück schwimmen.

Für das Freischwimmer-Abzeichen reicht deutlich weniger: dafür gilt es, 200 Meter unter 15 Minuten zu schwimmen, einen Gegenstand aus zwei Metern Tiefe zu holen und einen Startsprung hinzulegen.

Lange für das Seepferdchen trainiert

Und für das Seepferdchen müssen die Teilnehmer 25 Meter am Stück schwimmen, vom Beckenrand ins Wasser springen und einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser holen. Wie gesagt: Das haben alle Teilnehmer geschafft.

20 Mal 30 Minuten haben sie dafür geübt. Derzeit läuft ein letzter Schwimmkurs für Flüchtlinge in Hoya. Danach ist das Fördergeld von exakt 2 538 Euro aufgebraucht – und die Freibad-Saison auch erst einmal zu Ende.

Renate Paul überzeugt sich ab und an selbst von den Fortschritten der Flüchtlinge und schaut im Freibad in Hoya vorbei. Dann kommen viele Kinder gleich zu ihr und berichten, was sie schon können und im Bad erlebt haben. „Ich bin sehr dankbar für die Förderung“, sagt die Hoyaerin. Ebenso dankbar ist sie dafür, dass die drei Fachleute in Eystrup und Hoya neben ihrem regulären Job die Kursleitungen übernommen haben.

Bislang haben in den drei abgelaufenen Kursen 28 Kinder das Schwimmen gelernt. Aktuell üben es weitere zehn.

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